Rechtsextremismus bleibt die größte Bedrohung für die freiheitliche demokratische Grundordnung. Gleichzeitig nehmen linksextremistische Gewalt, islamistische Radikalisierung und hybride Angriffe aus dem Ausland zu. Der Verfassungsschutzbericht 2025, der am 30. Juni 2026 veröffentlicht wurde, zeichnet das Bild einer Sicherheitslage, die herausfordernder ist als je zuvor.
In diesem Text erfahren Sie:
- wie sich die extremistischen Szenen im letzten Jahr entwickelt haben
- welche Länder Deutschland mit Spionage und Sabotage bedrohen
- welche Bedeutung das Internet für den Extremismus hat
Laut der Sicherheitsbehörden gewinnen extremistische Bestrebungen in nahezu allen Bereichen an Dynamik. Hinzu kommen Sabotageakte, Spionage und Desinformationskampagnen aus dem Ausland.
Die Zahlen unterstreichen den Ernst der Lage. Bundesweit registrierten die Sicherheitsbehörden 58.851 Straftaten mit extremistischem Hintergrund, nach 57.701 im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg um zwei Prozent. Besonders deutlich erhöhte sich die Zahl der darin enthaltenen Gewalttaten: Sie stieg um 10,7 Prozent von 2.976 auf 3.294 Delikte. Damit setzt sich der Trend fort, dass Extremisten nicht nur präsenter, sondern auch gewaltbereiter auftreten.
Rechtsextremismus bleibt das größte Sicherheitsproblem
Der Rechtsextremismus bleibt nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz die größte Gefahr. Die Szene wächst weiter und verändert gleichzeitig ihr Erscheinungsbild. Klassische neonazistische Organisationen verlieren zwar an Bedeutung, dafür gewinnen lose Netzwerke, digitale Gemeinschaften und junge, häufig gewaltorientierte Gruppierungen an Einfluss.
Besonders auffällig ist die Verjüngung der Szene. Radikalisierung findet heute vielfach über soziale Netzwerke statt. Plattformen wie TikTok, Instagram oder Telegram dienen nicht mehr nur der Propaganda, sondern zunehmend auch der Rekrutierung und Vernetzung. Auch die Gewaltbereitschaft nimmt weiter zu. Die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten stieg 2025 um 8,9 Prozent von 1.281 auf 1.395 Delikte und erreichte damit erneut ein sehr hohes Niveau. Körperverletzungen bilden weiterhin den Schwerpunkt. Häufig haben sie einen fremdenfeindlichen oder antisemitischen Hintergrund. Die Zahl der polizeilich registrierten Rechtsextremen wuchs deutlich von 50.250 auf 58.700 Personen. Davon gelten rund 15.600 als gewaltorientiert.
Linksextremismus: Mehr Gewalt und gezielte Sabotage
Auch im Linksextremismus beobachtet der Verfassungsschutz eine besorgniserregende Entwicklung. Vor allem gewaltorientierte Gruppen treten offensiver auf und richten ihre Aktionen zunehmend gegen Infrastruktur, Unternehmen und staatliche Einrichtungen. Der Bericht nennt Brandanschläge, Sachbeschädigungen und koordinierte Störaktionen als Ausdruck einer Strategie, gesellschaftliche und wirtschaftliche Abläufe gezielt zu beeinträchtigen. Die Zahl der Straftaten mit linksextremistischem Hintergrund stieg 2025 um 38,9 Prozent von 5.857 auf 8.133 Delikte. Besonders stark nahmen die Gewalttaten zu: Ihre Zahl erhöhte sich um 60,9 Prozent von 532 auf 856 Fälle. Die Zahl polizeilich auffällig gewordener Linksextremer wuchs zugleich von 38.000 auf 42.200 Personen. Davon gelten etwa 11.600 als gewaltorientiert. Der Verfassungsschutz beobachtet dabei, dass linksextremistische Akteure versuchen, demokratische Protestbewegungen für ihre Ziele zu instrumentalisieren und Gewalttaten als legitimes Mittel des politischen Widerstands darzustellen.
Islamismus: Die größte Gefahr entsteht im Internet
Unverändert hoch schätzt der Verfassungsschutz auch die Bedrohung durch den Islamismus ein. Die Zahl der Islamisten wird bundesweit auf 28.645 Personen geschätzt, nach 28.280 im Vorjahr. Davon gelten rund 9.110 als gewaltorientiert; 2024 waren es noch 9.540. Innerhalb dieser Szene stellen salafistische Gruppierungen weiterhin die größte Strömung dar.
