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< Polizei-Projekt „Kurve kriegen“

Die Situation der Kinder wahrnehmen und handeln

Ein elfjähriges Mädchen ruft mitten in der Nacht bei der Polizei an. Es berichtet: Die Eltern streiten sich in der Küche und der Vater hat ein Messer in der Hand. Die Polizei soll kommen, denn sie bangt um das Leben ihrer Mutter und hat große Angst davor, dass der Vater sich sie als nächstes Opfer vornimmt. Auch wenn sie nicht selbst geschlagen werden, sind Kinder oft Zeugen häuslicher Gewalt. Bei der Bewältigung dieser familiären Konflikte wird zu selten bedacht, welche Folgen die Erlebnisse für die Kinder haben können.

Trauma durch das Miterleben häuslicher Gewalt 

Ob verbaler Konflikt oder Tätlichkeiten: Die Kinder leiden mit 

© Tatyana Gladskih, fotolia 

 

Ein elfjähriges Mädchen ruft mitten in der Nacht bei der Polizei an. Es berichtet: Die Eltern streiten sich in der Küche und der Vater hat ein Messer in der Hand. Die Polizei soll kommen, denn sie bangt um das Leben ihrer Mutter und hat große Angst davor, dass der Vater sich sie als nächstes Opfer vornimmt. Auch wenn sie nicht selbst geschlagen werden, sind Kinder oft Zeugen häuslicher Gewalt. Bei der Bewältigung dieser familiären Konflikte wird zu selten bedacht, welche Folgen die Erlebnisse für die Kinder haben können. 

 

In Familien, in denen Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten zum Alltag gehört, werden Kinder und Jugendliche in verschiedener Weise in Mitleidenschaft gezogen: Manchmal sind sie schon durch eine Vergewaltigung gezeugt worden oder es gab bereits während der Schwangerschaft Misshandlungen. In jedem Fall wachsen die Kinder in einer Atmosphäre der Gewalt und Demütigung auf und oftmals werden sie selbst Opfer von Handgreiflichkeiten oder anderen Formen der Kindeswohlgefährdung. Dr. Claudia Bundschuh hat viele Jahre im Kinderschutz gearbeitet und ist heute als Professorin für die Pädagogik des Kinder- und Jugendalters im Fachbereich Sozialwesen an der Fachhochschule Niederrhein in Mönchengladbach tätig. Sie kennt solche Familien: „In der Vergangenheit war es mitunter so, dass sich die Polizei oder auch die Nachbarn, die etwas mitbekommen haben, nur um die Erwachsenen gekümmert haben, um die Situation zu entschärfen. Wie sich die anwesenden Kinder dabei fühlten, wurde außen vor gelassen. Man dachte: „Das hat ja mit denen nichts zu tun. Die sind ja nicht geschlagen worden.“ Hier muss sich das Bewusstsein ändern. Denn ob es die Nachbarn oder die Polizisten sind, die eingreifen: Alle Erwachsenen sollten dafür sorgen, dass die Kinder bestmöglich vor weiterem Miterleben häuslicher Gewalt geschützt werden. Und sie benötigen auch Beratung, Begleitung und eventuell auch therapeutische Hilfe, um das, was sie erlebt haben, verarbeiten zu können. 

Hohe Dunkelziffer 

Man kann nicht genau sagen, wie viele Kinder und Jugendliche Zeugen häuslicher Gewalt werden. Aber es gibt Zahlen, die vorsichtige Schätzungen ermöglichen. So lassen z. B. Angaben von ausgewählten Frauenhäusern darauf schließen, dass jährlich 50.000 bis 70.000 Kinder aufgrund von häuslicher Gewalt mit ihren Müttern eine Aufnahme in Schutzeinrichtungen suchen. Bei einer Befragung von Schülern im Jahr 2005 durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen gaben 10,1 Prozent der Kinder an, dass sie schon einmal Zeugen häuslicher Gewalt geworden seien. Claudia Bundschuh: „Generell kann man sagen: Es kommt wesentlich häufiger vor, als wir denken.“ 

 

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