Fernsehen spielt im Leben von Kindern eine große Rolle
Fernsehen spielt im Leben von Kindern eine große Rolle

„Wir brauchen mehr Pippi Langstrumpfs!“

Wie Medienfiguren unsere Kinder beeinflussen

Medien zeigen Kinder Vorbilder. Sie helfen ihnen, sich selbst und die Welt besser zu verstehen. Ob in Animationsfilmen oder in fiktionalen Serien: Die jungen Heldinnen und Helden fördern die Fantasie, das Selbstbewusstsein und die sozialen Kompetenzen – vorausgesetzt, die Inhalte sind altersgerecht und das Anschauen der Sendungen wird von den Eltern begleitet. PolizeiDeinPartner.de hat mit Dr. Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), darüber gesprochen, welche Auswirkungen Zeichentrickfiguren auf die Entwicklung von Kindern haben.

Starke Vorbilder

Kinder identifizieren sich oft stark mit Charakteren aus ihren Lieblingsserien. Ob es das freundliche Wesen von Peppa Wutz, der Mut der Hunde von der Paw Patrol oder der tollpatschige Humor von Spongebob – diese Figuren verkörpern Eigenschaften, die Kinder bewundern und nachahmen möchten. Studien zeigen, dass vertraute Charaktere Kindern helfen, eine emotionale Bindung aufzubauen und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. „Kinder mögen vor allem Figuren, mit denen sie sich identifizieren können oder die Eigenschaften verkörpern, die sie bewundern und gern selbst hätten“, erklärt Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI). „Vor allem jüngere Kinder neigen dazu, sich an Figuren zu orientieren, die positive Eigenschaften besitzen, wie Freundlichkeit, Loyalität und Durchhaltevermögen.“ Wichtig seien außerdem Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeitssinn. Denn viele Kinder möchten wie ihre Helden anderen helfen und sich für Gerechtigkeit einsetzen. Sie seien deshalb vor allem von Figuren fasziniert, die mutig sind, spannende Abenteuer erleben und Probleme lösen. Maya Götz: „Viele Kinder sind von Superheldinnen und -helden begeistert, die Herausforderungen meistern und für das Gute kämpfen. Das war früher schon so und das hat sich auch nicht geändert. Die Superhelden helfen ihnen dabei, die Welt besser zu verstehen und sich selbst sicherer zu fühlen.“ Kinder würden außerdem versuchen, sich in ihrer Fantasiewelt „gesund zu halten“ und Inhalte bevorzugen, die sie sich in ihrer Realität wünschen würden. Oft seien die bevorzugten Charaktereigenschaften deshalb von aktuellen Identitätsthemen sowie dem Wertekosmos beeinflusst, der den Kindern in ihrer Familie vorgelebt wird. Sie suchen sich dann gezielt Serien und Figuren aus, die genau da reinpassen. „Strebt ein Kind zum Beispiel nach mehr Anerkennung durch den Vater, oder fühlt sich zuhause zu wenig gesehen, gefällt ihm wahrscheinlich eine Figur wie Wickie besonders gut. Kinder, die sich mehr Orientierung wünschen, was richtig und was falsch ist, mögen die Pfefferkörner“, so die Medienpädagogin.

Die Faszination eines Schwamms

Die Auswahl von Lieblingssendungen und -helden hängt vom Alter, Geschlecht, Interessen und dem sozialen Umfeld der Kinder ab. Jüngere Kinder bevorzugen oft Figuren mit klaren Eigenschaften wie „gut“ oder „böse“ und suchen nach Helden, die ihnen helfen, die Welt zu verstehen. Jungen orientieren sich häufig an mutigen (Anti-)Helden wie Spiderman oder Bart Simpson. Mädchen wählen eher weibliche Figuren wie Bibi Blocksberg oder Barbie, aber auch tierische Helden wie die Biene Maja sind beliebt. Seit vielen Jahren steht Spongebob Schwammkopf ganz oben auf der Beliebtheitsskala der 6- bis 9-Jährigen. Doch was ist das Geheimrezept des hyperaktiven gelben Schwamms, der in einer Ananas im Meer wohnt? „Spongebob symbolisiert eine typische Kinderperspektive, zelebriert Aktion ohne Reflektion und durchlebt Krisen mit viel Humor, ohne sie als solche zu erkennen. Genau das macht ihn hochgradig attraktiv und zum Vorbild“, erklärt Maya Götz. „Es geht darum, das Recht auf Spaß und Freizeit einzufordern und mit großer Lust Regeln zu überschreiten.“ Mit steigendem Alter werden die Vorbilder vielschichtiger. Jugendliche interessieren sich zunehmend für komplexere Charaktere und auch für Idole aus Musik und Sport, wozu auch immer häufiger Influencerinnen und Influencer zählen.