Besonders besorgt zeigen sich die Sicherheitsbehörden über die Radikalisierung junger Menschen. Plattformen wie TikTok, Instagram oder verschlüsselte Messenger-Dienste ermöglichen es extremistischen Predigern und Propagandisten, Jugendliche direkt anzusprechen. Der Zugang zu extremistischer Ideologie sei heute einfacher als jemals zuvor, heißt es im Bericht. Dadurch verkürzten sich Radikalisierungsprozesse erheblich.
Auslandsbezogener Extremismus: Internationale Konflikte wirken bis nach Deutschland
Auch extremistische Organisationen mit Auslandsbezug beschäftigen die Sicherheitsbehörden zunehmend. Dazu zählen unter anderem die PKK, die türkischen „Grauen Wölfe“, Hamas-nahe Gruppen oder andere extremistische Vereinigungen, deren Konflikte ihren Ursprung außerhalb Deutschlands haben.
Der Nahostkrieg wirkt sich dabei weiterhin unmittelbar auf die Sicherheitslage aus. Demonstrationen dienen nach Einschätzung des Verfassungsschutzes teilweise als Plattform für antisemitische Hetze oder extremistische Mobilisierung. Gleichzeitig versuchen unterschiedliche Gruppierungen, den Konflikt für ihre Propaganda und Rekrutierung zu nutzen.
Reichsbürger: Die Szene bleibt gefährlich
Das Spektrum der „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ bleibt zahlenmäßig auf einem hohen Niveau. Der Verfassungsschutz rechnet der Szene wie im Vorjahr rund 26.000 Personen zu. Etwa 2.600 von ihnen gelten als gewaltorientiert. Rund 1.400 Szeneangehörige werden zugleich dem rechtsextremistischen Spektrum zugerechnet. Das ideologische Fundament – die Ablehnung der Bundesrepublik und ihrer Institutionen – bleibt unverändert bestehen.
Antisemitismus bleibt ein Querschnittsphänomen
Ein besonderes Augenmerk richtet der Bericht erneut auf den Antisemitismus. Er tritt längst nicht mehr ausschließlich im Rechtsextremismus auf, sondern findet sich ebenso in islamistischen Milieus, bei auslandsbezogenen extremistischen Gruppierungen und teilweise auch im Linksextremismus. Der Verfassungsschutz spricht deshalb von einem phänomenübergreifenden Problem, das sich seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 nochmals verschärft habe. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte bei der Vorstellung des Berichts, dass der Schutz jüdischen Lebens eine zentrale Aufgabe der Sicherheitsbehörden bleibe.
Spionage und Sabotage: Deutschland im Visier ausländischer Nachrichtendienste
Ein Schwerpunkt des Verfassungsschutzberichts 2025 liegt auf einer Bedrohung, die für viele Bürger weit weniger sichtbar ist als Extremismus oder Terrorismus: der zunehmenden Spionage und Sabotage durch ausländische Staaten. Nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz hat sich die Gefährdungslage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine grundlegend verändert. Deutschland ist aufgrund seiner politischen Rolle, seiner wirtschaftlichen Stärke und seiner Unterstützung der Ukraine verstärkt Ziel staatlicher Einflussoperationen geworden.
Der Bericht nennt insbesondere Russland, China und den Iran als die aktivsten Akteure. Während Russland verstärkt auf Sabotage, Desinformation und Cyberangriffe setze, konzentriere sich China vor allem auf Wirtschafts- und Technologiespionage. Der Iran wiederum richte seine Aktivitäten vor allem gegen oppositionelle Exilgruppen sowie jüdische und israelische Einrichtungen in Deutschland.
Radikalisierung beginnt immer häufiger online
Wie ein roter Faden zieht sich durch den gesamten Bericht ein weiteres Phänomen: Nahezu alle extremistischen Szenen nutzen heute soziale Medien als wichtigstes Rekrutierungsinstrument. Ob Rechtsextremisten, Islamisten oder linksextremistische Gruppen – TikTok, Instagram, Telegram oder verschlüsselte Messenger-Dienste ermöglichen eine schnelle Verbreitung extremistischer Inhalte und verkürzen Radikalisierungsprozesse erheblich. Gerade junge Menschen geraten dadurch leichter in ideologische Filterblasen. Extremisten nutzten gesellschaftliche Krisen gezielt aus und passten ihre Propaganda professionell den Kommunikationsgewohnheiten junger Menschen an. Die Präventionsarbeit müsse deshalb deutlich früher einsetzen als bisher. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt fasste die Lage bei der Vorstellung des Berichts zusammen: „Wir bekämpfen jede Form des Extremismus konsequent.“ Gleichzeitig kündigte er an, er wolle die Sicherheitsbehörden angesichts der veränderten Bedrohungslage mit weitergehenden Befugnissen ausstatten.
TE (31.07.2026)

