Komasaufen ist mehr und mehr out: 2023 wurden bundesweit rund 7.650 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung in einer Klinik behandelt – fast 28 Prozent weniger als 2022. Ein Grund für diese erfreuliche Entwicklung sind sicherlich die verstärkten Präventionsangebote von Polizei, Jugendämtern, Schulen und Gesundheitseinrichtungen, die teilweise schon seit einigen Jahren existieren und nun nach und nach Früchten tragen. So rief etwa das Zentrum für Suchtprävention „Villa Schöpflin“ in Baden-Württemberg bereits im Jahr 2003 das Projekt „HaLT – Hart am Limit“ ins Leben.
Präventionsaktionen und Hilfe im Ernstfall
„HaLT“ ist ein Präventionsprojekt für Jugendliche mit riskantem Alkoholkonsum, das sich an 12- bis 17-jährige Jugendliche richtet. In den Jahren 2003 und 2004 wurde es als Bundesmodellprojekt an elf Standorten in neun Bundesländern umgesetzt. Mittlerweile finden sich HaLT-Standorte bundesweit in über 200 Städten und Landkreisen. In Bayern gibt es das Projekt seit 2007, in Erlangen seit 2008. Das Projekt besteht aus zwei verschiedenen Elementen: Präventionsaktionen und Hilfe im Ernstfall. Einerseits werden Maßnahmen wie zum Beispiel Veranstaltungen durchgeführt, die die Jugendlichen und Eltern sowie Verantwortliche im Handel, in Vereinen und Diskotheken für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol sensibilisieren sollen. „Im anderen Projektbaustein besuchen wir Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden, und führen noch im Krankenhaus ein Gespräch mit den Betroffenen. Dieses Angebot ist natürlich freiwillig“, erläutert Tobias Bauernschmitt, Projektleiter von HaLT Erlangen.
In Erlangen ist das Projekt „HaLT“ an die Drogen- und Suchtberatungsstelle angegliedert. Darüber hinaus finden Kooperationen mit dem Gesundheitsamt, der therapeutischen Wohngemeinschaft und der Kinder- und Jugendklinik statt. Insgesamt gibt es fünf Bereitschaftskräfte, die abwechselnd Dienste an den Wochenenden und Feiertagen übernehmen. Bei jedem neuen Alkoholfall werden sie von der Kinder- und Jugendklinik informiert und kommen anschließend auf Wunsch der Patienten in die Klinik. Dort reflektieren sie zusammen mit dem Jugendlichen den Alkoholkonsum, geben Tipps zum risikoarmen Verzehr und bieten Hilfestellung an. Auch für die Eltern besteht die Möglichkeit zum Gespräch.
Der Risikocheck
Zusätzlich können die jungen Betroffenen an einer eintägigen Gruppenveranstaltung teilnehmen, dem sogenannten „Risikocheck“. Dieser wird viermal im Jahr angeboten. „Am Vormittag geht es darum, herauszuarbeiten, warum man Alkohol trinkt, was dabei passiert und wo die Grenze zwischen Genuss und Absturz liegt. Gemeinsam suchen wir die vorhandenen Stärken jedes Einzelnen, um den künftigen Konsum risikoärmer zu gestalten“, so der Projektleiter. Der Nachmittag diene dem Austesten der eigenen Risikobereitschaft und Finden der eigenen Grenze in einem anderen Bereich, zum Beispiel beim Klettern oder im Hochseilgarten. „Durch die Gespräche und Maßnahmen wird der Konsum noch einmal reflektiert. Die Jugendlichen denken viel intensiver darüber nach, was passiert ist und welche Folgen das langfristig haben kann“, erklärt Bauernschmitt. Auch für die Familien sei das eine große Hilfestellung. Bei weiterem Gesprächsbedarf vermittelt „HaLT“ die Betroffenen gerne an Stellen wie die Drogen- oder Familienberatung weiter, die eine langfristige Unterstützung bieten.
SB/KF (Stand 25.04.2025)
Kontakt:
Städt. Drogen- und Suchtberatung Erlangen
Tobias Bauernschmitt
Projektleiter HaLT Erlangen
Karl-Zucker-Str. 10
91052 Erlangen
Tel.: 09131/86 22 95
Tobias.bauernschmitt@[email protected]
Webseite: HaLT Erlangen





