< Von der Unfallaufnahme bis zur Versicherungsmeldung

Was tun, wenn etwas passiert ist?

Wenn man in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde, sollte man Ruhe bewahren, den Rettungsdienst alamieren und Erste Hilfe leisten. Doch was heißt das genau?

Richtiges Verhalten nach dem Verkehrsunfall

Hilfe nach Unfall

© Stefan Körber, fotolia

 

Wenn man in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde, sollte man Ruhe bewahren, den Rettungsdienst alamieren und Erste Hilfe leisten. Doch was heißt das genau?

Tipps für das richtige Verhalten am Unfallort

  1. Die Ruhe bewahren!
  2. Die Situation erfassen:
    1. Wurde jemand verletzt?
    2. Ist Öl oder Benzin ausgelaufen?
    3. Wo genau befindet sich die Unfallstelle?
    4. Sind weitere Helfer in der Nähe?
  3. Wenn es Verletzte gab: Der Rettungsdienst ist unter der Telefonnummer 112 erreichbar. Er benötigt Basisinformationen zur akuten Unfallsituation.
  4. Wer sich an einer Unfallstelle bewegt, sollte eine Warnweste anlegen. Die Unfallstelle muss mit einem Warndreieck gesichert werden.
  5. Wenn keine akuten Hilfsmaßnahmen nötig sind und die Polizei (Telefonnummer 110) den Unfall aufnehmen soll, warten die beteiligten Personen in sicherem Abstand, z. B. hinter der Leitplanke, bis die Polizei eintrifft. Es besteht immer die Gefahr von Nachfolgeunfällen durch unaufmerksame Verkehrsteilnehmer.
  6. Jeder sollte Erste Hilfe leisten, so gut er kann. Dafür gibt es eine moralische Verpflichtung: Denn es sterben erheblich mehr Menschen durch unterlassene Hilfeleistung als durch falsche Erste Hilfe. Es gibt aber auch gesetzliche Regelungen: Unterlassene Hilfeleistung kann mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden.
  7. Die Unfallbeteiligten sollten Beweise sichern: Dafür kann man sich an den „fünf W“s" orientieren: Was? Wann? Wo? Wer? Wie?
    • Es ist von Vorteil, gleich an Ort und Stelle mit dem Unfallgegner einen Unfallbericht mit Skizze auszufüllen. Formulare dafür haben Versicherungen und Automobilclubs. In der Skizze sollten die Fahrzeuge, die Begrenzungen und Einmündungen der Straßen sowie die relevanten Verkehrszeichen zu erkennen sein.
    • Auch Fotos von der Unfallstelle können später wichtig werden.
    • Am besten notiert man sich die Namen und vollständige Anschrift der anderen Unfallbeteiligten sowie der Zeugen und die Fahrzeugmarke, den Typ und das Kennzeichen der anderen in den Unfall verwickelten Fahrzeuge.
  8. Wenn es keine Verletzten gab:
    • Die Frage der Kostenübernahme wird am besten im Gespräch mit dem anderen Unfallbeteiligten geklärt. Die Polizei muss nicht generell gerufen werden; sie ist auch nicht verpflichtet, jeden so genannten Bagatellschaden (mit Instandsetzungskosten von weniger als 700 €) aufzunehmen. Fast jeder zweite Verkehrsunfall wird heute allein unter den Beteiligten geregelt. 
    • Die Straße darf nicht länger als notwendig blockiert werden.
  9. Handelt es sich nicht um einen Bagatellschaden, sollte in jedem Fall die Polizei hinzugezogen werden. Eine eigene Beweissicherung ist in jedem Fall sinnvoll.  

Was tun als Beobachter oder Zeuge?

