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Menschenhandel in Europa – moderne Sklaverei

Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen zufolge müssen rund 800.000 Menschen in Europa Zwangsarbeit verrichten – die Dunkelziffer ist hoch. Von hoch kriminellen und gut organisierten Schleuserbanden mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt, werden Frauen etwa an Bordellbetreiber verkauft und zur Prostitution gezwungen. Männer müssen häufig für Dumpinglöhne auf dem Bau schuften. Maßgeblich beteiligt am Kampf gegen den Menschenhandel ist der deutsche Zoll. Wie die Beamten effektiver gegen die Organisierte Kriminalität im Bereich Menschenhandel vorgehen könnten, erklärt Frank Buckenhofer, Vorsitzender der Bezirksgruppe Zoll der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Bessere Strukturen schaffen, Kräfte bündeln


Die Baubranche ist ein Schwerpunkt der Kontrollen des Zolls

© Frank Wagner, Fotolia

 

Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen zufolge müssen rund 800.000 Menschen in Europa Zwangsarbeit verrichten – die Dunkelziffer ist hoch. Von hoch kriminellen und gut organisierten Schleuserbanden mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt, werden Frauen etwa an Bordellbetreiber verkauft und zur Prostitution gezwungen. Männer müssen häufig für Dumpinglöhne auf dem Bau schuften. Maßgeblich beteiligt am Kampf gegen den Menschenhandel ist der deutsche Zoll. Wie die Beamten effektiver gegen die Organisierte Kriminalität im Bereich Menschenhandel vorgehen könnten, erklärt Frank Buckenhofer, Vorsitzender der Bezirksgruppe Zoll der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Das Bundeslagebild Menschenhandel wird vom Bundeskriminalamt (BKA) herausgegeben. Daraus geht hervor, dass im Jahr 2015 insgesamt 364 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung abgeschlossen wurden. Bei weiteren 19 Verfahren handelte es sich um den Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft. Die Opfer von Menschenhandel stammen meist aus nicht-europäischen Ländern und werden von Schleusern nach Europa gebracht. Vielen Opfern werden bessere Lebensbedingungen und hohe Verdienstmöglichkeiten in Aussicht gestellt. Angeworben werden sie unter anderem über vermeintliche Model- und Künstleragenturen oder Zeitungsinserate. Verschwiegen wird dabei häufig die Tatsache, dass zunächst ein Schuldenbetrag für zum Beispiel Pass- und Visabeschaffung, Reise-, Verpflegungs- und Unterbringungskosten abzuarbeiten ist. Dadurch wird ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Täter und Opfer geschaffen.

Sexuelle Ausbeutung und Ausbeutung der Arbeitskraft

Beim Thema Menschenhandel greifen in Deutschland der Paragraf 232 Strafgesetzbuch (Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung) und der Paragraph 233 Strafgesetzbuch (Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft). „Menschenhandel ist Prinzip nichts anderes als moderne Sklaverei. Die Opfer gelangen mit den Schleusern über illegale Kanäle nach Deutschland oder in andere europäische Staaten. Sie werden dann häufig unter erbärmlichsten Bedingungen untergebracht und dann entweder an Bordelle oder andere Arbeitsstätten verliehen oder verkauft“, erklärt Frank Buckenhofer. All dies geschehe im Verborgenen. Bei Überprüfungen der „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ (FKS) des Zolls gelangten die Opfer dann häufig das erste Mal aus dem Dunkelfeld ins Hellfeld. „Bei der Kontrolle werden die Opfer von Menschenhandel jedoch erst einmal als Täter wahrgenommen – nämlich weil sie illegal beschäftigt sind“, weiß der Experte. „Über die Opfer können dann aber auch Verbindungen zu den Tätern hergestellt werden.“ Der Zoll ist bei seiner Arbeit im Rahmen der Bekämpfung illegaler Beschäftigung also unmittelbar mit den Folgen von Menschenhandel konfrontiert und verfügt über ein enormes Informationspotenzial. „Um dieses Potenzial aber richtig nutzen zu können, muss der Zoll aber besser aufgestellt werden und sich vor allem intern erst einmal neu strukturieren.“

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