Wenn falsche Liebe kostspielig wird
Wenn falsche Liebe kostspielig wird

Falsche Liebe im Internet

Romance Scamming – der Liebesbetrug

Das Internet ist auch eine riesige Partnerbörse. Immer mehr Menschen suchen dort das große Glück. Doch auf einmal entpuppt sich der vermeintliche „Schatz“ als Pleitegeier. Romance Scamming (oder auch Love Scamming) wird die Methode genannt, bei der Kriminelle über das Internet betrügerische Liebesbeziehungen aufbauen, um die Opfer finanziell auszuplündern, sobald sie ihr Vertrauen erworben haben.

In diesem Text erfahren Sie:

Eine 66-jährige Frau aus Baden-Württemberg lernte über ein soziales Netzwerk einen Mann kennen, der sich als Musiker ausgab. Sie hatten über mehrere Wochen per Chat einen intensiven Kontakt. Dann bat sie ihr Partner plötzlich um Geld – angeblich wegen einer vorübergehenden finanziellen Notlage. Die Frau überwies mehr als 66.000 Euro, bevor sie den Betrug erkannte und Anzeige erstattete, berichtet „Die Welt“. Die Polizei warnt vor dieser Masche, bei der Menschen emotional manipuliert und dann finanziell ausgenutzt werden.

Vertrauen schaffen über emotionale Nähe

Romance Scamming ist eine besonders perfide Betrugsmaschine, denn die Betrüger kommunizieren direkt mit ihren Opfern über einen längeren Zeitraum. Sie bauen so Vertrauen und emotionale Nähe auf. In Internetportalen oder in Messengern geben sich die Täter als attraktive Singles aus. Dabei nutzen sie Fotos von Models oder echten Personen, die aus dem Internet gestohlen wurden. Die Identität und die ansprechenden Lebensläufe sind oft frei erfunden. Die Opfer werden mit einfühlsamen Nachrichten und Komplimenten umgarnt. Schnell wechseln die Gespräche von harmlosen Chats zu vermeintlich tiefen emotionalen Bindungen. Nach relativ kurzer Zeit erzählen sie von vermeintlichen Notlagen, in denen sie sich gerade befinden würden. Sie bitten dann mehr oder weniger unverblümt um finanzielle Hilfe. Die Gründe sind häufig der notwendige Kauf eines Flugtickets oder Visums, fällige Krankenhauskosten für ein krankes Kind, die Begleichung eines Schadens nach einem Unfall oder der Verlust von Ausweis und Kreditkarte. Manchmal fordern die Betrüger auch Kopien von Reisepässen oder anderen Dokumenten – angeblich für Kontoeröffnungen oder Visaanträge. Diese Daten werden jedoch stattdessen für einen Identitätsdiebstahl genutzt. Ist das Geld geflossen oder verweigert das Opfer weitere Zahlungen, bricht der Kontakt plötzlich ab und der Love Scammer ist nicht mehr zu erreichen. Der Betrug kann emotional und finanziell verheerend sein – oft melden die Opfer den Betrug erst spät oder aus Scham gar nicht. In Deutschland wurden 2024 hunderte Fälle mit Millionenverlusten gemeldet. Allein beim Landeskriminalamt Berlin wurden 433 Fälle mit einem Gesamtschaden von 5,6 Millionen Euro angezeigt.

Vor einer neuen Methode im Bereich des „Love Scam“ warnte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich 2024: „Perfide Liebesbetrüger stehlen die Identitäten von Prominenten. Sie schreiben potenzielle Opfer unter dem prominenten Namen an und bitten mit erfundenen Notlagen um Geld. Oftmals versuchen sie dann, die Kommunikation auf Messenger wie Telegram zu lenken.“ So erschlich sich ein falscher Darsteller der ZDF-Vorabendserie „Die Rosenheim Cops“ das Vertrauen einer älteren Dame aus Oberbayern. Der Täter brachte die Betroffene mit erfundenen Notlagen dazu, immer höhere Geldbeträge und am Ende insgesamt etwa 35.000 Euro zu überweisen.

