< Integration durch Sport

Alle sitzen im selben Boot

Seestern und Clara – so heißen die beiden Boote des Vereins „Kieler Jugendkutterprojekt“. Seit 2002 bietet dieser jungen Menschen in Kiel die Möglichkeit, an Segeltörns teilzunehmen. Mit seiner Jugendarbeit verfolgt der Verein gleich mehrere Ziele: Segelgrundkenntnisse vermitteln und die Sozialkompetenz der Jugendlichen durch gemeinsame Erfolgserlebnisse steigern.

Kieler Jugendkutterprojekt fördert soziales Miteinander

Bei den Segeltörns müssen alle Jugendlichen mit anpacken

© Jürgen Pautke

 

Seestern und Clara – so heißen die beiden Boote des Vereins „Kieler Jugendkutterprojekt“. Seit 2002 bietet dieser jungen Menschen in Kiel die Möglichkeit, an Segeltörns teilzunehmen. Mit seiner Jugendarbeit verfolgt der Verein gleich mehrere Ziele: Segelgrundkenntnisse vermitteln und die Sozialkompetenz der Jugendlichen durch gemeinsame Erfolgserlebnisse steigern.

Von der Idee zur Umsetzung

Das Jugendkutterprojekt wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um ein Freizeitangebot für junge Menschen zu schaffen, die aus sozial schwächeren Milieus kommen. „Als Sozialarbeiter habe ich damals viel mit Jugendlichen zusammengearbeitet, die im Osten Kiels zuhause sind. Hier wohnen überwiegend Arbeiterfamilien, aber auch Migranten oder Sozialhilfeempfänger“, erklärt Jürgen Pautke, der das Projekt leitet. Dabei hat er festgestellt, dass die meisten der Jugendlichen, obwohl Kiel direkt am Wasser liegt, nur sehr wenig über das Segeln und die Ostsee im Allgemeinen wissen – zum Beispiel, ob sie Süß- oder Salzwasser hat. „Mit dem Projekt möchten wir Jugendlichen auf der einen Seite natürlich etwas über das Segeln und die Bootspflege beibringen. Auf der anderen Seite geht es aber auch darum, ihnen neue Perspektiven zu ermöglichen. Denn viele kommen aus ihrem Kiez im Kieler Osten nicht so richtig heraus.“ Aus der Projektidee wurde 2002 Realität. Gemeinsam mit Freunden gründete Pautke, der begeisterter Hobbysegler ist, den Verein „Kieler Jugendkutterprojekt“. Mithilfe von Spenden und Fördergeldern war es möglich, die beiden Boote Clara und Seestern und das notwendige Material, wie etwa Schwimmwesten, anzuschaffen. „Seitdem uns diese Grundausstattung zu Verfügung steht, können wir die Fahrten und alles was dazu gehört relativ kostengünstig anbieten.“ Die Personalkosten werden zum Großteil über die Stadt Kiel finanziert. Zudem ist das Jugendkutterprojekt seit einigen Jahren Bestandteil des bundesweiten Programms „Integration durch Sport“. Dadurch können die laufenden Kosten gedeckt werden.

Regelmäßigkeit bringt Erfolge

Heute arbeitet der Verein überwiegend mit Schulen zusammen. Die Jugendlichen, die mitmachen möchten, können sich für eine AG anmelden. Dabei spielt es keine Rolle, aus welcher sozialen Schicht sie kommen. Alle sitzen, sinnbildlich gesprochen, im selben Boot. „Mit dieser Vorgehensweise haben wir gute Erfahrungen gemacht. Es ist wichtig, dass die Jugendlichen freiwillig dabei sind. Denn nur wenn sie regelmäßig kommen, kann man Lernerfolge erzielen“, erklärt der Sozialpädagoge. Zusätzlich wird das Angebot auch von Berufsschülern genutzt, die ein so genanntes Arbeitsvorbereitungsjahr machen. „Das sind meist männliche Jugendliche, die von ihrer Schule geflogen sind oder keinen Abschluss haben und nicht so richtig wissen, was sie aus ihrem Leben machen sollen.“ Über den praktischen Ansatz des Projektes sollen sie langsam an das Arbeitsleben herangeführt und dazu motiviert werden, ihren Abschluss nachzuholen. „Viele von ihnen sind Einzelgänger, bei denen es vor allem an Sozialkompetenz mangelt“, erklärt Jürgen Pautke. Bei den Segeltörns lernen sie, miteinander auszukommen und Absprachen zu machen und diese auch einzuhalten – auch wenn es nur darum geht, wer nach dem Abendessen den Abwasch macht. „Da kommt es natürlich auch mal zu Auseinandersetzungen. Und die Fahrten mit den Booten gefallen auch nicht jedem“, gibt Pautke zu. „Die Mehrheit hat jedoch Spaß daran.“

Jugendliche auf dem Jugendsegelschoner „Clara“

© Jürgen Pautke

Mehrtägige Fahrten als besondere Herausforderung

Während der Saison wird einmal wöchentlich gesegelt. In den Monaten, in denen es dafür zu kalt ist, stehen die Bootspflege und kleinere Reparaturarbeiten auf dem Plan, damit Clara und Seestern bereit für die nächste Saison sind. Am Ende eines Schuljahres können die Jugendlichen an einer mehrtägigen Bootsfahrt teilnehmen. „Wir haben auf der Seestern zwölf Schlafplätze. Dann segeln wir beispielsweise Richtung Dänemark. Das ist landschaftlich sehr interessant und ganz anders als die deutsche Küste“, sagt Pautke. Für die Jugendlichen sind die längeren Touren eine besondere Herausforderung. Denn dann müssen sie mehrere Tage auf engem Raum miteinander auskommen. „Wenn das Meer ruhig ist, muss man an Deck nicht viel machen. Dann kann es für sie auch schnell mal langweilig werden – denn hier gibt ja keinen Fernseher. Die Jugendlichen müssen lernen, sich selber zu beschäftigen. Das ist natürlich nicht immer so leicht.“

Kontakt

Kieler Jugendkutterprojekt e.V.

Jürgen Pautke

Spitzenkamp 40a

24149 Kiel

info(at)kutterprojekt.de

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