Lieblingssendungen von Kindern (6 bis 9 Jahre)

Mädchen:

  1. Biene Maja
  2. Pfefferkörner
  3. Miraculous
  4. Paw Patrol
  5. Spongebob


Jungen:

  1. Spongebob
  2. Paw Patrol
  3. Angelo!
  4. Ninjago
  5. Pokémon


Lieblingsfiguren (6 bis 13 Jahre)

Jungen:

  1. Spongebob
  2. Angelo
  3. Daniel (Cobra Kai)
  4. Feuerwehrmann Sam


Mädchen:

  1. Wednesday Addams
  2. Bibi (und Tina)
  3. Barbie / Marinette (Ladybug)
  4. Biene Maja / Hannah Montana

(Quelle: IZI)

Dr. Maya Götz

Dr. Maya Götz

Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI)

Kinder brauchen Erfolgserlebnisse

Fernsehfiguren geben Kindern Orientierung und begleiten sie bei der Bewältigung von Alltagsproblemen. Sie bieten emotionale Unterstützung und helfen, schwierige Situationen zu verarbeiten. Außerdem können sie Kinder in ihrer Entwicklung stärken und ihr Selbstbewusstsein fördern. „So können Charaktere, die tapfer sind und Probleme lösen, Kinder inspirieren, selbst auch mutiger zu sein“, meint Maya Götz. Figuren, die Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen, können Kinder dazu inspirieren, selbstbewusster und eigenständiger zu werden. „Wenn Charaktere Schwierigkeiten überwinden, können Kinder lernen, dass es normal ist, Herausforderungen zu begegnen, und dass es Strategien gibt, um damit umzugehen. Darüber hinaus können solche Figuren Kinder dazu ermutigen, ihre eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen und an ihrer Selbstentwicklung zu arbeiten“, erklärt die Medienpädagogin. So würden Kinder heutzutage viel zu wenig durch Erfolgserlebnisse lernen und stattdessen immer mehr vermittelt bekommen, dass sie nicht gut genug sind. „Sie müssen erkennen: Ich kann etwas selbst schaffen. Ich kann etwas verändern.“

Es ist in Ordnung, anders zu sein

Figuren mit tiefergehenden Charakterzügen, die auch Schwächen oder Fehler haben, seien für Kinder besonders lehrreich. Sie zeigen, dass es normal und in Ordnung ist, nicht perfekt zu sein und dass man aus Fehlern lernen kann. Figuren wie Pippi Langstrumpf oder Wickie würden zeigen, dass man auch als Kind eigenständig, erfinderisch und unabhängig sein kann. Viele Jahre lang habe es keine freche und „rebellische“ Figur wie Pippi Langstrumpf im modernen Kinderfernsehen mehr gegeben. „Jetzt gibt es mit ‚Wednesday Addams‘ zum Glück endlich wieder eine neue Heldin, die ihr ähnlich ist“, freut sich Maya Götz. Wednesday kämpft als junge Studentin in einer Privatschule für Außenseiter und klärt einen mysteriösen Mordfall auf. „Sowohl Pippi als auch Wednesday sind unkonventionell, außergewöhnlich und brechen mit gesellschaftlichen Normen“, so Götz. Wednesday ist bekannt für ihren düsteren, makabren Stil und ihre Vorliebe für das Unheimliche, während Pippi sich durch ihre unkonventionelle Lebensweise, ihre Unabhängigkeit und ihren rebellischen Geist auszeichnet. „Sowohl Wednesday als auch Pippi sind starke Persönlichkeiten, die sich nicht den Erwartungen anderer anpassen. Sie sind beide selbstbewusst und haben eine klare Vorstellung davon, wer sie sind.“ Pippi lehnt die Regeln der Erwachsenenwelt ab, während Wednesday oft ihre eigenen Entscheidungen trifft, unabhängig von den Meinungen anderer. Insgesamt zeigen Wednesday und Pippi, dass es in Ordnung ist, anders zu sein, und ermutigen Kinder, ihre eigene Individualität zu feiern und die Welt auf ihre eigene Weise zu entdecken. „Solche Figuren bräuchten wir im Kinderfernsehen noch mehr.“

Medienkonsum begleiten

Wichtig ist, dass Eltern und Erziehungsberechtigte den Medienkonsum ihrer Kinder begleiten und sich mit den Inhalten von Fernsehsendungen vertraut machen. Denn nur so können sie sicherstellen, dass ihre Kinder von positiven und ausgewogenen Inhalten profitieren. „Eltern sind wichtige Vorbilder für ihre Kinder, auch in Bezug auf die Mediennutzung und das Fernsehen“, weiß Maya Götz. „Eltern sollten sich dieser Vorbildfunktion bewusst sein und gemeinsam mit ihren Kindern über die gesehenen Inhalte diskutieren.“ Dieser Austausch könne das Verständnis und die Reflexion fördern und Kindern helfen, die Lehren und Vorbilder im richtigen Kontext zu betrachten.

KF (Stand 30.05.2025)

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