Auch harmlos wirkende Hunde haben scharfe Zähne und Aggressionspotenzial
Auch harmlos wirkende Hunde haben scharfe Zähne und Aggressionspotenzial

Hunde verstehen und Kontrolle behalten

Hundeangriffe im Alltag

Ob auf der Straße, im Park oder zu Besuch bei Bekannten: Viele Deutsche sind mit ihren Hunden unterwegs. Die Begegnung mit einem Vierbeiner und seinem Herrchen ist ein ganz natürlicher Bestandteil des Alltags. Hunde beschnüffeln Laternenpfahle, toben gemeinsam und Besitzer werden schnell in das ein oder andere Gespräch verwickelt. Inmitten dieser friedlichen Szenen kann es jedoch auch immer wieder dazu kommen, dass ein Hundebesitzer die Kontrolle über seinen Hund verliert, dass dieser aggressiv wird und im schlimmsten Fall zubeißt.

Ursachen für die plötzliche Aggression

Laut Ariane Ullrich, Hundetrainerin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) e. V., ist die häufigste Ursache für aggressives Verhalten ein Gefühl von Angst und Verunsicherung. Das können unbekannte Situationen, aber auch falsche oder mangelnde Sozialisierung sein. Es sind nicht zwangsläufig Kampfhunde, die Menschen angreifen. „War ein Hund bisher immer friedlich und fängt nun an zu knurren, so kann das auch medizinisch begründet sein“, sagt Ullrich. Entweder er ist durch das Toben mit einem anderen Tier verletzt worden oder der Verhaltensänderung liegt eine organische Erkrankung oder seltener auch ein Hirntumor zu Grunde – ein Faktor, über den sich viele Hundebesitzer im ersten Moment nicht bewusst sind.

Häufige Opfer und rechtliche Konsequenzen

In vielen Fällen werden Kinder Opfer eines Hundeangriffs. Ullrich sieht diese Tatsache darin begründet, dass Kinder sich unberechenbarer verhalten als erwachsene Menschen: „Sie sind schneller, lauter und von der Größe her natürlich viel dichter am Kopf des Hundes dran.“ Ein Unfall kann schnell passieren, wenn Kinder den Hund wie ein Kuscheltier behandeln und noch nicht gelernt haben, einen gewissen Respekt vor dem Tier zu haben. „Hier müssen Eltern Verantwortung zeigen“, fordert Ullrich. Rechtliche Konsequenzen für Hundebesitzer in Folge eines Angriffs richten sich nach der Einschätzung eines amtlichen Tierarztes. Für das Tier drohen dann Auflagen wie Maulkorb- und Leinenzwang bis hin zur Wegnahme vom Besitzer. Im Hinblick auf Personen- oder Sachschäden hält es Ullrich für sinnvoll, eine Tierhaftpflichtversicherung abzuschließen: „Hier kommt es auf Details an, da viele Versicherungen zum Beispiel nur haften, wenn das Tier zum Zeitpunkt des Angriffs angeleint war.“

Ariane Ullrich, Verhaltensbiologin, Hundetrainerin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des BHV

© BHV

Was muss ich als Hundebesitzer beachten?

Neben gesetzlichen Hundeverordnungen, die sich je nach Bundesland unterscheiden, hat man als Hundebesitzer laut Ariane Ullrich vor allem eine moralische Pflicht. „Häufig wird unterschätzt, dass der Hund als Lebewesen massive Probleme haben kann“, warnt sie. Ob das Tier nun ein Problem mit anderen Hunden oder ausschließlich mit Menschen hat – es gibt die verschiedensten Maßnahmen, um risikoreiche Situationen zu managen. So kann man beim Spaziergang mit einem Kopfhalfter oder einer speziellen Leine die körperliche Kontrolle über das Tier behalten oder Orte vermeiden, an denen man vielen Menschen mit Hunden begegnet. Da einige Unfälle auch zu Hause passieren, rät Ullrich, dass man dem Hund ein bestimmtes Verhalten in Anwesenheit von Besuch beibringt, zum Beispiel, auf seiner Decke zu liegen: „Wenn es nicht anders geht, muss er in einem anderen Zimmer bleiben oder angeleint werden, um den Besuch zu schützen.“

Möglichkeiten der Prävention und Weiterbildung

Um Hundeangriffen oder einer persönlichen Einschränkung durch problematisches Verhalten des Hundes vorzubeugen, empfiehlt sich der gemeinsame Besuch einer Hundeschule. „Aggressionen sind eine Kommunikation vom Hund, die wir verstehen müssen, um darauf einzugehen“, sagt Ullrich. In der Hundeschule lernt man, die Emotionen seines Hundes zu verstehen und mit ihm gemeinsam ein neues Verhalten zu erlernen. Ullrich vergleicht das mit Angstgefühlen von Menschen, die man durch ritualisiertes Verhalten überwinden kann. Im Zuge des Hundetrainings gibt es zudem einen von Vereinen und Verbänden entwickelten Hundeführerschein. Er setzt sich aus theoretischen und praktischen Lerneinheiten zusammen und bereitet auf zahlreiche Situationen in der Stadt und auf Freilaufflächen vor. Außerdem kann er in einigen Kommunen Steuerermäßigungen mit sich bringen und als Sachkundenachweis dienen, den einige Bundesländer zum Beispiel von Hundebesitzern mit gefährlichen Hunden fordern.

Und wie verhalte ich mich bei einem Angriff?

Sollte man in die Situation kommen, dass ein Hund jemanden angreift, empfiehlt Ullrich zuerst unbedingt Abstand zu halten. „Auch wenn der Hund dadurch vielleicht lernt, dass er mit Aggressionen durchkommt, ist es in dem Fall wichtiger den Menschen zu schützen“, rät sie. Auch hier ist ein gegenseitiges Verständnis wichtig. Denn auch Hunde können sich in einer Situation mit Menschen unwohl fühlen und wissen sich dann nicht anders zu helfen als aggressiv zu werden. Deshalb sollten Menschen ein Gespür für die Gefühle der Hunde entwickeln. Denn oft gibt es bei einem Hundeangriff schon frühe Anzeichen wie Knurren oder Ausweichen, durch die der Hund sein Unwohlsein ausdrückt. Abschließend stellt Ullrich klar: „Man sollte sich bewusst sein, dass Hunde immer die schärferen Zähne haben. Daher sind Respekt und Verständnis für das Lebewesen Hund wichtig, um Unfälle zu verhindern.“ FL (25.11.2016)

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