Faustlos-Curriculum zur Steigerung der sozialen und emotionalen Kompetenz
Faustlos-Curriculum zur Steigerung der sozialen und emotionalen Kompetenz

Der Braunschweiger Arbeitskreis Faustlos

Konfliktbewältigung ohne Gewalt

Im Schulleben treten immer wieder Konflikte auf. Daher ist es Anliegen der Lehrkräfte und Erzieher, Kindern und Jugendlichen einen Weg aufzuzeigen, positiv miteinander umzugehen. Mit „Faustlos“ gibt es ein bundesweit durch das Heidelberger Präventionszentrum verbreitetes Präventionsprogramm, das sozial-emotionale Kompetenzen gezielt fördert und damit aggressivem und gewaltbereitem Verhalten von Kindern und Jugendlichen vorbeugt. In Braunschweig wird es bereits seit vielen Jahren umgesetzt.

Konflikte „faustlos“ bewältigen

Der Braunschweiger Arbeitskreis Faustlos wurde im Jahr 2002 von Psychologen und Pädagogen ins Leben gerufen. Ziel ist, die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu fördern und damit der Gewaltentwicklung präventiv entgegenzuwirken. Zuvor war mit dem Programm „Faustlos für die Grundschule“ probeweise in zwei Braunschweiger Grundschulen gearbeitet worden. Positive Erfahrungen im Unterricht hatten dazu geführt, dass das Konzept ausgeweitet und der Arbeitskreis gegründet wurde: Heute wird „Faustlos“ in Kindergärten, Grund- und Förderschulen sowie in der Sekundarstufe eingesetzt.

Das Faustlos-Curriculum

Das Präventionsprogramm richtet sich an ErzieherInnen und pädagogische MitarbeiterInnen in Kindertagesstätten sowie an die Kollegien der Grund-, Förder- und Sekundarschulen. Der Arbeitskreis organisiert die Eingangsfortbildungen zum Faustlos-Curriculum für ErzieherInnen und LehrerInnen, stellt den Kindergärten und Schulen Arbeitsmaterialien zur Verfügung und begleitet sie im darauffolgenden Jahr mit drei Nachbetreuungssitzungen. Finanzielle Unterstützung erhält der Arbeitskreis durch die Braunschweiger Bürgerstiftung. „Der Faustlos-Lehrplan vermittelt gezielt soziale und emotionale Kompetenzen, die Kinder stärken und darauf vorbereiten, auf die Herausforderungen des Alltags angemessen zu reagieren“, berichtet Helga Gutzke. „Die Kinder werden langfristig begleitet und auf einen sozial positiven Weg geführt.“ Gearbeitet wird jeweils mit der gesamten Gruppe oder Klasse. Die Inhalte vermittelt die Erzieherin oder die Lehrkraft als vertraute Person. Drei Einheiten bilden die Basis des Curriculums:

  • Empathie: Die Kinder lernen, eigene Gefühle wahrzunehmen, sich in andere einzufühlen und emotional auf andere einzugehen.
  • Impulskontrolle: Die Kinder lernen, zwischenmenschliche Konflikte durch systematische Gedankenschritte zu lösen und so mit Impulsen adäquat umzugehen.
  • Umgang mit Ärger und Wut: Die Kinder lernen, körperliche Anzeichen dieses Gefühls wahrzunehmen und Beruhigungstechniken anzuwenden, Auslöser von Ärger und Wut zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren sowie positive Selbstverstärkung zu gebrauchen.

Drei Programmversionen

„Faustlos“ gibt es in Braunschweig in drei unterschiedlichen Versionen. Sie sind jeweils altersangemessen konzipiert und können aufeinander aufbauend, aber auch unabhängig voneinander eingesetzt werden:

  • Faustlos für den Kindergarten (seit 2003): Mit den Handpuppen „Wilder Willi“ und „Ruhige Schneck“ werden den Kindern die Faustlos-Inhalte anhand von großformatigen Bildern vermittelt.
  • Faustlos für die Grundschule (seit 2001): In der Grundschule werden prosoziale Verhaltensfertigkeiten in Rollenspielen ausprobiert, geübt und vertieft.
  • Faustlos für die Sekundarstufe (seit 2014): In der Sekundarstufe werden die Jugendlichen mit Hilfe von Spielfilmsequenzen in Problemsituationen eingeführt und angeleitet, Lösungen zu finden.

Der „wilde Willi“ und die „ruhige Schneck“ erklären im Kindergarten, wie man miteinander teilt

© Braunschweiger Arbeitskreis Faustlos

Rücksichtsvoller miteinander umgehen

Die Effektivität von „Faustlos“ wurde über die Jahre durch zahlreiche Qualitätssicherungsstudien belegt: So wurden ein Rückgang von Aggression und der Anstieg der Empathiefähigkeit wissenschaftlich festgestellt. Diese Beobachtung macht auch Helga Gutzke, Mitbegründerin des Arbeitskreises, in Braunschweig: „Man kann eindeutig feststellen, dass die Sprachkompetenz der Kinder wächst, Konflikte zunehmend partnerschaftlich gelöst werden und sie achtsamer miteinander umgehen. Der Ton untereinander ändert sich“, freut sie sich: „Eine Kollegin sagte einmal „Wir merken richtig, dass wir mit Faustlos arbeiten. Es ist einfach netter geworden.““

Kontakt

Braunschweiger Arbeitskreis Faustlos
Helga Gutzke
Am Hohen Felde 12
38104 Braunschweig
Telefon: 0531/37 50 67
E-Mail: helga@[email protected]

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