Täglich werden Rechtsgeschäfte mit gefälschten Ausweisen abgeschlossen
Täglich werden Rechtsgeschäfte mit gefälschten Ausweisen abgeschlossen

Wie man gefälschte Dokumente erkennt und überprüfen kann

Es muss einfach gut aussehen

Auf einem Tisch in der Urkundenprüfstelle bei der Polizei in Frankfurt liegt ein Stapel mit Ausweisen und Führerscheinen. Ein Mitarbeiter hält einen Führerschein aus Simbabwe gegen das Licht, dreht ihn mehrfach und vergleicht ihn mit einem anderen Führerschein. Ein weiterer Mitarbeiter steckt einen Personalausweis aus Syrien in ein kleines Lesegerät und überprüft die Sicherheitsmerkmale des Dokuments. Bei der Polizei in Hessen prüfen 700 Mitarbeiter in fünf Urkundenprüfstellen und einundzwanzig Vorprüfstellen täglich Dokumente auf ihre Echtheit. Die Bandbreite der gefälschten Dokumente ist groß: So werden neben Personalausweisen und Führerscheinen auch Arbeitszeugnisse, Geburts- und Hochzeitsurkunden gefälscht.

Fälschungen in allen Branchen

Peter Hessel, Polizeihauptkommissar bei der Polizei in Frankfurt, ist seit über 20 Jahren auf Urkunden- und Dokumentenfälschungen spezialisiert. Er hat schon zahlreiche Fälschungen entlarvt und veranstaltet regelmäßig Schulungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus unterschiedlichen Branchen, um sie für das Erkennen und Überprüfen von gefälschten Dokumenten zu sensibilisieren. Auch Lehrer oder Personalchefs sitzen in den Schulungen, weil auch Zeugnisse und Leistungsnachweise gefälscht werden. „Im Moment sind besonders Banken im Fokus der Dokumentenfälscher. Hier werden mit gefälschten Personalausweisen in erster Linie neue Konten eröffnet und Kreditkarten erstellt. Im Anschluss werden die Konten bis zum Dispokredit einfach leergeräumt. Dabei verlieren die Banken hohe Geldbeträge“, erklärt er. Auch in Baumärkten oder bei Autovermietungen sollten die Mitarbeiter vorgelegte Personalausweise und Führerscheine genauestens überprüfen. Hier werden die gefälschten Dokumente von den Tätern in erster Linie dafür verwendet, sich Kraft- oder Baufahrzeuge auszuleihen und sie nicht wieder zurückzubringen. Dabei entstehen bei den einzelnen Unternehmen Schäden im Wert von zum Teil über Zehntausend Euro.

Peter Hessel arbeitet seit über zwanzig Jahren in der Urkundenprüfstelle

Erster Polizeihauptkommissar Peter Hessel, © privat

Wenn der Schein trügt

Wenn Peter Hessel ein Dokument auf seine Echtheit überprüft, schaut er sich in der Regel erst mal die äußerlichen Sicherheitsmerkmale an. Er prüft zum Beispiel, ob die dort angegebenen Daten zum Zeitraum des Ausstellungsdatums und der Gültigkeit übereinstimmen oder ob es sich bei dem angegebenen Land um ein autorisiertes Land handelt. In der Vergangenheit gingen bei der Urkundenprüfstelle auch schon Reisepässe aus Sea World oder Personalausweise aus der Republik Kugelmugel ein. Auf der Rückseite eines jeden Personalausweises im Kartenformat gibt es eine dreizeilige maschinenlesbare Zone (MLZ). „Fälscher machen in den drei Zeilen der MLZ häufig Fehler. Jede einzelne Ziffer hat eine Bedeutung und wenn man weiß, wie die Maschine die Zeilen liest, kann man als Dokumentenprüfer auch schnell erkennen, ob die Angaben dort stimmig sind“, erklärt Hessel. Die Mitarbeiter aus der Urkundenprüfstelle haben zahlreiche Hilfsmittel, um die dort eingetroffenen Dokumente zu überprüfen. Dazu gehört unter anderem ein mobiles Prüfgerät, das die Dokumente mit verschiedenen Lichtquellen wie etwa Auf- oder UV-Licht beleuchtet. Das Gerät ermöglicht eine zehnfache Vergrößerung, was den Prüfern eine gute Grundlage gibt, das Dokument als echt oder gefälscht einzustufen.

