Schulische Gewaltprävention muss schon in den unteren Klassen beginnen
Schulische Gewaltprävention muss schon in den unteren Klassen beginnen

Der „Anti-Bullying“-Ansatz gegen Mobbing in Schulen

Gewalt verhindern und Konflikte lösen

Schon früh werden Kinder und Jugendliche mit Konfliktsituationen konfrontiert – sowohl zuhause, als auch im Sportverein oder in der Schule. Nicht selten kommt es in Klassenzimmern und auf dem Pausenhof auch zu Handgreiflichkeiten oder Mobbing. Daher ist es wichtig, dass es an Schulen eine gute Präventionsarbeit zur Vermeidung von Gewalt gibt. Die Brandenburger Polizei unterstützt die etwa 900 Schulen des Landes regelmäßig bei der Durchführung von Präventionsveranstaltungen zum Thema „Gewalt“. Alleine in der Landeshauptstadt Potsdam sind es etwa 30 Grundschulen und 15 weiterführende Schulen. Das Ziel ist es, mit den Präventionsangeboten der Entwicklung einer Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken.

Altersgerechte Prävention

Um welche Formen von Gewalt es sich in den Präventionsveranstaltungen dreht, ist immer vom Alter der Kinder abhängig – aber auch von möglichen Problemen, die es innerhalb des Klassenverbandes gibt. „Es macht wenig Sinn, in der dritten oder vierten Klasse schon über so etwas wie Cybermobbing zu sprechen. Das wird dann eher an weiterführenden Schulen thematisiert“, erklärt Polizeioberrat Peter Urban, der bei der Brandenburger Polizei den Sachbereich Prävention leitet. Auch der Umfang der Präventionsveranstaltungen ist von der Klassenstufe abhängig. So werden die Themen Gewalt und Konfliktlösung in der Grundschule vielfach in den Sachunterricht integriert. An weiterführenden Schulen werden hingegen auch ganze Projektwochen veranstaltet. Die Organisation übernimmt immer die Schule. Die Polizei kommt am Veranstaltungstag selbst unterstützend hinzu. „Es wäre nicht hilfreich, wenn wir in die Schulen gehen und mit erhobenem Zeigefinger erklären wollten, wie die Welt funktioniert. Wir wollen in Sachen Präventionsarbeit ein Partner für die Schulen sein“, so Urban.

In den Grundschulen ist die Gewaltprävention häufig in den Sachunterricht eingebunden

© Katrin Böhme, Pressestelle MIK BB

Schon von klein auf

Seit einigen Jahren unterstützt die Polizei das Land Brandenburg bei der Umsetzung des Konzepts „MIT-EIN-ANDER in Kita und Schule“ (MEA). Hierbei geht es darum, eine ganzheitliche Gewaltprävention zu etablieren, die schon vor Beginn der Schulzeit ansetzt. Während sich das Programm „Effekt“ für Kitas eignet und vor allem die Förderung des kindlichen Sozialverhaltens zum Ziel hat, dreht sich beim „Anti-Bullying“-Programm für Schulen alles um die Vermeidung von Mobbing – also körperlicher und psychischer Gewalt, der das Opfer meist wiederholt und über eine längere Zeit ausgesetzt ist. Dazu gehört vor allem, den Schülerinnen und Schülern feste Normen und Regeln zu setzen, die ganz klar definieren, welche Verhaltensweisen in der Schule akzeptiert sind und welche nicht. Auch muss klar sein, dass bei einer Regelverletzung bestimmte Konsequenzen folgen. Ein weiteres Ziel ist, dass Opfer von Bullying immer die Möglichkeit haben, sich bei einer Vertrauensperson der Schule Hilfe zu suchen. Durch diese Maßnahmen soll langfristig ein gutes Klassenklima geschaffen werden, das von Wärme, Anteilnahme und gegenseitigem Interesse geprägt ist. Allein im Jahr 2016 hat die Brandenburger Polizei landesweit 37 Veranstaltungen mit etwa 1.200 Kindern und Jugendlichen zum MEA-Konzept durchgeführt. „Wir halten den Ansatz für sehr sinnvoll, denn starke Persönlichkeiten entwickeln sich über Jahre. Es ist ein langer Prozess. Er muss bereits in der Kita anfangen und dann in der Grundschule weitergehen – bis hin in die 13. Klasse“, berichtet der Polizeioberrat von seinen Erfahrungen.

Alternativen zu Gewalt finden

Mit ihrer Präventionsarbeit möchte die Brandenburger Polizei dazu beitragen, Kindern und Jugendlichen zu mehr Lebenskompetenz zu verhelfen und ihnen Alternativen zu Gewalt aufzeigen. „Doch wir möchten die Alternativen nicht nur wie fertige Lösungen präsentieren. Die Schülerinnen und Schüler sollen angeregt werden, selbst Alternativen zu entwickeln“, so Urban. Für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen ist die Gewaltprävention wie ein Puzzlespiel: „Es setzt sich aus ganz verschiedenen Teilaspekten zusammen. Das beginnt schon bei der „Busschule“, den wir mit den Kleinsten durchführen. Hier geht es zwar vorrangig um Verkehrsunfallprävention, aber im weitesten Sinne auch um den Umgang mit Konflikten und so um die Vermeidung von Gewalt. In den Jahren danach kommen viele neue Themen hinzu. Erst am Ende ergibt sich dann ein Gesamtbild.“

Kontakt

Polizeipräsidium Potsdam (Sachbereich Prävention)
Polizeioberrat Peter Urban
Kaiser-Friedrich-Straße 143
14469 Potsdam
polizeiliche.praevention@[email protected]

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