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„BOB“ – Wer trinkt, fährt nicht!

Etwa jeder vierte Unfall mit Personenschaden wird von Fahranfängern im Alter von 18 bis 24 Jahren verursacht. Bei Unfällen unter Alkoholeinwirkung liegt die Beteiligung sogar bei über 30 Prozent. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde das Präventionsprogramm „BOB – Wer trinkt, fährt nicht!“ zur Vermeidung von Fahrten unter Alkoholeinfluss ins Leben gerufen. Die Idee: Jugendliche, die auf Partys, in der Disco oder in der Kneipe keinen Alkohol trinken um ihre Mitfahrer sicher nach Hause zu bringen, erhalten für ihr Verantwortungsbewusstsein ein alkoholfreies Freigetränk auf Kosten des Hauses. Die ursprünglich aus Belgien stammende Aktion wird mittlerweile in 17 weiteren Europäischen Ländern umgesetzt

Präventionskonzept belohnt Nüchternheit junger Fahrer


Fahranfänger im Alter von 18 bis 24 Jahren sind besonders häufig an schweren Verkehrsunfällen beteiligt

© william87, fotolia

 

Etwa jeder vierte Unfall mit Personenschaden wird von Fahranfängern im Alter von 18 bis 24 Jahren verursacht. Bei Unfällen unter Alkoholeinwirkung liegt die Beteiligung sogar bei über 30 Prozent. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde das Präventionsprogramm „BOB – Wer trinkt, fährt nicht!“ zur Vermeidung von Fahrten unter Alkoholeinfluss ins Leben gerufen. Die Idee: Jugendliche, die auf Partys, in der Disco oder in der Kneipe keinen Alkohol trinken um ihre Mitfahrer sicher nach Hause zu bringen, erhalten für ihr Verantwortungsbewusstsein ein alkoholfreies Freigetränk auf Kosten des Hauses. Die ursprünglich aus Belgien stammende Aktion wird mittlerweile in 17 weiteren Europäischen Ländern umgesetzt

Die Botschaft hinter BOB

„BOB“ ist keine Abkürzung, sondern der Phantasiename derjenigen Person einer Gruppe, die nach Absprache keinen Alkohol trinkt und sich und ihre Mitfahrer sicher nach Hause bringt. „BOB“ macht diese Verantwortungsübernahme nach außen deutlich, indem er sich mit einem gelben BOB-Schlüsselanhänger zu erkennen gibt, den er zuvor in einer der teilnehmenden Bars, Kneipen oder Diskotheken erhalten hat. Zeigt „BOB“ diesen Schlüsselanhänger dem Thekenpersonal vor, erhält er ein alkoholfreies Gratis-Getränk. Das Konzept richtet sich insbesondere an junge Erwachsene bis 27 Jahre, die noch nicht lange am Straßenverkehr teilnehmen. Ziele der Aktion sind es,

  • Nüchternheit als positives Handeln junger Menschen in die Öffentlichkeit zu transportieren,
  • für die Risiken und Gefahren der Teilnahme am Straßenverkehr unter Alkohol- und Drogeneinfluss zu sensibilisieren,
  • Alkohol am Steuer zu minimieren,
  • die Unfallzahlen zu senken und
  • die Verkehrssicherheit langfristig zu steigern.

Informationen für Fahrer und Mitfahrer

BOB richtet sich grundsätzlich an alle Verkehrsteilnehmer, im Besonderen aber an die besonders gefährdeten jungen Fahrer der Altersgruppe bis 27 Jahre. BOB beginnt bereits im Kindesalter („ideeller BOB“), geht über in den „aktiven BOB“ (ab 17 Jahre) und reicht weit bis in den dritten Lebensabschnitt (BOB-Fahrer). BOB zielt auf die Gefühls- und Verstandesebene junger Menschen ab. Um in teilnehmenden Gaststätten, Kneipen und Diskotheken ein alkoholfreies Gratis-Getränk zu erhalten, zeigt „BOB“ seine Verantwortung für Freunde und Mitfahrer selbstbewusst durch das sichtbare Tragen des gelben BOB-Schlüsselanhängers. In BOB-Lokalen in Trier kann anstelle des Schlüsselanhängers auch ein speziell für die Aktion entworfener BOB-Wallpaper auf dem Smartphone vorgezeigt werden. Alle Mitglieder der Gruppe sollten den Fahrer des Abends unterstützen und seine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, anerkennen. Wichtig und im Sinne der Aktion ist es auch, dass nicht immer dieselbe Person Chauffeur ist, sondern möglichst alle Jugendlichen aus einer Clique reihum die Verantwortung tragen.

