Millionen Menschen bestellen täglich bei Amazon. Das Unternehmen gilt heute als einer der sichersten Online-Marktplätze weltweit. Wer ausschließlich über die Amazon-Plattform kommuniziert, bezahlt und versenden lässt, hat ein vergleichsweise geringes Risiko, Opfer eines Betrugs zu werden. Doch das Risiko ist nicht ausgeschlossen: Zwar hat Amazon massiv in den Schutz seiner Kunden investiert und die Sicherheitsmechanismen deutlich ausgebaut. Dennoch gelingt es Kriminellen immer wieder, Schwachstellen auszunutzen. Die Betrugsmaschen haben sich verändert. Ganz verschwunden sind sie nicht.
In diesem Text erfahren Sie:
- wie Betrüger bei Amazon vorgehen
- wie man sich bei einem Amazon-Einkauf schützen kann
- was man tun kann, wenn man auf einen Betrüger hereingefallen ist
Milliardeninvestitionen in den Käuferschutz
Amazon hat in den vergangenen Jahren weltweit mehr als eine Milliarde US-Dollar in den Kampf gegen Produktfälschungen, Betrug und missbräuchliche Verkäufer investiert. Mehr als 15.000 Mitarbeiter beschäftigen sich inzwischen ausschließlich mit dem Schutz von Kunden, Markenherstellern und seriösen Händlern. Unterstützt werden sie durch Künstliche Intelligenz, die verdächtige Verkäuferkonten, manipulierte Bewertungen oder ungewöhnliche Verkaufsaktivitäten automatisch erkennt. Nach Unternehmensangaben werden heute Millionen verdächtiger Verkäuferkonten bereits gesperrt, bevor sie überhaupt ein Produkt anbieten können. Im Jahr 2025 stellte Amazon weltweit mehr als 15 Millionen gefälschte Produkte sicher und ließ über 100 Internetseiten schließen, die Fake-Bewertungen oder Betrugsmaschen rund um den Amazon-Marktplatz unterstützten. Zudem werden inzwischen mehr als 99 Prozent der verdächtigen Angebote erkannt, bevor Markenhersteller sie überhaupt gemeldet haben. Auch für Verbraucher wurde der Käuferschutz verbessert. Wer über Amazon bezahlt und die gesamte Kommunikation innerhalb der Plattform führt, profitiert von der A-bis-Z-Garantie. Wird ein Artikel nicht geliefert oder entspricht er nicht der Beschreibung, kann der Kaufpreis in vielen Fällen erstattet werden.
Die Betrüger geben nicht auf
Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen gelingt es Betrügern immer wieder, Käufer hereinzulegen. Dabei setzen sie heute weniger auf klassische Fake-Shops als auf manipulierte Verkäuferkonten oder Social-Engineering.
Eine häufige Masche sind kurzfristig eingerichtete Verkäuferkonten. Kriminelle bieten besonders begehrte Produkte zu auffällig niedrigen Preisen an – etwa Smartphones, Spielekonsolen, E-Bikes oder hochwertige Kaffeemaschinen. Nach wenigen Tagen verschwinden die Händler wieder vom Marktplatz.
Ebenfalls problematisch sind gehackte Verkäuferkonten. Betrüger übernehmen dabei bestehende Händlerprofile mit guten Bewertungen und stellen plötzlich hochpreisige Artikel zu Dumpingpreisen ein. Die positive Bewertungshistorie vermittelt Käufern zunächst ein falsches Sicherheitsgefühl.
Immer wieder versuchen Kriminelle außerdem, Käufer aus dem geschützten Amazon-System herauszulocken. Sie bitten beispielsweise darum, per E-Mail Kontakt aufzunehmen oder den Kauf außerhalb von Amazon abzuwickeln. Als Begründung dienen angebliche technische Probleme oder Preisnachlässe. Wer sich darauf einlässt, verliert meist den Anspruch auf den Amazon-Käuferschutz.
Ein weiteres Problem bleiben Produktfälschungen. Besonders betroffen sind Markenartikel aus den Bereichen Elektronik, Kleidung, Kosmetik, Sportartikel, Werkzeuge sowie Zubehör für Smartphones und Computer. Amazon geht zwar mit einer eigenen Counterfeit Crimes Unit und Programmen wie „Transparency“ oder „Project Zero“ gezielt gegen Produktpiraterie vor, dennoch tauchen immer wieder Fälschungen auf.
