Deutsche sind reisefreudig
Deutsche sind reisefreudig

So schützen sich Urlauber vor Diebstahl, Betrug und Gewalt

Sicher reisen

Die Deutschen gehören zu den reisefreudigsten Nationen. Manche Ziele liegen jedoch in Ländern, in denen Touristen mit erhöhten Kriminalitätsrisiken rechnen müssen. Aber auch in beliebten europäischen Ferienregionen kann es zu Taschendiebstählen, Einbrüchen in Mietwagen und betrügerischen Angeboten kommen. Wer sich vorbereitet und einige Vorsichtsmaßnahmen beachtet, kann viele Gefahren vermeiden.

In diesem Text erfahren Sie:

Vor der Reise: Risiken kennen und Vorsorge treffen

Wie sicher ein Reiseziel ist, hängt nicht allein vom Land ab. Auch zwischen einzelnen Städten, Regionen und Stadtvierteln können große Unterschiede bestehen. Erste Anlaufstelle sollten deshalb die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts sein. Sie informieren über Kriminalität, politische Unruhen, Terrorgefahren und besonders riskante Regionen. Da sich die Lage kurzfristig verändern kann, sollten Reisende die Hinweise auch unmittelbar vor der Abfahrt und während des Aufenthalts kontrollieren.

Empfehlenswert ist außerdem die Eintragung in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND. Dadurch kann die zuständige deutsche Auslandsvertretung Reisende bei Unruhen, Naturkatastrophen oder anderen Krisen leichter erreichen.

Die Telefonnummern der örtlichen Polizei, der deutschen Botschaft oder des zuständigen Konsulats sowie der eigenen Bank und Versicherung gehören ins Smartphone und zusätzlich auf einen Zettel. Innerhalb der Europäischen Union ist der Notruf über 112 erreichbar.

Von Reisepass, Personalausweis, Führerschein und Versicherungsunterlagen sollten Kopien angefertigt und getrennt von den Originalen aufbewahrt werden. Auch Bargeld, Dokumente und Zahlungskarten verteilt man besser auf mehrere sichere Stellen. Geht eine Tasche verloren, bleibt so wenigstens eine finanzielle Reserve erhalten. Sinnvoll sind zwei voneinander unabhängige Zahlungskarten.

Welche Versicherungen sind sinnvoll?

Die wichtigste Zusatzversicherung ist eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Sie sollte nicht nur Behandlungskosten, sondern auch – falls notwendig – einen Rücktransport nach Deutschland abdecken.

Eine Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung kann sich insbesondere bei teuren Reisen und beim Familienurlaub lohnen. Eine Reisegepäckversicherung ist dagegen häufig verzichtbar. Viele Verträge enthalten zahlreiche Ausschlüsse und ersetzen nur den Zeitwert. Teilweise greift bereits die Hausratversicherung, etwa nach einem Einbruch in das Hotelzimmer oder Ferienhaus sowie bei Raub. Einfacher Taschendiebstahl ist meist nicht versichert. Maßgeblich sind immer die konkreten Vertragsbedingungen. Weitere Informationen bietet die Verbraucherzentrale.

Auch im Restaurant kann es böse Überraschungen geben

Auch im Restaurant kann es böse Überraschungen geben

EdNurg/stock.adobe.com

Während der Reise: Wertsachen nicht zur Schau stellen

Touristen sind für Kriminelle häufig leicht zu erkennen. Sie orientieren sich auf dem Smartphone, tragen Gepäck und kennen die örtlichen Gegebenheiten nicht. Besonders an Flughäfen, Bahnhöfen, Sehenswürdigkeiten, Stränden und in öffentlichen Verkehrsmitteln sind Taschendiebe unterwegs. Sie arbeiten oft in Gruppen. Eine Person rempelt das Opfer an, bittet um Hilfe oder verschüttet scheinbar versehentlich ein Getränk, während ein Komplize in die Tasche greift. Auch fingierte Streitereien, Unterschriftensammlungen oder angebliche Pannen können der Ablenkung dienen. Taschen sollten deshalb geschlossen und möglichst vor dem Körper getragen werden. Smartphone und Geldbörse gehören nicht in die Gesäßtasche. Wertvoller Schmuck, teure Uhren und größere Bargeldbeträge bleiben besser im Hotelsafe.

Auch ein Mietwagen ist kein sicherer Aufbewahrungsort. Gepäck und Wertsachen sollten niemals sichtbar im Fahrzeug liegen. Nach dem Verriegeln empfiehlt es sich, am Türgriff zu prüfen, ob das Auto tatsächlich abgeschlossen ist. Kriminelle können das Funksignal des Autoschlüssels stören und anschließend das unverschlossene Fahrzeug ausräumen.

Bei einem Raubüberfall haben Gesundheit und Leben Vorrang. Vor allem bei bewaffneten Tätern sollte auf Gegenwehr verzichtet werden. Stattdessen gilt es, ruhig zu bleiben, Wertgegenstände herauszugeben und sich möglichst schnell in Sicherheit zu bringen.

