Demonstrationen sollten friedlich ablaufen
Demonstrationen sollten friedlich ablaufen

Die Arbeit der Polizei bei Demonstrationen

„Demokratie ist für alle da“

In Deutschland hat jeder das Recht zu demonstrieren. Doch dieses Recht bringt nicht selten Probleme mit sich – auch für die Polizei. Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), erklärt, worauf bei Demonstrationen zu achten ist.
 

In diesem Text erfahren Sie:

Herr Kopelke, wer darf in Deutschland demonstrieren?

Grundsätzlich darf jeder in Deutschland demonstrieren, dieses Recht ist in unserer Verfassung fest verankert. Jeder darf sich versammeln und seine Meinung kundtun, egal zu welchem Thema – so lange dies friedlich und ohne Waffen geschieht. Außerdem muss eine Demonstration bei den zuständigen Behörden angemeldet und von dort genehmigt werden.

Welche Rolle übernimmt die Polizei bei Demonstrationen?

Die Polizei hat in erster Linie die Aufgabe, jede angemeldete und genehmigte Demonstration zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie ungestört ablaufen kann. Das gilt für alle Demonstrationen, ganz gleich von wem und zu welchem Thema demonstriert wird – so beispielsweise auch für genehmigte Demos von Rechtsextremen. Denn auch für sie gilt natürlich das deutsche Grundgesetz, auch wenn die Polizei mit der vertretenen politischen Meinung nicht übereinstimmt.

Für die Polizei also keine einfache Situation?

Ganz und gar nicht. Für die Polizei ist dies äußerst unangenehm und prekär. Und häufig skandierte Sprüche wie „Deutsche Polizisten schützen die Faschisten“ sind einfach dummes Zeug. Die Polizisten machen nur ihren Job, denn sie sind an Recht und Gesetz gebunden und unserer Verfassung verpflichtet. Man muss sich einfach eines klarmachen: Das Demonstrationsrecht ist im Prinzip ein Minderheitenrecht. Das bedeutet, dass Mehrheiten nicht in der Lage sein dürfen, eine Demonstration von Minderheiten zu unterbinden – das ist ein ganz wichtiger Grundsatz unserer demokratischen Verfassung. Dies gilt aber eben auch für Minderheiten, die eigentlich niemand will und mag, wie etwa Rechtsextreme. Aber genau das ist der Punkt: Demokratische Grundrechte, wie das Recht zu demonstrieren, müssen für alle gelten – und nicht nur, wenn die vertretene politische Meinung allen gefällt. Eine Demokratie ist eben für alle da. Auch für die Dummköpfe.

Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP)

Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP)

GdP / Kay Herschelmann

Muss die Polizei denn alles akzeptieren? Wogegen kann sie vorgehen?

Die Polizei hat gewisse Möglichkeiten, den Marschweg zu lenken, zum Beispiel nicht über historisch heikle Orte. Gleichzeitig darf der Demonstrationszug aber auch nicht nur durch Hinterhöfe führen – das ist jedes Mal eine Gratwanderung. Die Polizei darf und muss immer dann eingreifen, wenn geltendes Recht verletzt wird. Jegliche Bewaffnung von Demonstrierenden ist verboten, wie natürlich auch sämtliche Gewalttätigkeiten. Auch wenn der vorgeschriebene Demonstrationszug verlassen wird oder von einer „zivilen Versammlung“ abgewichen wird, muss die Polizei handeln. Es darf zum Beispiel nicht im Gleichschritt marschiert werden. Außerdem gilt ein striktes Vermummungs- und Uniformverbot. Das hat in der Vergangenheit sogar einmal dazu geführt, dass ein Einsatzleiter die weißen Schnürsenkel einer rechten Gruppierung als Verstoß gegen das Uniformverbot gewertet hat. Daraufhin mussten dann alle Demonstranten ihre Schuhe ausziehen – und der „nationale Widerstand“ ist auf löchrigen Socken durch Berlin gelaufen.

Ab und an kommt es bei Demonstrationen auch zu Gewalttaten. Was wird unternommen, um dies zu verhindern?

Gerade wenn Rechtsextreme eine Demo anmelden, gibt es ja häufig auch Gegendemonstrationen. Die Polizei muss dann darauf achten, dass diese Gruppen strikt voneinander getrennt bleiben – teilweise mit sehr hohem Personalaufwand. Denn häufig steht einer kleinen Gruppe von etwa 300 Rechtsextremen eine große Gruppe von vielleicht 5.000 Gegendemonstranten entgegen. Und die Polizei steht dann zwischen den Fronten und muss gewährleisten, dass alles friedlich bleibt. Während den Demos gelingt das auch meist – wenn es zu Ausschreitungen kommt, dann meist danach. Generell kann man aber sagen, dass die allermeisten Demonstrationen friedlich ablaufen. Allein in Berlin hatten wir im Jahr 2024 rund 7.500 Demonstrationen. Dazu kommen Staatsbesuche und eine Vielzahl von Großveranstaltungen.

Worauf muss man achten, wenn man friedlich und legal demonstrieren möchte?

Generell muss man sich natürlich an geltende Gesetze halten. Wenn man zu einer Demo aufruft, muss man diese anmelden. Als Veranstaltungsleiter ist man außerdem für die Versammlung verantwortlich – so lange, bis man die Demo offiziell beendet. Es ist immer gut, wenn man sich im Vorfeld mit der Polizei zusammensetzt und die geplante Route bespricht. Wichtig ist, dass man auf der Demo etwa keine Transparente mit strafbarem Inhalt zeigt – das heißt, nichts Volksverhetzendes oder Beleidigendes. Bei politischen Demos ist das Polizeiaufgebot meist höher als bei nicht-politischen Versammlungen. Hier sichert die Polizei meist nur den Marschweg ab und regelt den Verkehr.

Gerade bei Gegendemonstrationen – etwa gegen Rechtsextremismus – sind wir der Meinung: Je friedlicher eine Demonstration ist, desto nachhaltiger und wirksamer ist sie. Und je mehr Leute gewaltfrei demonstrieren, desto größer ist der Eindruck, den man hinterlässt. Die Zivilgesellschaft muss sich nicht mit Gewalt wehren, denn sie hat genug Artikulationskraft um klar zu machen: Wir wollen keinen Rechtsextremismus in unserem Land.

SW/WL (27.06.2025)

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