Betrüger nutzen Deepfake-Videotelefonate mit künstlich erzeugten Identitäten

Betrüger nutzen Deepfake-Videotelefonate mit künstlich erzeugten Identitäten

Marko/stock.adobe.com

KI perfektioniert den Betrug

Die Methoden der Täter sind ausgeklügelt und raffiniert. In einigen Fällen kommen sogar weitere Personen ins Spiel wie beispielsweise vermeintliche Polizisten, Ärzte oder Freunde. Sie sollen die Notlage bestätigen und zusätzlichen Druck aufbauen. Auch technologisch sind die Betrüger auf der Höhe der Zeit. Künstliche Intelligenz (KI) hebt Love Scamming auf eine völlig neue Ebene. Sie ermöglicht beispielsweise Deepfake-Videotelefonate mit künstlich erzeugten Identitäten, die so realistisch sind, dass die Opfer die Echtheit der anderen Person nicht in Zweifel ziehen. Auch das Nachahmen bekannter Stimmen ist für Betrüger dank KI kein Problem mehr, sodass etwa die Stimmen von Prominenten kaum noch als Deepfake zu erkennen sind.

Misstrauisch bleiben

Romance Scamming kann jeden treffen – nicht nur Personen mit geringem technischem Vorwissen. Die Betrüger nutzen psychologische Tricks und emotionale Manipulation, um Vertrauen aufzubauen. Man sollte deshalb bei aller Emotionalität wachsam bleiben und seinem Bauchgefühl vertrauen. Bevor man finanzielle Hilfe leistet oder persönliche Daten teilt, sollten folgende Anzeichen überprüft werden:

  • Die Person ist emotional sehr intensiv, obwohl man sich noch nie offline getroffen hat.
  • Die gezeigten Fotos wirken zu professionell oder modelhaft, sind unscharf oder tauchen mehrfach unter unterschiedlichen Namen im Internet auf.
  • Intensive Liebesbekundungen tauchen sehr früh in der Kommunikation auf.
  • Der Kontakt wird von E-Mail oder der Kommunikation in den Sozialen Netzwerken sehr schnell auf ein Messenger-Programm wie Telegram oder WhatsApp verlagert.
  • Irgendwann tauchen immer wieder angebliche Notlagen auf, die Geld erfordern.
  • Die Person fragt nach persönlichen oder sensiblen Daten bzw. Ausweiskopien.

Wenn diese Anzeichen zutreffen, sollte man einige Vorsichtsmaßnahmen befolgen:

  • Kein Geld an jemanden schicken, den man nicht persönlich kennt. Egal, wie glaubwürdig die Geschichte klingt – ehrliche Partner bitten selten um Geld per Bargeldtransfer.
  • Keine Ausweisdokumente oder sensiblen Daten weitergeben, denn diese können für einen Identitätsdiebstahl genutzt werden.
  • Das Profil sollte überprüft werden. Der Name sollte in Suchmaschinen recherchiert werden. Die gezeigten Fotos können dabei mit einer Rückwärtssuche geprüft werden. Viele Fake-Profile lassen sich so entlarven.
  • Wenn einem das Profil verdächtig vorkommt, sollte es bei der Plattform oder dem sozialen Netzwerk gemeldet werden.
  • Wenn schon Geld überwiesen wurde, sollte die Bank sofort kontaktiert werden. Unter Umständen lässt sich die Überweisung noch stoppen oder rückgängig machen.

Wenn man Opfer geworden ist, sollte der Kontakt sofort abgebrochen und das Profil blockiert werden. Alle Nachrichten, E-Mails und Zahlungsbelege sollten gesichert werden. Mit diesen Beweisen kann man dann bei der Polizei Anzeige erstatten. Außerdem sollte die Bank informiert werden, um das Konto zu sichern.

TE (30.01.2026)

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