  1. Als Erster am Unfallort ist es wichtig, den Unfall nicht zu ignorieren, sondern anzuhalten.
  2. Das eigene Fahrzeug wird mit ausreichend Abstand vor der Unfallstelle abgestellt und die Warnblinkanlage eingeschaltet. Die Warnweste wird angelegt und das Warndreieck aufgestellt. Das ist bei Dunkelheit und schlechten Sicht- und Straßenverhältnissen besonders wichtig.
  3. Die Aussagen von Unfallzeugen sind wichtig. Das ist zwar mit Aufwand verbunden, aber wenn man selbst einmal in einen Unfall verwickelt ist, ist man froh, wenn jemand eine günstige Zeugenaussage machen kann.

Tipps für das richtige Verhalten bei Unfällen mit Verletzten

  1. Die Verletzten mit zusätzlicher Jacke oder einer Wolldecke warm halten.
  2. Die Unfallopfer ansprechen. Sie müssen das Gefühl haben, nicht allein zu sein. Das lindert Schockzustände.
  3. Bewusstlose Unfallopfer (die nicht ansprechbar sind, aber regelmäßig atmen) in eine stabile Seitenlage bringen.
  4. Unfallopfer, die nicht atmen, per Mund-zu-Mund-Beatmung wiederbeleben. Dafür sollte man den Erste-Hilfe-Kurs aus der Fahrschulzeit unbedingt einmal auffrischen!
  5. Wenn Benzin ausläuft und das Fahrzeug zu explodieren droht, müssen die Unfallopfer schnellstmöglich aus dem Fahrzeug geschafft werden. Wenn Gefahr im Verzug ist, ist die Lebensrettung in jedem Fall wichtiger als das Vermeiden zusätzlicher Schäden durch einen möglicherweise unsachgemäßen Umgang mit den Verletzten.
  6. Platz- und Schnittwunden versorgen: Verbandskasten öffnen, Handschuhe überziehen, Verbandspäckchen aufreißen, komplett auf die Wunde drücken und warten, bis die professionelle Hilfe vor Ort ist.
  7. Verunglückten Motorradfahrern den Helm abnehmen. Sie könnten sich, wenn sie bewusstlos werden, erbrechen und dann ersticken. Dann reicht die Zeit nicht mehr aus, um ihnen den Helm abzunehmen und sie zu beatmen.
  8. Wenn jemand ohnmächtig wird oder zu werden droht, legt man die Person am besten hin und lagert die Beine hoch.

Was ist die „Stabile Seitenlage“?

In der Stabilen Seitenlage können die Atemwege freigehalten werden und die verunglückte Person liegt in einer sicheren Position. Die stabile Seitenlage wird durchgeführt, indem man in der Rückenlage einen Arm unter den Körper legt, das Bein derselben Seite anwinkelt, dann die Person auf diese Seite rollt. Der andere Arm wird angewinkelt und diese Hand unter das Kinn gelegt. Den Kopf überstrecken, damit die Atemwege frei sind. 

Erste Hilfe-Kenntnisse auffrischen!

Die großen Hilfsorganisationen wie beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter Unfallhilfe und der Malteser Hilfsdienst bieten in Kooperation mit dem ADAC Erste-Hilfe-Kurse an, die kompakt das nötige Wissen vermitteln. Während solche Kurse früher in der Regel acht Doppelstunden umfassten, kann man heute in nur 90 Minuten die wichtigsten Maßnahmen der Ersten Hilfe erlernen. Angeboten werden die zwei Module „Fit in Erster Hilfe – Verkehrsunfall“ und „Fit in Erster Hilfe – Wiederbelebung“, die unabhängig voneinander besucht werden können. Das erste Modul umfasst die Themen „Absichern der Unfallstelle“, „Notruf“, „Retten aus dem Gefahrenbereich“ sowie „Erste Hilfe bei Bewusstlosigkeit“. Im zweiten Modul geht es um die Herz-Lungen-Wiederbelebung sowie das richtige Verhalten bei Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Kosten liegen bei 10 bis 12 Euro pro Kurs. Eine Investition, die sich lohnt.

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