Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben am Arbeitsplatz nichts zu suchen
Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben am Arbeitsplatz nichts zu suchen

Initiative gegen Rassismus und für ein soziales Miteinander

„Mach' meinen Kumpel nicht an!“

Fremdenfeindliche Sprüche und rassistische Parolen werden nicht nur im Netz oder bei rechten Demos verbreitet, sondern erklingen auch immer wieder in Betrieben oder Berufsschulen. Der gewerkschaftliche Verein „Mach' meinen Kumpel nicht an!“ setzt sich daher gegen solche Diskriminierungen sowie für Chancengleichheit und Gleichberechtigung am Arbeitsplatz ein. Unterstützt wird er vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und den Mitgliedsgewerkschaften, zu denen auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) gehört.

Der Name ist Programm

„Mach meinen Kumpel nicht an!“: Die Botschaft, die in roter Schrift auf der gelben Hand des Vereinslogos steht, ist klar und unmissverständlich. Auch die Handhandlung signalisiert: Ein solches Verhalten wird nicht toleriert! Seit rund 30 Jahren setzt sich der gleichnamige Verein „Mach meinen Kumpel nicht an!“ dafür ein, Fälle von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Arbeitsumfeld präventiv zu verhindern und ein solidarisches Miteinander zu fördern. Das Ziel: Alle Kolleginnen und Kollegen sollen gleich behandelt werden – ganz egal, aus welchem Land eine Person stammt oder welche Hautfarbe sie hat. Der Verein setzt dabei ganz vorne an: bei den jungen Berufsschülerinnen und Berufsschülern beziehungsweise Auszubildenden. „Zu unseren Kernkompetenzen gehört die Bildungsarbeit“, erklärt Dr. Klaudia Tietze, die Geschäftsführerin des Vereins. „Wir haben im Laufe der Jahre eine Vielzahl an Unterrichtsmaterialien erstellt. Diese können die Betriebe und Berufsschulen, aber auch die Gewerkschaften einsetzen, um junge Menschen zu informieren und zu sensibilisieren“, erklärt sie. Seit Ende 2018 steht zudem ein umfangreiches Online-Angebot zur Verfügung. „Lehrerinnen und Lehrer sowie Ausbilderinnen und Ausbilder finden hier Material, das sie für Unterrichtseinheiten nutzen können.“

Wettbewerb als Motivation

Ein weiterer zentraler Baustein der präventiven Arbeit des Vereins ist der jährlich ausgeschriebene Wettbewerb „Die Gelbe Hand“. Damit möchte man die Berufsschülerinnen und Berufsschüler, Azubis sowie junge Gewerkschaftsmitglieder motivieren, selbst aktiv zu werden und mittels eines Wettbewerbsbeitrags ein Zeichen für ein tolerantes Arbeits- und Lernumfeld zu setzen. Die besten drei Einsendungen bekommen ein Preisgeld. Zudem werden Sonderpreise vergeben. „Die Form des Wettbewerbs ist ein guter Ansporn für die jungen Leute, sich intensiv mit Themen wie Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit zu befassen“, weiß Tietze. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Jedes Jahr bekommen wir tolle Einsendungen.“ Wie die Beiträge gestaltet sind, ist den Teilnehmenden selbst überlassen. Der Inhalt ist jedoch wichtiger als die handwerkliche Umsetzung. „Eine Einsendung, die eine kluge Botschaft vermittelt und bei der man merkt, dass sich die jungen Erwachsenen intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, hat die besten Chancen“, verrät die Geschäftsführerin.

Dr. Klaudia Tietze

Geschäftsführerin des Vereins „Mach meinen Kumpel nicht an!“, © Mach meinen Kumpel nicht an!

Zusammenarbeit steht im Vordergrund

An dem Wettbewerb nehmen vor allem Berufsschulklassen sowie die Gewerkschaftsjugend teil. Gemeinsam überlegen sie, mit welchem Beitrag sie an den Start gehen. Das ist wichtig, denn es geht darum, sich als Gruppe Gedanken zu machen. Welche Beiträge auf den vorderen Plätzen landen, entscheidet eine Jury. Zu dieser gehören neben Repräsentanten von Gewerkschaftsseite auch Vertreterinnen und Vertreter der Ministerpräsidentin oder des Ministerpräsidenten, welche oder welcher die Schirmherrschaft übernommen hat. Aus den vergangenen Jahren sind Klaudia Tietze insbesondere Videobeiträge in Erinnerung geblieben. „Einige der Filme nutzen wir sogar im Rahmen unserer Bildungsarbeit.“ Sie kann sich auch gut an die Plakate der jungen Gruppe der GdP NRW erinnern, die in den Dienststellen und Fachhochschuldienstorten ausgehängt wurden, um dort Kolleginnen und Kollegen zu sensibilisieren.

Maßgeschneiderte Angebote

Neben den allgemeinen Materialien und der Teilnahme am Wettbewerb bietet der Verein den Betrieben, Berufsschulen und Gewerkschaften auch maßgeschneiderte Workshops und Vorträge an. Hinzu kommen Unterrichtsmodule zu Themen wie Demokratiebildung, Antirassismusarbeit und Konfliktlösung, die der Verein individuell entwickelt „Wir scheuen uns nicht, auch mal länger an einem Konzept zu sitzen. Das ist eine Besonderheit unserer Arbeit. Es ist uns sehr wichtig, die Vermittlungsform an die Rahmenbedingungen anzupassen“, erklärt Klaudia Tietze. „Die Hauptsache ist, dass wir überhaupt präsent sind.“ Bei allen Unterrichtseinheiten, die der Verein konzipiert, geht es darum, dass sich die Klassen oder Gruppen dem Thema gemeinsam widmen. „Es findet kein Frontalunterricht statt“, sagt die Expertin. „Wir binden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv ein und regen eine Diskussion an.“

Logo „Mach meinen Kumpel nicht an!“

© Mach meinen Kumpel nicht an!

Weiterführend engagieren erwünscht

Ein langfristiges Ziel des Vereins ist, dass sich junge Menschen eigenständig in ihrem Betrieb gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit engagieren. „Wer Interesse hat, selbst etwas zu tun, kann auf uns zukommen“, sagt Klaudia Tietze. Das Vereinslogo kann beispielsweise auf betriebs- oder schulinterne Plakate oder Flyer gedruckt werden. Zudem stellt „Mach meinen Kumpel nicht an!“ Anstecker, Aufkleber und Fahnen zur Verfügung, die man für eigenständig geplante Aktionen einsetzen kann. „Wir sind auch auf Infoveranstaltungen präsent oder halten Vorträge“, erklärt die Geschäftsführerin. „Daran merken wir auch, dass das Thema von großem Interesse für die Gewerkschaften, Schulen und Betriebe ist. Die Nachfrage nach unseren Angeboten ist groß. Darüber freuen wir uns natürlich.“ MW (30.11.2018)

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