Die Ausstellung VorBILDER im Deutschen Historischen Museum in Berlin
Die Ausstellung VorBILDER im Deutschen Historischen Museum in Berlin

Handreichung für Lehrkräfte und Trainer

Toleranz statt Diskriminierung

Die Wanderausstellung „VorBILDER – Sport und Politik vereint gegen Rechtsextremismus“ ist Teil der Kampagne „Sport und Politik verein(t) gegen Rechtsextremismus“ des Bundesinnenministeriums. Die Ausstellung besteht aus Fotos, auf denen Politiker zusammen mit Sportlern zu sehen sind – gemeinsam wollen sie ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Zusätzlich ist nun eine gleichnamige Handreichung erschienen. Sie wendet sich an Fachkräfte wie Lehrer, Trainer oder Sozialarbeiter, die sich mit Jugendlichen ab etwa zwölf Jahren beschäftigen. Antje Gansewig von der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK) hat diese Handreichung maßgeblich konzipiert. Sie erklärt die Inhalte und Ziele. 

Profifußballer Gerald Asamoah und Hermann Otto Solms, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, engagierten sich für die Kampagne

© Fotografie, Konzeption und Gestaltung der Ausstellung: studio kohlmeier berlin

„Wichtig war uns, dass das Material nicht nur für den Schulunterricht genutzt werden kann, sondern auch im Sportverein oder in Jugendeinrichtungen einsetzbar ist – eben da, wo Jugendliche miteinander zu tun haben“, erklärt Gansewig. Engagierte Lehrkräfte oder Trainer können mit Hilfe der in der Broschüre zusammengefassten Tipps und Empfehlungen verschiedene Themen rund um Diskriminierung, Rassismus, Toleranz und Zivilcourage zur Sprache bringen und mit den Jugendlichen bearbeiten. „Für die Inhalte haben wir uns die Statements der abgelichteten 22 Sportler- und Politikerpaare angesehen und vier Haupt-Themenbereiche identifiziert: „Vielfalt und Toleranz statt Diskriminierung und Ausgrenzung“, „Fairplay statt Gewalt“, „Engagement und Zivilcourage gegen Diskriminierung, Rassismus und Rechtsextremismus“ sowie „Abkehr von Diskriminierung, Rassismus und Rechtsextremismus“, erklärt die Expertin.

Videos und Songtexte

In den einzelnen Kapiteln werden zunächst Sachinformationen und Hintergrundfakten zum jeweiligen Thema geliefert, Fragen wie „Warum ist Rechtsextremismus oft mit Gewalt verbunden?“ oder „Was ist Toleranz?“ werden beantwortet. Danach folgt der Pädagogikteil mit einzelnen Arbeitsaufgaben, die separat, aber auch in Verbindung miteinander bearbeitet werden können. Die umfangreiche Broschüre bietet dabei verschiedene Arbeitsmittel an, wie etwa kurze Videos, die auf einer DVD mitgeliefert werden, oder auch Songtexte. „Um die Zielgruppe zu erreichen, haben wir versucht, die Materialien möglichst jugendaffin aufzubereiten – bewegte Bilder kommen meist besser an als Texte. Dazu gibt es dann jeweils Arbeitsaufgaben oder Leitfragen“, erklärt Gansewig das Konzept. Zur Bearbeitung einer Aufgabe sollte dann mindestens eine Doppelstunde eingeplant werden. „Das Ganze ist als eine Art Baukastenprinzip aufgebaut, so dass jede Fachkraft selbst entscheiden kann, wie viel Zeit sie einem Thema widmen möchte. Denn nicht jeder hat immer eine komplette Projektwoche zur Verfügung“, weiß Gansewig. Ein Arbeitsimpuls beschäftigt sich bei jedem Themenkomplex auch mit dem Bereich Erinnerungskultur. „Hier wird gezielt auf die Zeit des Nationalsozialismus eingegangen und es werden die Hintergründe geklärt – diese sind nicht immer jedem bewusst. Es soll klar werden, was für ein großes Glück es ist, in einer freien und offenen Gesellschaft zu leben.“

Die 80-seitige Handreichung inklusive DVD kann über die Webseite des Deutschen Forum Kriminalprävention bestellt werden. Sie steht dort auch als PDF zum Download zur Verfügung.

Kulturelle Vielfalt ist eine Bereicherung

Alle Module können auch als einzelne Interventionsmaßnahme eingesetzt werden, etwa wenn es in einer Klasse oder einem Verein Probleme gibt. „Es muss dabei nicht immer direkt um Rechtsextremismus gehen. Auch gegen Diskriminierung bestimmter Opfergruppen wie etwa Behinderten finden sich in der Handreichung Tipps und Ansätze – das ist auch in Hinblick auf die neuen integrativen Schulformen wichtig“, weiß Gansewig. Auch verschiedene Kulturen oder sexuelle Ausrichtungen können Anlass zu Diskussionen oder Auseinandersetzungen unter Jugendlichen sein. „Der Ansatz ist, dass kulturelle Vielfalt als Bereicherung wahrgenommen werden sollte und nicht als Bedrohung. Dies erreicht man aber nur, indem man offen mit den Menschen in Kontakt tritt und jedem erst einmal eine Chance gibt“, betont die Expertin. Islamismus und Rechtsextremismus würden vermeintlich leichte Antworten auf komplexe Probleme anbieten. „Eine Demokratie ist aber immer streitbar, es gibt dort immer einen Diskurs – und das muss auch so sein. Einfache Antworten sind hier einfach nicht möglich.“ Die Handreichung ist im Herbst 2015 erschienen – und erfreut sich bis jetzt schon einer großen Nachfrage. „Es freut uns sehr, dass das Material so gut ankommt. Deshalb haben wir uns entschieden, die Handreichung auch als einfachen Download anzubieten. Bislang haben wir viele Anfragen von Schulen, aber auch von der Polizei, etwa von den Präventionsbeauftragten“, so Gansewig. SW (26.02.2016)

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