Moderne Fernseher analysieren das Nutzerverhalten
Moderne Fernseher analysieren das Nutzerverhalten

Was der Fernseher über seine Nutzer weiß

Smart-TV als Datensammler

Fernseher sind längst zu leistungsfähigen Computern geworden. Sie empfangen nicht nur das klassische Fernsehprogramm, sondern streamen Filme und Serien, bieten Apps, Sprachsteuerung und personalisierte Empfehlungen. Damit wächst jedoch auch die Menge der Daten, die im Wohnzimmer entstehen. Moderne Smart-TVs können unter anderem Informationen über das verwendete Gerät, die genutzten Apps und teilweise sogar über das laufende Fernsehprogramm erfassen. Für die Werbewirtschaft sind solche Daten wertvoll. Datenschützer und Aufsichtsbehörden beschäftigen sich deshalb zunehmend mit der Frage, ob Verbraucher wirklich wissen, was ihr Fernseher über sie erfährt.

In diesem Text erfahren Sie:

Der Fernseher erkennt, was läuft

Eine Schlüsseltechnologie, die bei modernen Fernsehern eingesetzt wird, heißt Automatic Content Recognition (ACR), zu Deutsch automatische Inhaltserkennung. Sie funktioniert, vereinfacht gesagt, ähnlich wie die Musikerkennungs-App Shazam: Der Fernseher erzeugt digitale Signaturen des auf dem Bildschirm dargestellten Inhalts und gleicht sie mit einer Datenbank ab. Dadurch lässt sich erkennen, welches Programm oder welcher andere bekannte Inhalt gerade läuft.

Bemerkenswert ist, dass die Technik nicht auf die eingebauten Apps des Fernsehers beschränkt sein muss. Wissenschaftler des University College London (UCL) und weiterer Hochschulen untersuchten 2024 Smart-TVs von Samsung und LG. Dabei zeigte sich, dass ACR auch aktiv sein konnte, wenn der Fernseher lediglich als Bildschirm für externe Geräte genutzt wurde – etwa über HDMI. Die Forscher beobachteten ACR-Datenverkehr sowohl beim klassischen Fernsehen als auch bei extern zugespielten Inhalten. Erst wenn die ACR-Funktion explizit ausgeschaltet wurde, endete der beobachtete Datenverkehr zu den externen ACR-Servern. Die UCL-Forscher konnten den genauen Inhalt der übertragenen Daten nicht einsehen, da sie verschlüsselt waren. Doch sie gehen nicht davon aus, dass der Fernseher komplette Filme oder Bildschirmaufnahmen über das Internet überträgt. Die Forscher nehmen an, dass Signaturen beziehungsweise Momentaufnahmen des dargestellten Inhalts zur Identifikation genutzt werden. Die daraus gewonnenen Informationen können unter anderem zur Analyse des Fernsehverhaltens, für Empfehlungen und für zielgerichtete Werbung verwendet werden.

Fernsehverhalten ist wirtschaftlich interessant

Damit hat sich auch das Geschäftsmodell rund um den Fernseher verändert. Hersteller verdienen nicht mehr ausschließlich am Verkauf des Geräts. Smart-TV-Plattformen bieten eigene App- und Streamingangebote an und eröffnen zugleich neue Möglichkeiten für personalisierte Werbung.

Samsung erläutert beispielsweise selbst, dass seine optional aktivierbare ACR-Technologie Informationen über die Fernsehnutzung erzeugen kann. Dazu gehören nach Unternehmensangaben unter anderem die angesehenen Programme und die jeweilige Nutzungsdauer. Nutzer können die entsprechende Funktion bei der Einrichtung des Fernsehers aktivieren und ihre Datenschutzeinstellungen später verändern.

Dass die Einstellungen tatsächlich einen Unterschied machen können, zeigt auch eine Untersuchung des Testportals RTINGS von 2026. Bei den untersuchten Fernsehern veränderte das Abschalten der entsprechenden Funktionen den eindeutig identifizierbaren ACR-Datenverkehr. Allerdings kritisieren die Tester, dass die entsprechenden Einstellungen je nach Plattform schwer zu finden oder nicht immer leicht verständlich seien.

