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Gewalt gegen Lehrer

Beleidigungen gehören heutzutage zum Alltag vieler Lehrer. Manche Schüler schrecken auch vor körperlichen Übergriffen nicht zurück – die Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer scheint zuzunehmen. Was sind die Gründe für diese verbalen und körperlichen Attacken? Wie kann man ihnen entgegenwirken?

Grenzen setzen, Vorbild sein 

Gewalt sollte in der Schule keinen Platz haben 

© lassedesignen, fotolia 

 

Beleidigungen gehören heutzutage zum Alltag vieler Lehrer. Manche Schüler schrecken auch vor körperlichen Übergriffen nicht zurück – die Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer scheint zuzunehmen. Was sind die Gründe für diese verbalen und körperlichen Attacken? Wie kann man ihnen entgegenwirken?

 

„Es gibt keine Statistik zur Gewalt gegen Lehrkräfte, aber die Erfahrung zeigt, dass sich die Angriffe von Schülern gegen Lehrer häufen“, sagt Diplom-Psychologe Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands (DL) und Schulleiter eines Gymnasiums. Dabei kommen alle Formen von aggressivem oder gewalttätigem Verhalten vor – von Sachbeschädigungen, verbalen Attacken, Drohungen, Beleidigungen in sozialen Netzwerken, Telefonterror, über Bespucken bis hin zu körperlichen Angriffen oder – in extremen Fällen – sogar Mord. Dabei spielt es auch keine Rolle, welche Schulform man in den Blick nimmt: Gewalt kommt an Gymnasien genauso vor wie an Real-, Haupt- oder Gesamtschulen. „Lediglich die Grundschulen fallen hier raus, da die Kinder einfach noch jünger sind.“, weiß Kraus. „Bei den Formen der Gewalt lassen sich aber durchaus Unterschiede feststellen. Die Vorgehensweise an Gymnasien ist häufig etwas ausgeklügelter, weniger direkt und besser getarnt. Was nicht heißt, dass hier nicht genauso viel kriminelle Energie dahinter steckt.“

Schlechtes Lehrerimage fördert Gewalt 

Die Gründe für die zunehmende Gewalt von Schülern gegen Lehrer sind vielfältig. Eine generell gesenkte Hemmschwelle bei Jugendlichen, auch untereinander oder anderen Erwachsenen gegenüber verbal ausfällig oder auch handgreiflich zu werden, sorgt unter anderem für ein respektloses Auftreten auch Lehrern gegenüber. Einen weiteren wichtigen Einflussfaktor sieht Josef Kraus außerdem in dem schlechten Image, das der Lehrerberuf in Deutschland hat: „Lehrer werden von der Gesellschaft häufig als faul dargestellt, als eine Berufsgruppe, die viel Freizeit hat, aber nichts leistet. Wenn sich die Eltern zu Hause dann ähnlich äußern und die Autorität von Lehrern anzweifeln, scheint das für viele Jugendliche ein Freifahrtschein zu sein, sich ebenfalls an Lehrern auszulassen. Denn solch abfällige Äußerungen erwecken bei den Schülern den Eindruck: Auf Lehrern hacken sowieso alle rum, dann kann ich das auch.“ Eine zunehmende Distanzlosigkeit zwischen Erwachsenen und Kindern würde außerdem dazu beitragen, dass Grenzen schneller überschritten würden. „Die Erwachsenen sind nicht ganz unschuldig daran, weil sie diese Distanzlosigkeit zum Teil selbst pflegen. Denn wenn man sich als Erwachsener selbst wie ein Spätpubertierender aufführt, um sich jung zu fühlen, dann kann das die falschen Signale senden“, so Kraus. 

Josef Kraus

Deutscher Lehrerverband, © privat 

Auch verbale Gewalt zur Anzeige bringen 

Nach den Erfahrungen des Deutschen Lehrerverbands wird schätzungsweise die Hälfte der Übergriffe von den Lehrern bei der Polizei angezeigt. Das gilt aber nur für die Delikte im Bereich Sachbeschädigung oder Körperverletzung. Wenn es um Beleidigungen oder Drohungen geht, schätzt Josef Kraus, dass nur etwa jeder zehnte Lehrer Anzeige erstattet. „Ich würde es begrüßen, wenn hier häufiger in Form einer Anzeige ein Signal gesetzt würde. Denn es kann für einen Jugendlichen – auch wenn er noch nicht strafmündig ist – ein positiv prägendes Erlebnis sein, wenn er von der Polizei befragt wird und merkt, dass sein Verhalten Konsequenzen hat“, so der Schulleiter. Wichtig sei, dass man als Schule einen guten Kontakt zu der örtlichen Polizei bzw. zu dem zuständigen Jugendkontaktbeamten hielte. Denn in Kooperation mit der Polizei könne man viele Situationen entschärfen, bevor sie eskalierten. „Es zeigt sich, dass die Rückfallquote bei den Jugendlichen erheblich geringer ist, wenn derjenige relativ früh einen Dämpfer bekommt, als wenn er mit seinem Verhalten immer wieder davonkommt. Pädagogik hat in meinen Augen viel mit Gelassenheit, Nachsicht und Güte zu tun – aber es muss auch klare Grenzen geben“, so der Diplom-Psychologe. 

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