Im Extremismuspräventionsatlas des BKA kann man online nach Projekten recherchieren
Im Extremismuspräventionsatlas des BKA kann man online nach Projekten recherchieren

Das BKA bietet einen bundesweiten Überblick aller Aktivitäten

Extremismusprävention in Deutschland - Ganzheitliche Terrorismusbekämpfung

Wie kann Extremismus in Deutschland mit all seinen negativen Folgen von Hass und Gewalt verhindert werden? Mit dieser Frage befassen sich bundesweit mehr als 2.000 Projekte der Präventionsarbeit – und zwar nicht theoretisch, sondern in der praktischen Arbeit mit den Menschen. Neben staatlichen Institutionen engagieren sich auch Vereine oder Nichtregierungsorganisationen. Doch wer bietet welche Angebote? Seit August 2021 gibt das „Infoportal Extremismusprävention“ des Bundeskriminalamts dazu einen Überblick. Hier kann man nach Präventionsprojekten recherchieren, die direkt vor der eigenen Haustür angesiedelt sind.

Der Präventionsatlas ist eine interaktive Karte, auf der bundesweit alle Präventionsprojekte hinterlegt sind. Die Idee zu dem Atlas entstand bei der Arbeit an dem „Handbuch Extremismusprävention“ des BKA. Dieses Handbuch stellt auf wissenschaftlicher Basis ausführlich die Extremismusprävention in Deutschland dar. Hier finden sich Informationen zu Rechts- und Linksextremismus sowie zu religiös motiviertem Extremismus, aber auch zu den Prozessen der Radikalisierung. Darüber hinaus werden Ansätze der Präventionsarbeit sowie Praxiserfahrungen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen vorgestellt und beleuchtet. Die gedruckte Version des 750 Seiten dicken Handbuchs wurde so stark nachgefragt, dass das BKA es komplett online stellte. Das siebte Kapitel des Handbuchs befasst sich mit der „Extremismuspräventionslandschaft“ in Deutschland auf dem Stand des Jahres 2018. Im Online-Portal werden diese Angaben nun so aktuell wie möglich hinterlegt und laufend vervollständigt. Interessierte Nutzerinnen und Nutzer können nach einer Postleitzahl suchen und dann in die Karte hereinzoomen, bis einzelne Projekte angezeigt werden. Zu jedem Projekt findet man neben dem Titel und der Adresse auch Links zur „Angebots-Website“ und zur „Träger-Website“.

Projekte für den Atlas können gemeldet werden

„Die Extremismusprävention wird in Deutschland sehr engagiert betrieben“, erläutert Dr. Uwe Kemmesies, der Leiter der Forschungsstelle Terrorismus/Extremismus im Bundeskriminalamt. „Allerdings fehlte bislang ein aktueller und zentraler Überblick über die verschiedenen Angebote“, fügt er hinzu. Bei der Pflege des Portals setzt das BKA auf die Zusammenarbeit mit den vielen Präventionsprojekten. Deswegen verfügt die Website auch über eine Kontaktfunktion: „Vorschläge zu Präventionsangeboten können darüber im BKA eingehen, werden hier geprüft und dann in die Datenbank eingepflegt“, so Kemmesies. Als Ergänzung und zur inhaltlichen Vertiefung empfiehlt der BKA-Experte, die fachlichen Inhalte des Handbuchs zu lesen: „Das Handbuch hat erstmals die aktuellen Wissensstände zur Extremismusprävention zusammengeführt und kann auf der neuen Webseite jetzt nutzerfreundlich gelesen und nach speziellen Interessen durchsucht werden.“ Das Handbuch besteht aus logisch aufeinander aufbauenden Kapiteln: Zuerst werden Phänomene der politisch motivierten Kriminalität dargestellt und die Prozesse der Radikalisierung beschrieben. Anschließend werden verschiedene Praxisansätze der Extremismusprävention auf ihre Tauglichkeit hin ausgewertet und einzelne Praxiskonzepte vorgestellt. Schließlich befasst sich das Handbuch auch mit der Koordination und Umsetzung von Extremismusprävention in Deutschland.

Extremistische Demonstrationen sind eine Herausforderung für die Polizei

© Animaflora PicsStock/stock.adobe.com.

Ganzheitliche Terrorismusbekämpfung

Die Themen des Handbuchs sind in erster Linie für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interessant, etwa aus dem Bereich der Extremismusforschung, der Soziologie oder Politologie. Aber auch Lehrkräfte oder in der Sozialhilfe tätige Menschen, die sich über Präventionsangebote informieren möchten, finden in den einzelnen Kapiteln Antworten auf ihre Fragen. Dies gilt natürlich auch für Menschen, die sich vom Extremismus abwenden wollen, und deren Angehörige. Über den Präventionsatlas finden Bürgerinnen und Bürger, die sich selbst aufklärend in einem Präventionsprojekt ehrenamtlich engagieren wollen, außerdem spannende Projekte in ihrer direkten Umgebung und können direkt mit ihnen Kontakt aufnehmen. BKA-Präsident Holger Münch unterstreicht, dass Präventionsarbeit auch ein unabdingbarer Bestandteil einer ganzheitlichen Terrorismusbekämpfung ist: „Für diese Präventionsarbeit, an der sich viele verschiedene Akteure beteiligen, bieten wir allen Interessierten ab sofort ein zentrales Informationsangebot an. Unser Ziel ist es, das Informationsportal als Anlaufstelle zu etablieren, weshalb wir es schrittweise weiter ausbauen werden, um so ein aktuelles und breites Informationsangebot aus der Extremismusprävention bereitzustellen.“

WL (Stand 28.01.2022)

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