Die Dokumente zurückverfolgen

Wenn unechte Dokumente vorliegen und man sie zu den Fälschern zurückverfolgen möchte, dann arbeitet die Polizei mit dem Landeskriminalamt zusammen. Dort gibt es Gutachter, die die Dokumente wissenschaftlich in Augenschein nehmen. Sie schauen zum Beispiel, aus welchen Materialien (Folien, Papierart) die Dokumente hergestellt wurden und von welchen Herstellern diese Materialien stammen. Durch eine individuelle Farbmarkierung (Machine Identification Code), die Drucker auf ausgedruckten Dokumenten hinterlassen, können die Wissenschaftler das Gerät identifizieren, mit welchem die Dokumente gedruckt wurden. Das gibt Hinweise auf den Entstehungsort der Fälschung und bietet eine Grundlage, organisierten Fälschungsbanden und Fälscherwerkstätten auf die Spur zu kommen. „Deutlich schwieriger ist es, einen Fälscher aufzuspüren, der als Einzeltäter agiert. Mit einem gewöhnlichen Tintenstrahldrucker, einem Scanner und bestimmten Generierungsprogrammen aus dem Internet kann heutzutage eigentlich jeder seine eigene Amateur-Fälscherwerkstatt eröffnen. Ein Dokument muss einfach gut aussehen, um keinen Verdacht zu erwecken und einer genauen Kontrolle zu entgehen“, kritisiert Hessel.

Ausländische Identitäts- und Reisedokumente Eine Hilfe beim Erkennen von ausländischen Ausweisdokumenten bietet PRADO: Dabei handelt es sich um ein öffentliches Online-Register echter europäischer Identitäts- und Reisedokumente. Hier gibt es auch Tipps, wie man die Sicherheitsmerkmale von Dokumenten eigenständig auf ihre Echtheit überprüfen kann wie etwa nach dem „Fühlen, Sehen, Kippen“-Prinzip.

Zweifel an der Echtheit eines Dokuments

Wenn man den Verdacht hat, dass einem eine Fälschung vorgelegt wurde, kann man sich damit jederzeit an seine örtliche Polizeibehörde wenden. Sie kümmert sich dann darum, dass das fragliche Dokument geprüft wird. Peter Hessel findet, dass viele Menschen bei der alltäglichen Kontrolle von Ausweisen, Führerscheinen oder anderen Dokumenten nicht misstrauisch genug sind. „Verdachtsmomente entstehen meiner Erfahrung nach erst, wenn viel Geld im Spiel ist. Dabei sollte man grundsätzlich bei jedem Rechtsgeschäft aufmerksam sein. Manchmal reicht schon die einfache Überprüfung, ob derjenige, der den Ausweis vorzeigt, auch die Person auf dem Foto ist, um eine Fälschung zu erkennen“, erklärt er. Er räumt aber auch ein, dass die Einschätzung eines Dokuments gerade bei ausländischen Dokumenten schwierig ist, weil man oftmals nicht weiß, was für Merkmale das Original eigentlich hat. Hessel findet, dass die Technik bei der Legitimation von Passdokumenten durch biometrische Passbilder und den integrierten Radiofrequenzchip schon weit fortgeschritten ist. Bis zur Fingerabdruck-Abgabe bei Vertragsabschlüssen, die keinen Zweifel an der Echtheit der Vertragspartner lassen, könne es aber noch einige Jahre dauern. FL (30.06.2017)

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