Das Elektrofahrzeug prallt im Crashtest mit 75 km/h seitlich gegen einen Pfahl
Das Elektrofahrzeug prallt im Crashtest mit 75 km/h seitlich gegen einen Pfahl

Crashtests bescheinigen hohes Sicherheitsniveau

Wie sicher sind E-Autos?

Viele Menschen sind verunsichert, was die Sicherheit von elektrisch betriebenen Fahrzeugen angeht: Was passiert, wenn der Wagen einen Unfall hat? Kann die Batterie dann Feuer fangen? Oder steht das E-Auto nach einem Schaden etwa unter Strom? Verschiedene Crashtests mit Elektro-Autos zeigen: Die Fahrzeuge stehen vergleichbaren konventionell angetriebenen Autos in punkto Sicherheit in nichts nach.

Frontalaufprall des E-Autos bei 84 km/h

Frontalaufprall des E-Autos bei 84 km/h

Thomas Kueppers/DEKRA

Alle Fahrzeuge müssen grundsätzlich hohen gesetzlichen Anforderungen genügen, um überhaupt zugelassen zu werden – unabhängig davon, wie sie angetrieben werden. Bei Elektro-Autos heißt das zum Beispiel, dass alle Hochvoltkomponenten bei einem Defekt automatisch abgeschaltet werden und der Stromfluss der Batterie unterbrochen wird. Das Auto steht also auch nach einem Unfall nicht unter Strom. Auch Brände sind bei Elektroautos durch die sofortige Abschaltung der Hochvoltsysteme selten und kommen nicht häufiger vor als bei herkömmlich betriebenen Fahrzeugen.

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Ergebnisse der Crashtests

  • E-Autos sind auf gleichem Sicherheitsniveau wie herkömmliche Fahrzeuge
  • Hochvoltsysteme werden bei einem Unfall zuverlässig abgeschaltet
  • Schäden im Crashtest sind vergleichbar mit denen von konventionell angetriebenen Fahrzeugen
  • Auch bei stark deformierter Antriebsbatterie kommt es im Test nicht zum Brand

Hochvoltsysteme werden zuverlässig abgeschaltet

Dass die Sicherheitssysteme funktionieren, zeigen auch Untersuchungen der Sachverständigenorganisation DEKRA. Die Experten haben im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojekts mit der Verkehrsunfallforschung der Universitätsmedizin Göttingen Crashtests mit verschiedenen Elektro-Serienfahrzeugen durchgeführt. Dabei simulierten die Experten Unfälle mit vier Elektro-Autos. In drei Crashtest-Szenarien kollidierten die Fahrzeuge dabei seitlich, in einem Szenario frontal mit einem Pfahl, um einen Baumaufprall zu simulieren. Da die Batterien bei E-Autos in der Regel im Unterboden verbaut sind, kann ein seitlicher Aufprall für die Fahrzeuge kritischer sein als ein Frontalzusammenstoß.

Im Test hatten die Fahrzeuge beim Seitenaufprall eine Geschwindigkeit von 60 und 75 km/h, beim Frontalzusammenstoß sogar 84 km/h. „Die Schadenbilder aus den Crashtests sind vergleichbar mit denen an konventionell angetriebenen Fahrzeugen“, betont der DEKRA-Unfallforscher Markus Egelhaaf. „Das Hochvoltsystem der Elektrofahrzeuge wurde jeweils beim Crash zuverlässig abgeschaltet. Und trotz massiver Deformation der Antriebsbatterie kam es in keinem Fall zu einem Brand.“ Auch Crashtests, die vom ADAC durchgeführt wurden, kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Grundsätzlich, so der DEKRA-Experte weiter, wäre insbesondere der seitliche Aufprall auf einen Baum für Fahrzeuginsassen nur schwer zu überleben. „Das gilt aber für jede Art von PKW, ganz unabhängig von der Antriebsart. Die großen Hersteller von Serien-Elektrofahrzeugen haben es verstanden, mindestens das gleiche Sicherheitsniveau zu erreichen, das wir von Verbrennerfahrzeugen kennen.“

Seitlicher Aufprall des E-Autos bei 75 km/h: Trotz Deformation der Batterie im Unterboden des Fahrzeugs kam es im Crashtest nicht zum Brand

Seitlicher Aufprall des E-Autos bei 75 km/h: Trotz Deformation der Batterie im Unterboden des Fahrzeugs kam es im Crashtest nicht zum Brand

Thomas Kueppers/DEKRA

Feuerwehr sieht keine erhöhte Gefahr

Auch in den „Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren und des Deutschen Feuerwehrverbandes“ spiegeln sich diese Erkenntnisse wider. In der „Risikoeinschätzung Lithium-Ionen Speichermedien“ heißt es etwa: „Auch Brandversuche haben gezeigt, dass die Brandleistung unter Fahrzeugen einer Generation und Größe unabhängig von der Antriebsart vergleichbar ist. Die verbauten Brandlasten wie Kunststoffanteile in heutigen Fahrzeugen sind der ausschlaggebende Faktor für die zunehmend höhere Rauch- und Wärmefreisetzung bei Fahrzeugbränden. Den Brandschutzdienststellen wird daher empfohlen, dieselben Kriterien bei den Gefährdungsbeurteilungen anzuwenden, wie bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.“

In der DEKRA-Untersuchung wurde unter anderem auch ein neues Löschsystem getestet, die so genannte „Löschlanze“. Sie kann, falls Teile einer Antriebsbatterie doch einmal in Brand geraten sind, von der Feuerwehr direkt in das Akkugehäuse eingeschlagen werden. „Damit finden die Löscharbeiten sozusagen innerhalb der Batterie statt, um die Ausbreitung des Feuers auf weitere Batteriezellen zu stoppen“, erklärt Markus Egelhaaf. „Die ersten Erkenntnisse mit dem Verfahren sind positiv, für eine endgültige Aussage ist weitere Forschung nötig.“

Bei dem Forschungsprojekt wurden auch Möglichkeiten zur Rettung von Insassen aus einem verunfallten Wagen untersucht. Dabei zeigte sich, dass Rettungsarbeiten mit den Mitteln der Feuerwehr ebenso schnell wie bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen durchgeführt werden können. Auch für Ersthelfer besteht nach Aussagen der Experten keine erhöhte Gefahr.

SBa (10.12.2020)

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