Wie sicher sind ausländische Amazon-Plattformen?
Grundsätzlich gelten auf den europäischen Amazon-Marktplätzen wie Amazon.de, Amazon.fr, Amazon.it oder Amazon.es dieselben Sicherheitsstandards. Die Käuferschutzprogramme und die technischen Kontrollmechanismen unterscheiden sich kaum.
Etwas höher kann das Risiko sein, wenn Waren direkt von Händlern außerhalb der Europäischen Union versendet werden. Hier können längere Lieferzeiten, Schwierigkeiten bei Reklamationen oder Probleme bei der Rücksendung auftreten. Außerdem entsprechen einzelne Produkte nicht immer den europäischen Sicherheits- oder Qualitätsstandards. Deshalb empfiehlt es sich, auf den Verkäuferstandort und die Versandinformationen zu achten.
So schützen Sie sich beim Einkauf
Der wichtigste Schutz besteht darin, niemals außerhalb der Amazon-Plattform zu kommunizieren oder zu bezahlen. Seriöse Händler haben keinen Grund, Käufer auf E-Mail, Messenger-Dienste oder externe Zahlungswege umzuleiten.
Man sollte auch misstrauisch werden, wenn Markenprodukte deutlich unter dem üblichen Marktpreis angeboten werden. Besonders bei hochpreisiger Unterhaltungselektronik oder Luxusartikeln gilt: Ist ein Angebot zu gut, um wahr zu sein, steckt häufig ein Betrugsversuch dahinter.
Vor dem Kauf lohnt sich außerdem ein Blick auf das Verkäuferprofil. Wie lange existiert der Händler bereits? Wie viele Bewertungen gibt es? Sind die Rezensionen glaubwürdig oder auffällig allgemein formuliert? Auch eine ungewöhnlich große Zahl neuer Angebote innerhalb kurzer Zeit kann ein Warnsignal sein.
Sinnvoll ist es außerdem, ausschließlich die von Amazon angebotenen Zahlungswege zu nutzen und keine Banküberweisungen auf fremde Konten vorzunehmen.
Die fünf wichtigsten Warnsignale vor unseriösen Händlern
- Der Preis ist deutlich zu gut, um wahr zu sein
Der Verkäufer möchte außerhalb von Amazon kommunizieren oder bezahlt werden - Das Verkäuferprofil wirkt ungewöhnlich
- Lieferzeit, Versandort oder Produktbeschreibung passen nicht zusammen
- Der Händler baut Zeitdruck auf („Nur noch heute verfügbar“, „Letztes Exemplar“)
Grundregel: Ausschließlich über Amazon kommunizieren, nur die dort angebotenen Zahlungsmethoden nutzen und bei ungewöhnlich günstigen Angeboten genauer hinschauen.
Was tun, wenn man auf einen Betrüger hereingefallen ist?
Wer einen Betrug vermutet, sollte schnell handeln. Zunächst empfiehlt es sich, den Verkäufer direkt über Amazon zu kontaktieren und den Vorfall gleichzeitig dem Amazon-Kundenservice zu melden. Wurde die Ware nicht geliefert oder handelt es sich um eine Fälschung, kann über die A-bis-Z-Garantie eine Erstattung beantragt werden.
Wurde außerhalb von Amazon bezahlt, sollten Betroffene umgehend ihre Bank oder den Zahlungsdienstleister kontaktieren und – sofern möglich – eine Rückbuchung veranlassen. Wurde die Zahlung per Kreditkarte vorgenommen, bestehen häufig gute Chancen auf eine Rückerstattung.
Handelt es sich um einen eindeutigen Betrugsfall, sollte zusätzlich Strafanzeige bei der Polizei erstattet werden. Dabei ist wichtig, dass man alle verfügbaren Unterlagen wie Bestellbestätigung, Rechnungen, Nachrichtenverläufe, Screenshots des Angebots und Zahlungsbelege vorlegen kann.
TE (31.07.2026)
