Die Zahl der Glücksspielsüchtigen in Deutschland steigt seit Jahren an
Die Zahl der Glücksspielsüchtigen in Deutschland steigt seit Jahren an

Lotto, Wetten, Automaten und Roulette: Pathologisches Spielen

Die Sucht nach Glück

Der Fachbegriff für Glücksspielsucht: pathologisches (krankhaftes) Glücksspielverhalten. Die Zahl der Menschen, die an dieser Suchtform leiden, steigt in Deutschland seit Jahren an. Glücksspielsüchtige sind größtenteils männlich und haben häufig weitere psychische Störungen.

Meist sind Männer betroffen

Aktuelle Studien wie der Glücksspiel-Survey 2025, der von dem Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) und der Universität Bremen erstellt wurde, gehen davon aus, dass in Deutschland rund 1,2 Millionen Menschen von einer glücksspielassoziierten Störung betroffen sind. Weitere Millionen Menschen zeigen Anzeichen problematischen Glücksspielverhaltens. Männer sind mit 3,2 Prozent fast dreimal häufiger betroffen als Frauen mit 1,1 Prozent. Besonders gefährdet gelten junge Erwachsene bis 25 Jahre, Personen mit niedrigem Einkommen sowie Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung.

Diagnose Glücksspielsucht

„Pathologisches Glücksspielen“ lautet der offizielle Fachbegriff laut Weltgesundheitsorganisation. Die WHO versteht darunter häufiges und wiederholtes Glücksspiel, das die Lebensführung des betroffenen Patienten beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führt. „Der Übergang vom normalen zum problematischen beziehungsweise pathologischen Glücksspielverhalten ist fließend“, sagt Ilona Füchtenschnieder, Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW.

Es gibt Personengruppen, die besonders gefährdet sind, süchtig nach Glücksspielen zu werden. Zum Beispiel Jugendliche, deren Familie regelmäßig am Glücksspiel teilnimmt. Auch junge Männer mit und ohne Migrationshintergrund sind anfälliger als Frauen.

Einstieg – Sucht – Kriminalität

Der Einstieg in die Sucht ist bei vielen Betroffenen ähnlich: „Viele Glücksspieler, die in Beratung oder in die Therapie kommen, berichten, dass sie am Anfang einen größeren Gewinn hatten“, berichtet Ilona Füchtenschnieder. Wer gewinnt, möchte diese Erfahrung wiederholen. „Viele hatten den ersten Kontakt zum Glücksspiel auch eher zufällig in einer Gaststätte oder mit Freunden, häufig auch mit den Eltern.“ Doch auf Dauer kennen Glücksspielautomaten und Spielcasinos nur einen Gewinner: den Betreiber des Lokals oder der Automaten.

Folgen der Glücksspielspielsucht sind zerstörte Ehen, hohe Verschuldung, Verlust des Arbeitsplatzes und Straftaten zur Deckung des Geldbedarfs. „Glücksspielsüchtige sind im Vergleich zu anderen Suchtkranken die am höchsten verschuldete Gruppe“, so Ilona Füchtenschnieder.

Ilona Füchtenschnieder, Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW

Ilona Füchtenschnieder, Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW

Uni Münster

Alarmierender Anstieg

Glücksspiel ist in Deutschland generell verboten. Das besagen die Paragraphen 284 bis 297 des Strafgesetzbuchs. Legal ist es dann, wenn es mit staatlicher Konzession nach dem Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) angeboten wird. Wer ohne behördliche Erlaubnis öffentlich ein Glücksspiel veranstaltet oder die Einrichtungen hierzu bereitstellt, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft.

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) registrierte die Polizei im Jahr 2025 bundesweit 5.979 Fälle unerlaubten Glücksspiels. Diese Zahl liegt deutlich über dem Niveau der Vorjahre. Zum Vergleich: 2022 wurden lediglich 1.861 Fälle registriert, 2020 waren es sogar nur 762 Fälle.

Der langfristige Vergleich zeigt die Dynamik besonders deutlich: Gegenüber 2016 mit 555 Fällen beziehungsweise 2017 mit 504 Fällen hat sich die Zahl der registrierten Delikte innerhalb weniger Jahre mehr als verzehnfacht. Hintergrund dürfte insbesondere die starke Verlagerung illegaler Glücksspielangebote ins Internet sein. Dort können Anbieter oft anonym agieren und erreichen mit Online-Casinos, Sportwettenplattformen oder manipulierten Glücksspielangeboten eine große Zahl potenzieller Nutzer.

Die Aufklärungsquote bleibt weiterhin außergewöhnlich hoch. Laut PKS konnten auch 2025 mehr als 97 Prozent der registrierten Fälle aufgeklärt werden. Allerdings bildet die Statistik nur das sogenannte Hellfeld ab – also Straftaten, die der Polizei bekannt werden. Experten gehen deshalb davon aus, dass die Dunkelziffer beim illegalen Glücksspiel weiterhin erheblich ist.

Online-Angebote bieten besonders hohes Suchtpotenzial

Auch das Internetglücksspiel ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Daher wird der Markt vor allem von nicht-regulierten Anbietern („grauer Markt“) bedient, also von solchen, die eine Glücksspielkonzession in einem anderen EU-Land besitzen, beziehungsweise vom illegalen „schwarzen“ Markt. Was viele Anwenderinnen und Anwender nicht wissen: Auch wenn man die Angebote nutzt, macht man sich strafbar. Denn selbst die Teilnahme an Spielen ausländischer Anbieter ist verboten.

Aus suchtpräventiver Sicht sind Online-Angebote besonders gefährlich, da es kaum Möglichkeiten gibt, sich diesen zu entziehen. Surft man im Internet, muss man nicht einmal mehr die entsprechenden Seiten aufrufen, um nach vorheriger Nutzung erneut mit Glücksspielen konfrontiert zu werden: „Plug-In-Werbung“ sorgt dafür, dass früher genutzte Angebote als Werbung angezeigt werden. Zudem ist eine Kontrolle kaum möglich: Für Minderjährige und gesperrte Spielerinnen und Spieler ist es im Internet deutlich leichter, an Glücksspielen teilzunehmen.

Wege aus der Spielsucht

Der erste Schritt ist, sich einzugestehen, dass es so nicht weitergehen kann. Der zweite Schritt wäre, sich jemandem anzuvertrauen. Das kann ein Freund sein, ein Familienmitglied oder ein Suchtberater. Wer es anonym möchte, kann sich an die kostenlose Infoline Glücksspielsucht NRW wenden (Tel. 0800/0776611). Es gibt in fast allen Bundesländern Beratungsstellen, die sich auf die Behandlung der Glücksspielsucht spezialisiert haben.

Kurzer Selbsttest

Wer mehr als zwei Aussagen mit Ja beantwortet, sollte sich Hilfe holen:

  • Ich denke oft ans Spielen, verspüre einen inneren Spieldrang.
  • Ich kann erst aufhören, wenn ich kein Geld mehr habe.
  • Verlieren ist eine Niederlage, die ich wettmachen möchte.
  • Zur Geldbeschaffung habe ich schon gelogen und betrogen.

KF/TE (Stand: 29.05.2026)

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