Vernachlässigte Kinder sind besonders gefährdet
Vernachlässigte Kinder sind besonders gefährdet

Missbrauchte Kinder leiden ein leben lang

Pädosexualität: Die Folgen des Missbrauchs

Pädophilie ist eine sexuelle Präferenz, bei der sich die betroffene Person von Kindern mit einem vorpubertären Körper angesprochen fühlt. Der Begriff beschreibt nur die Neigung als solche, nicht die tatsächlich ausgelebte Sexualität. Ein pädophiler Mensch muss somit nicht zum Täter werden. Kommt es jedoch zu sexuellen Handlungen an Kindern, ist von Pädosexualität die Rede. Die betroffenen Kinder leiden häufig ihr ganzes Leben unter dem Missbrauch.

Scham und Schuldgefühle

Im Fokus der Pädosexuellen sind in der Regel Kinder, die zu Hause emotional und materiell vernachlässigt werden. Das hat nicht unbedingt etwas mit dem sozialen Status der Familie zu tun. Eltern, die ihren Kindern nicht genug Aufmerksamkeit schenken, machen es Pädosexuellen einfach. Denn die Kinder sind dankbar für das ungewohnte Interesse. Auch Kinder mit geringem Selbstbewusstsein werden häufiger zum Opfer, denn sie lassen sich leichter beeinflussen. Die Kinder geraten in eine fatale Situation: Einerseits sehen sie in ihrem neuen „Freund“ jemanden, der sich viel mit ihnen beschäftigt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch den Missbrauch. Manfred Karremann, Sozialpädagoge und Buchautor beschreibt das ambivalente Verhältnis so: „Kinder können in dieser Situation nicht einordnen, ob der Pädosexuelle nun ein Freund ist oder nicht. Denn sie sehen immer auch das „Gute“, das die Person für sie getan hat. Dadurch fällt es ihnen unter anderem schwer, den Missbrauch als solchen klar zu erkennen.“ Außerdem empfinden die Kinder eine große Scham und leiden unter Schuldgefühlen. Ihnen wird eingeredet, sie hätten dies auch gewollt beziehungsweise hätten freiwillig mitgemacht. Die Täter setzen die Kinder unter Druck, indem sie ihnen einbläuen, dass sie ins Heim müssten oder ihre Mutter ins Gefängnis käme, wenn sie jemandem davon erzählen würden.

Zwischen Aggression und Rückzug

„Kinder werden durch den seelischen und körperlichen Missbrauch in ihrer sexuellen Entwicklung gestört und verlieren häufig jegliches Vertrauen zu Erwachsenen“, weiß Karremann. Sie wachsen in dem Glauben auf, dass sie nur liebenswert sind, wenn sie als Gegenleistung sexuelle Gefälligkeiten verrichten. Jungen werden häufig aggressiv. Mädchen ziehen sich hingegen eher zurück. Durch das permanente Lügen und Schweigen werden die Kinder isoliert. Sie verlernen, eine gesunde Beziehung zu Gleichaltrigen aufzubauen. Auch die Leistungen in der Schule werden schlecht. „Ein häufige Folge von sexuellem Missbrauch ist außerdem eine sexualisierte Sprache, die für das Alter der Kinder völlig unangemessen ist“, so der Sozialpädagoge. „Zusätzlich zeigt sich durch den Missbrauch häufig eine Distanzlosigkeit gegenüber Erwachsenen.“ Der Missbrauch endet meist, wenn die Kinder in die Pubertät kommen, ihr Körper also erwachsene Formen annimmt. Ab dann sind sie für Pädosexuelle uninteressant.

Die Belastung bleibt – auch nach Ende des Missbrauchs

Jeder Missbrauch, ob nun physisch oder psychisch erzwungen, hinterlässt tiefe Spuren bei den Opfern. Wie schwer die Folgen jedoch im Einzelfall sind, hängt nicht zuletzt von der Dauer und der Art des Missbrauchs ab. Aber allein das missbrauchte kindliche Vertrauen durch einen Erwachsenen wirkt sich zerstörerisch auf die Persönlichkeit aus und kann das Opfer ein Leben lang belasten. Werden die traumatischen Erlebnisse nicht verarbeitet, sind die Folgen des Missbrauchs für die Opfer oft ein Leben lang spürbar: Depressionen, Essstörungen, Selbstverletzungen (bei Mädchen) sowie Aggressivität oder Gewalt gegen andere (bei Jungen), ein schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein, Misstrauen gegenüber engeren Beziehungen bis hin zur völligen Bindungsunfähigkeit oder Flashbacks, in denen das Opfer auch Jahre nachdem der Missbrauch geendet hat, das Erlebte immer wieder durchmacht. Kinder, die zusätzlich zum eigentlichen Missbrauch auch noch gefilmt oder fotografiert werden, haben besonders schwer unter den Folgen zu leiden. Es sei für sie unerträglich zu wissen, dass die Bilder auch nach vielen Jahren immer noch im Internet verkauft oder getauscht würden, erzählt ein ehemaliges Opfer. Dadurch würden sie immer wieder und auf Dauer zum Opfer, zu einem Objekt gemacht.

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