Sicher einkaufen und bezahlen

Bei Kartenzahlungen sollte die Karte nicht aus den Augen gelassen werden. Vor der Freigabe sind Betrag und Währung auf dem Display zu kontrollieren. Die PIN muss verdeckt eingegeben werden. Außerhalb des Euroraums bieten Geldautomaten und Kartenlesegeräte häufig eine sofortige Umrechnung in Euro an. Diese sogenannte dynamische Währungsumrechnung ist meist mit einem ungünstigen Wechselkurs verbunden. Häufig ist es günstiger, in der Landeswährung zu bezahlen und die Umrechnung der eigenen Bank zu überlassen. Es ist besser, Geldautomaten innerhalb einer Bank, eines Hotels oder eines bewachten Einkaufszentrums zu nutzen als Geräte auf offener Straße. Beim Geld abheben sollten die Hilfe von Fremden ablehnen. Betrüger versuchen mitunter, die PIN auszuspähen oder die Karte unbemerkt auszutauschen.

Bei Märkten, Taxifahrten, Mietwagen und Ausflügen sollte der Preis vorher eindeutig vereinbart werden. Rechnungen und Kartenbelege sind aufzubewahren. Wer von angeblichen Polizeibeamten zur Zahlung einer Geldstrafe aufgefordert wird, sollte sich den Dienstausweis und eine Quittung zeigen lassen. Echte Beamte verlangen weder die PIN noch die Herausgabe einer Zahlungskarte.

Typische Betrugsmaschen

Zu den verbreiteten Maschen gehören manipulierte Taxameter, überhöhte Rechnungen, wertloser Schmuck und angeblich kostenlose Geschenke, für die später Geld verlangt wird. Beim Wechselgeldtrick behaupten Verkäufer, einen kleineren Geldschein erhalten zu haben, als tatsächlich übergeben wurde.

Beim sogenannten „Stranded Traveller Scam“ geben sich Täter als bestohlene Reisende aus und bitten um Geld für ein Ticket, Benzin oder eine Unterkunft. Sie versprechen eine spätere Rückzahlung, die jedoch nie erfolgt.

Vorsicht ist auch bei auffallend günstigen Ausflügen, Ferienwohnungen oder Mietfahrzeugen geboten. Zahlungen außerhalb etablierter Buchungsplattformen und Überweisungen an unbekannte Privatpersonen erschweren eine spätere Rückforderung. Überklebte QR-Codes an Parkautomaten oder in Restaurants können zudem auf gefälschte Bezahlseiten führen.

In Bars und Clubs sollten Getränke nicht unbeaufsichtigt bleiben. Von Unbekannten angebotene offene Getränke sind abzulehnen. Schwindel, Gedächtnislücken oder eine ungewöhnlich starke Wirkung nach wenig Alkohol können auf K.-o.-Mittel hinweisen. Betroffene sollten sofort eine Vertrauensperson, das Personal, die Polizei oder medizinische Hilfe verständigen.

Im Falle des Falles: Schnell reagieren

Nach einem Diebstahl, Betrug oder Gewaltdelikt sollte zunächst ein sicherer Ort aufgesucht werden. Verletzte benötigen unverzüglich medizinische Hilfe. Straftaten sollten möglichst schnell bei der örtlichen Polizei angezeigt werden. Eine schriftliche Anzeigenbestätigung ist für Banken, Versicherungen und die Ausstellung neuer Dokumente wichtig.

Gestohlene Debit- und Kreditkarten müssen sofort gesperrt werden. Der Sperr-Notruf ist unter 116 116, aus dem Ausland in der Regel unter +49 116 116 oder +49 30 4050 4050 erreichbar. Anschließend sollten die Kartenumsätze regelmäßig auf unbekannte Abbuchungen kontrolliert werden.

Bei einem gestohlenen Smartphone müssen die SIM-Karte und Gerät sofort gesperrt werden. Wichtige Passwörter – insbesondere für E-Mail, Banking und soziale Netzwerke – sollten von einem sicheren Gerät aus geändert werden.

Geht der Reisepass verloren, muss der Verlust bei der örtlichen Polizei angezeigt werden. Die deutsche Botschaft oder das zuständige Konsulat können anschließend einen Reiseausweis als Passersatz oder einen vorläufigen Reisepass ausstellen. Kopien der Dokumente erleichtern das Verfahren.

Opfer von Gewalt sollten mögliche Spuren nicht beseitigen und sich möglichst schnell ärztlich untersuchen lassen. Die deutsche Auslandsvertretung kann Kontakte zu Ärzten, Rechtsanwälten und Hilfsorganisationen vermitteln.

Nach dem Urlaub: Schäden dokumentieren

Nach der Rückkehr sollten Polizeianzeigen, Rechnungen, Fotos, Kaufbelege, ärztliche Bescheinigungen und Kontoauszüge gesammelt werden. Der Schaden muss sofort der Versicherung gemeldet werden. Wer keine Nachweise vorlegen kann oder Meldefristen versäumt, riskiert Probleme bei der Erstattung.

Bei gestohlenen Gegenständen kommt es darauf an, ob ein Einbruch, ein Raub oder ein unbeobachteter Verlust vorlag. Häufig erstatten Versicherer nur den Zeitwert. Wer unberechtigte Kartenabbuchungen feststellt werden, muss schnell bei der Bank widersprechen.

Nach einem Smartphone- oder Datendiebstahl sollten Konten und E-Mail-Postfächer noch einige Monate besonders aufmerksam kontrolliert werden. Gestohlene persönliche Daten können später für Phishing, Identitätsmissbrauch oder betrügerische Bestellungen eingesetzt werden.

Sicheres Reisen bedeutet nicht, jedes Risiko auszuschließen. Wer die aktuellen Hinweise kennt, Wertsachen schützt und wichtige Kontakte griffbereit hat, kann viele Straftaten verhindern und in einer schwierigen Situation schnell und besonnen handeln.

TE (31.07.2026)