Das eigentliche Datenschutzproblem besteht deshalb heute weniger darin, dass ein Fernseher seine Besitzer heimlich mit Kamera oder Mikrofon „beobachtet“. Wesentlich relevanter ist die Frage, welche Nutzungsdaten ein Gerät im regulären Betrieb erhebt und ob Verbraucher bei der Einrichtung tatsächlich verstehen, welchen Verarbeitungen ihrer Daten sie zustimmen.

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Alextype/stock.adobe.com

Neue Rechte durch den Data Act

Das Thema beschäftigt auch europäische Aufsichtsbehörden. Bereits 2020 stellte das Bundeskartellamt nach einer Untersuchung des deutschen Smart-TV-Marktes erhebliche Verbraucherschutzdefizite fest. Rund 20 Unternehmen waren dafür befragt worden. Nach Auffassung der Behörde konnten Verbraucher bei zahlreichen Datenverarbeitungsvorgängen nicht ausreichend nachvollziehen, welche Daten erhoben wurden, wofür sie verwendet und an wen sie übermittelt wurden. Auch die europäische Gesetzgebung hat sich weiterentwickelt. Seit dem 12. September 2025 gilt der EU Data Act. Er betrifft vernetzte Geräte und damit ausdrücklich auch Smart-TVs. Das Gesetz soll Nutzern mehr Kontrolle über die von ihren Geräten erzeugten Daten verschaffen. Verbraucher sollen auf bestimmte Gerätedaten zugreifen, sie nutzen und unter bestimmten Voraussetzungen mit Dritten teilen können. Der Data Act ersetzt allerdings nicht die Datenschutz-Grundverordnung. Geht es um personenbezogene Daten und beispielsweise um Profilbildung oder personalisierte Werbung, gelten weiterhin die datenschutzrechtlichen Vorgaben.

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Fünf Einstellungen für mehr Datenschutz

  • Inhaltserkennung abschalten
    In den Einstellungen nach Begriffen wie „ACR“, „Viewing Information“, „Viewing Data“, „Content Recognition“, „Enhanced Viewing“ oder vergleichbaren Bezeichnungen suchen. Wird die Funktion nicht benötigt, kann sie deaktiviert werden.
  • Personalisierte Werbung deaktivieren
    Die Werbe- und Datenschutzeinstellungen des Geräts prüfen und interessenbezogene beziehungsweise personalisierte Werbung ausschalten, wenn sie nicht gewünscht ist.
  • Einwilligungen überprüfen
    Bei der Erstinstallation nicht pauschal allen optionalen Diensten zustimmen. Auch bei bereits eingerichteten Fernsehern lohnt sich ein erneuter Blick in Datenschutz-, Werbe- und Nutzungsoptionen.
  • Mikrofon und Sprachsteuerung nur bei Bedarf nutzen
    Nicht benötigte Sprachassistenten, Fernzugriffe und ähnliche Zusatzfunktionen lassen sich bei vielen Geräten deaktivieren. Je weniger Dienste aktiv sind, desto kleiner ist grundsätzlich die Angriffs- und Datenerfassungsfläche.
  • Updates automatisch installieren
    Firmware und Apps sollten möglichst automatisch aktualisiert werden. Sicherheitsupdates schließen bekannte Schwachstellen und gehören zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen für vernetzte Geräte.

Sicherheitsrisiken bleiben

Neben dem Datenschutz bleibt die IT-Sicherheit wichtig. Schließlich hängt ein Smart-TV wie Computer, Smartphone, Router oder andere Smart-Home-Geräte am Heimnetzwerk. Sicherheitslücken können deshalb grundsätzlich auch hier von Angreifern ausgenutzt werden.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt für vernetzte Geräte insbesondere regelmäßige beziehungsweise automatische Sicherheitsupdates. Bereits vor dem Kauf sollte darauf geachtet werden, ob und wie lange ein Hersteller Updates bereitstellt. Geräte, für die keine Sicherheitsaktualisierungen mehr angeboten werden, können zum Risiko werden, weil bekannte Schwachstellen offenbleiben.

Bei Smart-TVs sollten außerdem nur benötigte Apps installiert und nicht verwendete Funktionen abgeschaltet werden. Sensible Dienste wie Onlinebanking sind auf einem aktuellen Computer, Tablet oder Smartphone ohnehin besser aufgehoben als im Browser eines Fernsehers.

TE (28.08.2026)