Sie sind hier >  /  /  
< Wenn alleinstehende Frauen zu unfreiwilligen Drogenkurieren werden

Neuer Lebenssinn durch Arbeit

Das Projekt „Pick-Up“ („Aufheben“) in Essen hilft Drogenabhängigen dabei, wieder einen Sinn in ihrem Leben zu sehen und einen Weg zurück in die Gesellschaft zu finden. Die Methode ist eher ungewöhnlich: Denn die Teilnehmer des Programms werden in der Essener Innenstadt zum Müllsammeln eingesetzt.

Das „Pick-Up“-Programm für Drogenabhängige in Essen


Sinnvolle Aufgaben machen wieder Mut im Leben

© Daniel Ernst, fotolia

 

Das Projekt „Pick-Up“ („Aufheben“) in Essen hilft Drogenabhängigen dabei, wieder einen Sinn in ihrem Leben zu sehen und einen Weg zurück in die Gesellschaft zu finden. Die Methode ist eher ungewöhnlich: Denn die Teilnehmer des Programms werden in der Essener Innenstadt zum Müllsammeln eingesetzt.

 

Das deutschlandweit einzigartige Projekt startete im Oktober 2014 und ist zunächst für ein Jahr angelegt. Durchgeführt wird es von der Essener Suchthilfe. Bis zu zehn Freiwillige nehmen daran teil – sie alle sind Schwerst- und Mehrfachabhängige, die neben der Abhängigkeit von illegalen Drogen eine zusätzliche Abhängigkeit von Alkohol entwickelt haben. Die Langzeitarbeitslosen leben bislang ohne feste Tagesstruktur. Viele von ihnen waren auch schon im Gefängnis, sind seit Jahren drogenabhängig und haben diverse Ausstiegsversuche und Langzeittherapien hinter sich – ohne bleibenden Erfolg. Das Ziel von „Pick-Up“ ist es, diesen Menschen wieder eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Im Projekt werden Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Ausdauer trainiert. Auch verschiedene soziale Kompetenzen wie Team-, Konflikt- und Absprachefähigkeit werden vermittelt. Denn dies alles fällt den Teilnehmern schwer. Weitere Ziele sind die Verbesserung des Gesundheitszustands und ein reduzierter Alkohol- und Drogenkonsum. Außerdem sollen ihnen weitere soziale und medizinische Hilfen vermittelt werden. Dabei werden sie eng von den Mitarbeitern der Suchthilfe betreut, welche die Teilnehmer auch bei Behördengängen oder der Wohnungssuche unterstützen.

Festen Tagesablauf „erlernen“

Im Mittelpunkt des Projekts steht die feste Tagesstruktur durch eine festgelegte Beschäftigung – die Reinigung von öffentlichen Flächen in der Innenstadt ist dazu ein Mittel zum Zweck. Die Tätigkeit findet im Rahmen von „1-Euro-Jobs“ statt. Das Programm läuft zunächst vier Stunden an Werktagen, je nach Fähigkeiten der Teilnehmer im späteren Verlauf bis zu sechs Stunden. Der typische Arbeitstag sieht so aus: Start ist um 10.30 Uhr im Drogenhilfezentrum. Jeder Teilnehmer wird persönlich in Empfang genommen und auf seine Arbeitstauglichkeit hin geprüft. Außerdem wird er mit Vitaminen versorgt, denn die gesundheitliche Betreuung ist ebenfalls Teil des Programms. Nachdem alle ihre Arbeitskleidung angezogen haben, wird geklärt: „Welche Aufgaben liegen heute an?“ Außerdem wird besprochen, wie der vorherige Tag gelaufen ist. Zusätzlich gibt es regelmäßig Einzelgespräche mit den Teilnehmern, um ihnen ein individuelles Feedback zu ihrem Arbeits- und Sozialverhalten zu geben. Gegen 11.00 Uhr beginnt dann die eigentliche Arbeit. Die Dauer und der Umfang der 60- bis 90-minütigen Reinigungstouren orientieren sich dabei an den körperlichen Fähigkeiten der Teilnehmer. Mit Handschuhen, Besen und Karren ausgestattet, geht es los. Die Routen werden vorher festgelegt. Ziel sind Szenetreffs in der Essener Innenstadt, die dann von herumliegendem Müll befreit werden. Nach der ersten Runde wird gemeinsam zu Mittag gegessen und anschließend zur zweiten Reinigungstour gestartet. Zum Abschluss gibt es eine gemeinsame Besprechung und die Teilnehmer erhalten ihren „Lohn“ von 1,25 Euro pro Stunde.

Seite: 1 2 weiter >>

Weitere Infos zum Thema Drogen

Drogenpolitik in kleinen Schritten

Arthur Kreuzer, emeritierter Professor für Kriminologie,...[mehr erfahren]

Drogen versprechen viel, halten aber wenig

Rauschmittel lösen keine Probleme, sondern schaffen nur zusätzliche....[mehr erfahren]

Die Folgen von Drogen lassen sich einfach demonstrieren

Wer Drogen nimmt, hat große Schwierigkeiten ganz normale Tätigkeiten...[mehr erfahren]

Die Wege von „Legal Highs“, Speed und Co. nach Deutschland

Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik stieg die Zahl der...[mehr erfahren]

Lotto, Wetten, Automaten und Roulette: Pathologisches Spielen

Sie sind größtenteils männlich, haben häufig weitere psychische...[mehr erfahren]

Aktivitäten

Service

Über diese Suchfunktion finden Sie bundesweit kriminal-polizeiliche Beratungsstellen
Beratungsstellensuche

Newsletter

Unterstützer

Hier finden Sie unsere Unterstützer nach Themengebiet sortiert

Präventionsvideos

"Ein Bild sagt mehr als tausend Worte". Und gerade mit bewegten Bildern werden wir alle viel leichter erreicht als mit nüchternen Informationsmaterialien, die nur den Verstand ansprechen. Hier finden Sie die Präventionsvideos.

Erklärung einschlägiger Präventions-Begriffe

Meist gelesene Artikel

Sicherheitsbehörden in Deutschland

Abstimmung

Sind Sie für eine Videoüberwachung auf allen öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen?
JA, denn Kameras erhöhen das Sicherheitsgefühl von Anliegern und Passanten und verunsichern zugleich Straftäter. Kleine Straftaten werden verhindert, große schneller aufgeklärt.
Ich bin für Videoüberwachung, jedoch eingeschränkt auf die Bereiche, wo sie Sinn macht, z.B. in Bahnhöfen oder Geschäften, wo allein die Drohung mit der Kamera Straftäter abschreckt. Videoüberwachung ja, wenn sie begrenzt ist, aber nicht flächendeckend!
NEIN, dadurch wäre das Recht des Passanten auf das eigene Bild, auf Anonymität und Privatsphäre in Gefahr. Flächendeckende Aufzeichnungen führen zu einem Überwachungsstaat.