Das weggenommene Schulbrot oder das Ärgern in der Pause – auch Kinder haben schon oft Konflikte zu bewältigen. Damit Jungen und Mädchen lernen, Streitigkeiten friedlich zu lösen, wurde das Projekt „Seniorpartner in School“ (SiS) gegründet. In dem Verein engagieren sich bundesweit rund 1.300 ehrenamtliche Seniorinnen und Senioren als Schul-Mediatoren. Jutta Brenn-Vogt ist seit zwei Jahren mit dabei.
Gewaltfrei kommunizieren, eigenständig Lösungen finden
Einmal die Woche bietet Jutta Brenn-Vogt gemeinsam mit einem weiteren Mediator eine Sprechstunde an einer Münchner Grundschule an. In dieser Zeit können Schülerinnen und Schüler mit ihren Streitigkeiten zu ihr kommen. „Dabei geht es meist um kleinere Dinge, die für Erwachsene nicht unbedingt schlimm sind, die Kinder aber sehr beschäftigen, zum Beispiel wenn sie nicht mitspielen dürfen oder ihnen Sachen weggenommen werden“, erklärt die Mediatorin. In einem geführten Gespräch sollen die Kinder dann lernen, das Problem selbst aufzuarbeiten. Jeder darf seine Sicht darlegen. Es wird hinterfragt: Warum habe ich auf diese Weise reagiert? Wie habe ich mich dabei gefühlt? Wie könnte man sich einigen? „Wir unterstützen die Kinder dabei durch Mediation, das heißt, wir vermitteln zwischen den Parteien und helfen etwa dabei, die eigenen Gefühle besser ausdrücken zu können und sich in den anderen hineinzuversetzen. So lernen die Kinder, die Bedürfnisse ihrer Mitschüler zu respektieren, aber auch, wie schön es ist, gemeinsam eine einvernehmliche Lösung zu finden – ohne Aggression und Gewalt.“ Die Kinder erfahren auf diese Weise, wie wichtig Kommunikation im täglichen Miteinander ist. Sie übernehmen Verantwortung für ihr Handeln und entwickeln ihre Teamfähigkeit weiter – Verhaltensweisen, von denen sie ihr ganzes Leben profitieren können.
Jutta Brenn-Vogt, Vorstand Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit bei Seniorpartner in School
© Seniorpartner in School
Professionelle Ausbildung für Mediatoren
Die Mediatoren der Generation 55+ sind bundesweit an rund 350 Grundschulen unterwegs. Bevor die Seniorinnen und Senioren jedoch als Schul-Mediatoren eingesetzt werden können, müssen sie eine fachlich fundierte 80-stündige Ausbildung nach dem Bundesmediationsgesetz durchlaufen. „Hier geht es vor allem darum, sich selbst zurückzunehmen und die Kinder schrittweise ihren eigenen Lösungsweg finden zu lassen. Das ist für Erwachsene, die es gewohnt sind, schnell und effizient zu einem Ergebnis zu kommen, erst einmal gar nicht so einfach“, weiß die Expertin. Jutta Brenn-Vogt macht die Arbeit bei „Seniorpartner in School“ viel Spaß. „Die Kinder kennen uns. Viele kommen auch öfter zu uns, wenn es Streit gibt. Einige kommen auch allein, wenn sie ein bestimmtes Problem haben. Das ist wirklich schön zu sehen.“ Im Berufsleben war die 64-Jährige in der Unternehmenskommunikation großer Konzerne tätig. „Ich wollte mich nach meinem Eintritt in den Ruhestand weiter sinnvoll engagieren und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Mir gefällt die anspruchsvolle Aufgabe und durch die Ausbildung zur Mediatorin konnte ich auch für mich persönlich viel mitnehmen.“
„Seniorpartner in School“ ist in verschiedenen Landesverbänden organisiert. An welchen Standorten und in welchen Schulen der Verein deutschlandweit aktiv ist, sieht man auf der Karte.
Lehrer werden entlastet
Auch die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen profitieren von der Unterstützung durch die Mediatoren-Teams. Denn sie haben neben dem regulären Unterricht in der Regel kaum Zeit, sich um persönliche Konflikte der Kinder zu kümmern. Diese wertvolle Zeit bringen die Schulmediatoren mit. „Viele Lehrer würden sich freuen, wenn wir mehrmals die Woche an den Schulen im Einsatz wären. Für sie sind wir eine große Entlastung, weil sie sich dann ganz auf ihren Lehrauftrag konzentrieren können“, erklärt die Mediatorin.
Offenheit und Neugier gefragt
Rund fünf Jahre bleiben die Mediatoren bei SiS, dann verabschieden sich die meisten endgültig in den Ruhestand. Aus diesem Grund ist das Projekt immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern. „Wenn man sich als Schul-Mediator engagieren will, sollte man vor allem Offenheit, Motivation und eine gewisse Neugier mitbringen – und natürlich Lust auf die Arbeit mit Kindern. Man startet hier einfach noch einmal in einen ganz neuen, spannenden Bereich“, weiß Jutta Brenn-Vogt.
SBa (27.03.2020)