 

 

„BOB“ übernimmt Verantwortung für Freunde, Bekannte oder Kollegen

© Aktionsbündnis BOBBayern e. V.

Wissenswertes für Gastronomen

Gaststätten, Kneipen, Bars, Clubs und Diskotheken, die an der Aktion teilnehmen möchten, erhalten von der zuständigen Polizeidienststelle Gaststättenaufkleber, Flyer und BOB-Schlüsselanhänger. Die Aufkleber sollten deutlich im Eingangsbereich der Gastronomie angebracht werden. Kommt eine Gruppe aus drei oder mehr Personen in die Lokalität und eine Person zeigt den gelben Schlüsselanhänger vor, so erhält diese ein alkoholfreies Getränk auf Kosten des Hauses. Grundsätzlich ist das erste Getränk frei – ob mehr Getränke kostenlos sind, entscheidet der Wirt bzw. Betreiber. Die Art des alkoholfreien Freigetränks (Wasser, Cola, Limo etc.) ist nicht festgelegt. Wird nach dem kostenlosen alkoholfreien Getränk doch Alkohol vom Fahrer konsumiert, ist das alkoholfreie Getränk mit auf die Rechnung zu setzen. Teilnehmende Gastronomiebetriebe sind für keinen bestimmten Zeitraum an die Aktion gebunden.

BOB in Deutschland

Die Aktion BOB stammt ursprünglich aus Belgien, wo sie bereits seit 1995 existiert und sehr erfolgreich läuft: Etwa 96 Prozent der dortigen Bevölkerung kennt BOB und über 50 Prozent sind bereits einmal BOB gewesen. Mittlerweile wird das Konzept in 17 weiteren Europäischen Ländern umgesetzt. In Deutschland ist es vor allem in Nord- und Mittelhessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Thüringen sowie in Bayern verbreitet. Initiatoren und hauptverantwortlich für BOB in Deutschland sind die Polizeiverbände der beteiligten Bundesländer. In Bayern wurde ein Aktionsbündnis BOBBayern gegründet. Alle deutschen BOB-Initiativen pflegen einen regen Kontakt und Erfahrungsaustausch untereinander – unter anderem im Rahmen einer jährlich durchgeführten Fachtagung und einem Gemeinschaftsstand beim Deutschen Präventionstag. In einigen Bundesländern gibt es sogar „BOB-Fahrschulen“: Dort wird den Fahrschülern vermittelt, was BOB ist und wie BOB funktioniert. Desweiteren soll die Kampagne ein Bindeglied zwischen den Gaststätten-, Diskothekenbetreibern und der Polizei sein. Polizeibeamte können z. B. im Rahmen ihrer Streifentätigkeit die BOB-Lokale aufsuchen um sie mit neuem Material (Schlüsselanhänger, Flyer usw.) zu versorgen. Hierbei zeigt die Polizei Präsenz, was wiederrum zur Einhaltung einschlägiger Vorschriften (Jugendschutz, Trunkenheitsfahrten, Körperverletzungen, Sachbeschädigung etc.) führen kann. Bei Verkehrskontrollen, bei denen ein „BOB“ kontrolliert wird, soll dieser auch von Seiten der Polizei Anerkennung für sein vorbildliches Verhalten finden.

Erfolge

In Belgien wird die Wirkung von BOB auf die Alkoholdelinquenz und die Alkoholunfälle durch das Belgische Institut für Verkehrssicherheit regelmäßig untersucht und nachgewiesen. Für Deutschland liegt ebenfalls eine aussagekräftige Studie zur Wirkung von BOB vor, die von der Justus-Liebig-Universität Gießen im Auftrag der deutschen BOB-Initiative aus Mittelhessen durchgeführt wurde. Die überaus positiven Resultate der Studie zeigen nicht nur einen hohen Bekanntheitsgrad unter den Jugendlichen (72 Prozent), sondern auch eine signifikant deutlich bessere Entwicklung bei den Verkehrsunfällen mit alkoholisierten Verursachern zwischen 18 und 24 Jahren: Seit der Einführung der Aktion BOB im Jahr 2007 sind sie um 44 Prozent zurückgegangen. Auch eine Evaluation des Landesinstituts für Präventives Handeln des Saarlandes hat gezeigt, dass die Aktion eine große Akzeptanz in der Zielgruppe findet und die Übernahme sozialer Verantwortung langfristig fördert.

 

KL (19.12.2014)

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