Die Präventionsarbeit von Huckepack soll Kinder selbstsicher machen
Die Präventionsarbeit von Huckepack soll Kinder selbstsicher machen

Prävention von sexueller Gewalt gegen Kinder

Von guten und schlechten Geheimnissen

Kindergarten- und Grundschulkinder werden Opfer sexueller Gewalt, auch im Süden Thüringens. Die Täter gehen davon aus, dass sehr junge Opfer darüber schweigen werden und deshalb das Entdeckungsrisiko gering ist. Denn in diesem Alter verstehen die Kinder noch nicht, was mit ihnen passiert und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Ihnen fehlt häufig noch die Sprache, um diese „komischen“ Situationen zu beschreiben. An dieser Stelle setzt die Präventionsarbeit des Kinder- und Jugendschutzdienstes Huckepack in Kindergärten und Grundschulen des Saale-Orla-Kreises an. Die Kinder lernen, wie sie gefährliche Momente früh erkennen und richtig darauf reagieren können.

Ein „Nein“ ist immer erlaubt

Was sind schöne und was sind unangenehme Gefühle? Diese Frage steht zu Beginn der Präventionsveranstaltungen immer im Mittelpunkt. „Je älter Kinder werden, desto weniger verlassen sie sich auf ihre Gefühle, auf ihr Bauchgefühl. Wir vermitteln, dass es wichtig ist, darauf zu achten“, erklärt Beate Walther. Die Sozialpädagogin mit einer Zusatzqualifikation zur Kinderschutzfachkraft ist seit vielen Jahren für Huckepack in den Kindergärten und Grundschulen des Landkreises im Einsatz. Zudem lernen die Kinder, dass man auch „nein“ sagen darf, wenn man etwas tun soll, wobei man sich nicht gut fühlt. Ein weiteres wichtiges Thema sind Geheimnisse. „Wir besprechen, was gute und was schlechte Geheimnisse sind“, berichtet die Expertin. Den Kindern soll vermittelt werden, dass man gute Geheimnisse, wie das Geburtstagsgeschenk für die Mutter, für sich behalten kann. Schlechte Geheimnisse, mit denen es einem nicht gut geht, wenn es sich zum Beispiel um komische Berührungen handelt, sollte man hingegen unbedingt jemandem anvertrauen. Diese Unterscheidung ist enorm wichtig. Denn die Täter haben ihre Strategien. Sie reden den Kindern häufig ein, dass das, was sie ihnen antun, richtig und normal sei.

Fester Angebotskatalog

Seit seiner Entstehung im Jahr 2012 hat sich der Kinder-und Jugendschutzdienst einen guten Namen erarbeitet und kann vielen verschiedenen Einrichtungen altersgerechte Angebote unterbreiten. Vom „Gefühleexperten“, „Geh nicht mit jedem mit“ über den „Neinrich“ bis hin zu „Mein Körper gehört mir“ werden die Präventionsveranstaltungen methodenreich und erlebnisorientiert umgesetzt. „Mitmachen und Selbermachen stehen dabei immer im Vordergrund“, so Beate Walther. Neu sind ein Kinderschutzparcours und eine interaktive Ausstellung zum Thema häusliche Gewalt. „Je länger wir vor Ort sind, desto mehr können wir in die Tiefe gehen und den Kindern mit auf den Weg geben“, so Beate Walther. Unabhängig von der Länge der Veranstaltung werden in den Kindergärten immer die Erzieherinnen und Erzieher beziehungsweise in den Schulen die Lehrkräfte und Sozialarbeiter eingebunden. „Sie alle sind wichtige Vertrauenspersonen, an die sich die Kinder wenden können. Indem wir sie einbeziehen, merken sie: Das ist meine Funktion und die ist sehr wichtig.“

Die Kinder lernen, dass man auch „nein“ sagen darf

Die Kinder lernen, dass man auch „nein“ sagen darf

Kinder- und Jugendschutzdienst Huckepack

Sensibilisieren und aufklären

Dass die Präventionsveranstaltungen eine positive Wirkung auf das Selbstbewusstsein und die Selbstwahrnehmung der Kinder haben, zeigen die Rückmeldungen, die das Huckepack-Team erhält. „In den Grundschulen verteilen wir dafür Evaluationsbögen. Viele finden es natürlich auch klasse, dass es mal etwas anderes ist, als der klassische Unterricht“, so die Sozialpädagogin. Für die Jüngeren ist der Umgang mit den Inhalten hingegen eine größere Herausforderung. Denn die meisten kommen hier zum ersten Mal mit dem sensiblen Thema in Berührung. „Es geht um etwas, was nicht besonders schön ist. Obwohl wir das Thema sehr kindgerecht aufbereiten, merken wir, dass die Grundschulkinder nicht so leicht damit umgehen können, aber das ist normal.“ In den letzten Jahren hat sich der KJSD Huckepack als professionelle Beratungsstelle für sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche in der Region etabliert. „Die Zahl Betroffener steigt stetig und so freuen wir uns umso mehr, dass wir inzwischen flächendeckend für Präventionsangebote angefragt werden und zahlreiche Kinder ein Stück stärker machen, sie für potenzielle Gefahren sensibilisieren und zum „Nein-Sagen“ schulen konnten“, freut sich Beate Walther. Auch in Zukunft möchte Huckepack möglichst viel zur Prävention von sexueller Gewalt an Kindern im Süden Thüringens beitragen. „Wir wollen sensibilisieren und aufklären – in beide Richtungen: sowohl die Kinder als auch die Erzieher beziehungsweise Lehrkräfte. Zudem möchten wir die Mädchen und Jungen stark machen und ihnen zeigen, dass sie Hilfe holen müssen, wenn sie Probleme haben.“

KF/MW (27.06.2025)

Kontakt:

Kinder- und Jugendschutzdienst Huckepack

Beate Walther
Bahnhofstraße 5
07381 Pößneck
kinderschutzdienst@[email protected]  

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