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Die Arbeit hatte mich im Griff

Ich bin jetzt 67 Jahre alt, verheiratet, habe zwei erwachsene Kinder und bin mittlerweile Rentnerin. Ich war lange als Lehrerin tätig und wie alle Berufe, die nicht klar abgegrenzt sind, bot dieser gute Voraussetzungen für meine Sucht. So konnte ich zu Hause noch arbeiten, auch bis in die späten Abendstunden.

Eine Arbeitssüchtige berichtet über ihre Sucht

Die Arbeit bestimmt das Leben von Arbeitssüchtigen

© Gernot Krautberger, fotolia

 

Ich bin jetzt 67 Jahre alt, verheiratet, habe zwei erwachsene Kinder und bin mittlerweile Rentnerin. Ich war lange als Lehrerin tätig und wie alle Berufe, die nicht klar abgegrenzt sind, bot dieser gute Voraussetzungen für meine Sucht. So konnte ich zu Hause noch arbeiten, auch bis in die späten Abendstunden.

 

Angefangen hat meine Arbeitssucht schon sehr früh. Ich komme aus einer Familie, die sehr leistungsbezogen ist. Wir waren eine sehr große und aktive Familie. Die Schule fiel mir sehr leicht, ich war sehr ehrgeizig und gut. Aber von meinem Vater kam der Satz: Es könnte noch besser sein.

Beruflich war ich dann erfolgreich und habe immer gern gearbeitet. Aber ich habe mich sehr getrieben gefühlt. Ich hatte ein Grundgefühl, dass ich eigentlich immer noch was tun muss, so als hätte ich zu wenig getan. Ich wollte sehr gut sein, wenn möglich die Beste. Wenn etwas gut war, habe ich mich darüber gefreut, aber auch gewusst, dass es direkt wieder weiter geht. Das Fatale daran ist, dass ich erfolgreich war, denn Arbeitssucht wird honoriert. Meine Sucht äußerte sich nicht nur in meinem Beruf. Ich engagierte mich genauso in einem Ehrenamt und in meiner Familie. Es waren immer dieselben Muster: Ich war mit starkem Engagement überall dabei.

Außerdem hatte ich Angst, einen Fehler zu machen, den Erwartungen nicht gerecht oder nicht anerkannt zu werden. Ich definierte meinen Selbstwert über die Arbeit. Und ich bin von mir, meinem inneren Kern weggegangen. Ich war sehr nach außen orientiert. Die Arbeitssucht war meine Lebenseinstellung. Ich organisierte mein ganzes Leben um die Arbeit herum, sogar den Urlaub. Wenn ich süchtig arbeitete, bekam ich einen Adrenalinkick, ich war regelrecht high. Mit diesem Gefühl läuft man auch besser und kann viel mehr arbeiten. Die Folge davon war, dass ich mich danach leer fühlte, ausgepumpt und erschöpft. Und um dann nicht in diese Leere hineinzukommen, setzte ich noch eins drauf. Wie der Alkoholsüchtige immer seinen Flaschenvorrat hat, hatte ich immer einen Arbeitsvorrat. Bis ich wirklich total erschöpft war und es überhaupt nicht mehr ging.

Viele Arbeitssüchtige bemerken ihr Problem erst, wenn sie ein Burn-out haben.

© kebox, fotolia

Ich fühlte eine totale Leere in mir

Ich hatte mir immer gesagt: So lange ich die Arbeit genießen kann, bin ich nicht arbeitssüchtig. Als es dann wirklich in die Sucht ging, konnte ich sie nicht mehr genießen. Und diese Genussunfähigkeit breitete sich dann auf mein ganzes Leben aus. Ich litt unter Schlaflosigkeit und war nicht mehr kreativ. Ich saß am Schreibtisch und mir fiel nichts mehr ein. Ich fühlte eine totale Leere in mir, war total erschöpft und machtlos. Es war nur noch eine Sehnsucht nach Ruhe und Rückzug in mir. Ich hatte einen sehr guten Arzt, der hat mich von einem Tag auf den nächsten krank geschrieben. Ich habe eine Kur gemacht und mich gut erholt. Aber es war mir nicht bewusst, dass ich arbeitssüchtig bin.

Ein Jahr später hatte ich eine schwere Erkrankung und eine Freundin hat mir ein Buch geschenkt: „Meditationen für Frauen, die zu viel arbeiten“. Darüber hatte ich mich zuerst ziemlich geärgert und gedacht: Das passt doch nicht zu mir, denn ich arbeite nicht zu viel, ich hab das alles im Griff. Durch die Erkrankung hatte ich jedoch viel Zeit nachzudenken und dann spürte ich, dass ich nicht die Erfüllung habe, die ich mir gewünscht hätte. Das war auf einmal ein ganz tiefes Empfinden, was, glaube ich, schon ganz lange in mir war. In der Zeit habe ich andere Menschen kennengelernt und gemerkt, dass ich Unterstützung brauche.

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