Der Dreipunktgurt gilt als eine der wichtigsten Erfindungen rund ums Auto
Der Dreipunktgurt gilt als eine der wichtigsten Erfindungen rund ums Auto

Lebensretter Nummer Eins

Der Sicherheitsgurt ist unverzichtbar

Am 1. Januar 1974 wurde in Deutschland die Gurtpflicht eingeführt. Seit mehr als 50 Jahren müssen Autofahrer bei jeder Fahrt den Sicherheitsgurt anlegen – sonst drohen Verwarngelder von aktuell 30 Euro für jede nicht angeschnallte Person. Was der Dreipunktgurt für die Verkehrssicherheit auf deutschen Straßen geleistet hat und bei welchen Verkehrsteilnehmern es in puncto Gurt anlegen noch Nachholbedarf gibt, erklärt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).
 

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Fast alle legen den Gurt ab

„Experten sind sich einig: Der Sicherheitsgurt gehört zu den zehn wichtigsten Erfindungen rund um das Auto. Er ist immer noch Lebensretter Nummer Eins – noch vor dem Airbag – und das Wichtigste, was man im Auto überhaupt haben kann“, betont Jürgen Bente. Wie wichtig der Gurt ist, scheint den meisten Menschen bewusst zu sein. Die Anschnallquote lag 2023 bei mehr als 98 Prozent. Der Gurt ist bis heute der wichtigste Bestandteil der passiven Sicherheit, die Gurtpflicht ist in den Köpfen angekommen und mittlerweile offenbar fest verankert.  Dennoch kommen immer noch Menschen ums Leben, weil sie während eines Unfalls nicht angeschnallt waren. So ergab eine Abfrage des DVR bei den Bundesländern, dass rund 20 Prozent der Getöteten im Auto nicht angeschnallt waren.

Tödliche Verletzungen ab Tempo 30

Neben dem Sitzplatz im Auto spiele aber auch die Verkehrsnutzung und die Fahrzeugart beim Thema Anschnallen eine große Rolle, weiß Jürgen Bente: „Auf den Rücksitzen wird sich weniger angeschnallt als vorne, auf Autobahnen und außerorts mehr als im innerstädtischen Verkehr. Und während die Gurtanlegequote beim Pkw schon ganz zufriedenstellend ist, gibt es bei Transporter und Lkw noch einiges an Nachholbedarf – die Anlegequote bei Lkw-Fahrern liegt gerade einmal bei gut 60 Prozent“, so der Experte.

Die Gründe für das Nicht-Anschnallen sind vielfältig. Viele Menschen sind der Meinung, dass sie sich im innerstädtischen Verkehr bei einem Unfall noch festhalten können. „Das ist ein absoluter Irrglaube. Tests zeigen, dass man bei einem Frontalaufprall bereits ab einem Tempo von nur 10km/h nicht mehr in der Lage ist, sich festzuhalten. Bei solch einem Unfall werden einfach Kräfte frei, die von vielen komplett unterschätzt werden. Denn schon bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h können tödliche Verletzungen drohen, wenn man nicht angeschnallt ist“, warnt Jürgen Bente.

Fehlende Gurt-Akzeptanz bei Lkw-Fahrern

Besonders unter den Fahrern von schweren Lkw gibt es viele „Gurtmuffel“. Hier sei der Grund, sich nicht anzuschnallen, jedoch häufig ein anderer: „Wer sich im Lkw anschnallt, wird von den anderen Fahrern häufig nicht als Profi akzeptiert, sondern gilt als Anfänger“, weiß der DVR-Experte. „Das interessante ist: Die gleichen Leute, die sich im Lkw nicht anschnallen, legen im Pkw sehr wohl den Gurt an. Das hat eine Untersuchung des DVR im Rahmen der seit elf Jahren laufenden Gurt-Kampagne „Hat’s geklickt?“ ergeben.“ Bei den Lkw-Fahrern gebe es in Hinblick auf den Gurt noch viel Verbesserungsbedarf. Im Jahr 2002 lag Gurtquote bei erschreckenden 15 Prozent – obwohl seit 1992 Sicherheitsgurte in Lkw und Transportern verpflichtend sind. Inzwischen ist die Quote gestiegen. Doch noch immer fährt jede sechste Fahrerin und jeder sechste Fahrer ohne Gurt.

Kinder richtig anschnallen

Und wie halten es Eltern mit dem Anschnallen bei ihrem Nachwuchs? Prinzipiell legen Eltern schon Wert darauf, ihre Kinder im Auto anzuschnallen. Probleme gibt es aber oft bei der Frage, welches Rückhaltesystem für das Kind auch wirklich geeignet ist. „Man muss den Kindersitz genau auf die Größe und das Gewicht des Kindes anpassen. Es kommt vor, dass Kinder noch in einem gängigen Kindersitz sitzen, obwohl sie schon viel zu groß für diesen sind und eigentlich nur noch eine Sitzerhöhung bräuchten“, so Bente. Der richtige Sitz sei aber wichtig, um die Sicherheit des Kindes zu gewährleisten.

Gurtkraftbegrenzer werden weiterentwickelt

Am Grundkonzept des Sicherheitsgurts hat sich seit 1974 nicht mehr viel verändert – das System gilt als ausgereift. Auch sämtliche andere Sicherheitstechnik, die in Fahrzeugen eingesetzt wird, ist darauf ausgelegt, dass die Insassen angeschnallt sind: Auch diese Technik kann nur einwandfrei funktionieren und Menschen schützen, wenn der Gurt angelegt ist. „Was danach noch weiterentwickelt wurde, sind so genannte Gurtkraftbegrenzer, das heißt Systeme, welche die Rückhaltekraft des Gurtes auf den Insassen begrenzen, damit es nicht zu Verletzungen kommt, wenn der Gurt bei einem Aufprall schlagartig angezogen wird. Ziel ist es, den Menschen zwar ausreichend zu schützen, ihn dabei aber möglichst nicht zu verletzen“, erklärt Jürgen Bente.

SW/WL (27.06.2025)

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