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Wer sind die Täter?

Kriminelle Einbrecherbanden reisen quer durch die EU, um den Ermittlungsbehörden zu entwischen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in der Bundeshauptstadt Berlin zwar im Vergleich zu den Vorjahren gesunken, das Niveau bleibt aber hoch. Woher kommen die ausländischen Profis?

Mobile Diebesbanden und Beschaffungskriminalität

Je anonymer das Wohnumfeld, desto erfolgreicher der Einbrecher

© ccvision.de

 

Kriminelle Einbrecherbanden reisen quer durch die EU, um den Ermittlungsbehörden zu entwischen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in der Bundeshauptstadt Berlin zwar im Vergleich zu den Vorjahren gesunken, das Niveau bleibt aber hoch. Woher kommen die ausländischen Profis?

 

Besonders betroffen von Einbruchdiebstählen ist die Bundeshauptstadt: Die Berliner Polizei hat im Jahr 2016 insgesamt 11.507 Einbrüche in Wohnungen und Einfamilienhäuser registriert – nur 895 davon konnten aufgeklärt werden. Zwar sind die Zahlen bei den Wohnraumeinbrüchen im Vergleich zu den beiden Vorjahren rückläufig, sie befinden sich allerdings noch immer auf einem hohen Niveau. Das liegt vor allem daran, dass sich in Berlin ständig viele Touristen und vor allem reisende Tätergruppen aufhalten. Deren Straftaten werden in der Statistik jedoch der in der Hauptstadt lebenden Bevölkerung zugeschlagen. Großstädte sind ein starker Anziehungspunkt für professionelle Einbrecherbanden und Taschendiebe. Aufgrund der Freizügigkeit in Europa ist das Phänomen der „reisenden Täter“ zu einem wachsenden Problem für die Polizei geworden. Durch den Wegfall der Grenzkontrollen in der EU können kriminelle Banden über die Grenze kommen, ihre Raubzüge machen und wieder verschwinden.

Die Köpfe bleiben im Hintergrund

Die Taten durch mobile Banden sind mit polizeilichen Mitteln schwer zu bekämpfen und werden daher selten aufgeklärt. An die Hintermänner kommen die Ermittler nur äußerst selten heran. Vor allem Bandenchefs aus Rumänien, Litauen und Bulgarien schickten in den vergangenen Jahren ihre Leute zum gezielten Einbruch nach Deutschland. Anreise, Einbruch, Abreise, Verkauf. Diese Methode hat sich bewährt und so ist die Zahl der Eigentumsdelikte seit der Öffnung des Schengenraumes nach Osteuropa dramatisch angestiegen. Erst im Mai 2017 gelang es der Münchener Polizei, einen internationalen Einbrecherclan auszuheben. Bei den Mitgliedern handelte es sich um einen durch Verwandtschaft oder Heirat verbundenen Clan, der europaweit Mädchen und junge Frauen auf Einbruchstour schickte. Die Beteiligten bestritten teilweise ihren Lebensunterhalt durch Einbrüche und Diebstähle. Die Ermittler deckten eine klare Hierarchie auf. Die Drahtzieher organisieren und koordinieren aus dem Ausland. Wohnungsgeber leben in Deutschland wie auch Helfer, etwa bei der Logistik durch die Bereitstellung von Fahrzeugen. Für Wohnungseinbrüche wurden bei der Polizei Berlin mittlerweile ein zentraler Ansprechpartner sowie eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Es sind jedoch nicht nur die reisenden Banden südosteuropäischer Herkunft, die für die meisten Einbrüche verantwortlich gemacht werden. Laut Statistik ist rund die Hälfte der überführten Einbrecher deutscher Herkunft. Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 zählt insgesamt 362 Tatverdächtige mit nichtdeutscher Herkunft. Demgegenüber stehen 332 erfasste Tatverdächtige mit deutscher Herkunft. Ein erheblicher Anteil wird auch auf die Beschaffungskriminalität durch Drogenabhängige und sozial abgehängte Jugendliche zurückgeführt. Für Süchtige sind Taschendiebstähle und Einbrüche ein Mittel, um an Geld für Drogen zu gelangen. In Einzelfällen begehen Rauschgiftabhängige auch Raubüberfälle, um an Geld für neuen Stoff zu gelangen.

Taschendiebstähle nehmen weiter zu

Professionelle Banden sind auch für Diebstähle von Autos, Fahrrädern und sogar Kinderwagen verantwortlich. Selbst Taschendiebstähle gehen zunehmend auf das Konto von organisierten Banden aus Ost- und Südosteuropa. Im Jahr 2016 ergab sich in der Polizeilichen Kriminalstatistik mit 1.758 ermittelten Tatverdächtigen in Berlin der höchste Wert der letzten 10 Jahre. Wurde im Jahr 2016 bei Taschendiebstählen ein Verdächtiger durch die Polizei Berlin ermittelt, kam er in neun von zehn Fällen aus dem Ausland, so berichtete der Spiegel. 39,6 Prozent aller ermittelten Tatverdächtigen hatten die rumänische Staatsangehörigkeit. Bulgarien, Bosnien und die Maghreb-Staaten gehören ebenfalls zu den häufigsten Herkunftsländern. In Berlin finden viele Großveranstaltungen statt, wodurch sich den Dieben viele Tatgelegenheiten bieten. Ein Großteil der Täter geht äußerst professionell vor und wendet geschickte Methoden an, um die potenziellen Opfer abzulenken. So wird in einigen Fällen beispielsweise ein Stadtplan zum Abdecken des Tatvorgangs verwendet. Das sogenannte „Antanzen“ ist ebenfalls eine häufig angewendete Taktik, bei der die körperliche Nähe, etwa durch eine Umarmung, zur Ablenkung des Opfers dient. Die Berliner Polizei hat im vergangenen Jahr vor allem Täter aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum registriert, die mit dieser Vorgehensweise in Erscheinung getreten sind. Bestes Mittel gegen solche Methoden: Taschen und Wertsachen niemals offen tragen. Die Polizei gibt Bürgerinnen und Bürgern mit der Kampagne „Augen auf und Tasche zu“ nützliche Ratschläge. Die Kampagne „Riegel vor! Sicher ist sicherer“ informiert darüber, welche Maßnahmen vor Einbruchsdelikten schützen.

AL (29.09.2017)

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