Die Betrüger melden sich meist per Telefon
Die Betrüger melden sich meist per Telefon

Von Pflegekursen und Pflegeboxen

Betrugsmaschen rund um Pflegeleistungen

Pflege wird für immer mehr Familien in Deutschland zum Alltag – oft plötzlich und mit vielen offenen Fragen. Zwischen Anträgen, Leistungen und Unterstützungsangeboten fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Genau diese Unsicherheit nutzen Betrüger gezielt aus: Sie geben sich als seriöse Anbieter aus, versprechen Hilfe und greifen dabei persönliche Daten oder Geld ab. Worauf Betroffene und Angehörige achten sollten und wie sie sich vor solchen Maschen schützen können, zeigt dieser Überblick.

In diesem Text erfahren Sie:

Deutschland altert – und das hat weitreichende Folgen für das Pflegesystem. Bereits heute sind rund fünf Millionen Menschen pflegebedürftig, und diese Zahl wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Nach Berechnungen des Statistisches Bundesamt könnte sie bis zum Jahr 2055 auf bis zu 7,6 Millionen anwachsen. Angesichts dieser Entwicklung setzt die Politik verstärkt auf die Unterstützung pflegender Angehöriger. Ein zentrales Instrument sind dabei kostenlose Pflegekurse, zu deren Angebot die Pflegekassen gesetzlich verpflichtet sind. Diese Kurse sollen Angehörigen dabei helfen, Pflege zu Hause besser zu bewältigen und das Gesundheitssystem entlasten.

Doch wo Leistungen ausgebaut werden, entstehen auch neue Angriffspunkte für Betrug. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein warnt vor einer zunehmenden Zahl unseriöser Anbieter, die gezielt Kontakt zu Versicherten aufnehmen. Besonders häufig geschieht dies telefonisch. Die Anrufer geben sich als Partner oder sogar als Beauftragte der Pflegekassen aus und versuchen, an sensible Daten wie die Versichertennummer zu gelangen. Diese Informationen werden anschließend genutzt, um Leistungen gegenüber den Kassen abzurechnen, die nie erbracht wurden. Die Betroffenen bemerken davon oft lange nichts, da die Abrechnung direkt zwischen Anbieter und Pflegekasse erfolgt.

Kostenlose Pflegeboxen sind ein Köder

Kostenlose Pflegeboxen sind ein Köder

x.marynka/stock.adobe.com

Die Masche mit der „Pflegebox“

Ein weiteres verbreitetes Geschäftsmodell ist die sogenannte „Pflegebox“. Dabei bieten Unternehmen Pflegehilfsmittel wie Einmalhandschuhe oder Desinfektionsmittel an und werben damit, dass diese für Pflegebedürftige kostenlos seien. Tatsächlich können solche Hilfsmittel über die Pflegekasse abgerechnet werden, doch viele Betroffene benötigen die gelieferten Produkte gar nicht oder wurden am Telefon nur unzureichend über die Vertragsbedingungen aufgeklärt. Anbieter rechnen dann dauerhaft monatlich Beträge von bis zu 42 Euro mit der Pflegekasse ab, ohne dass ein echter Bedarf besteht. Auch hier profitieren die Unternehmen von der Unkenntnis oder Verunsicherung der Verbraucher.

Darüber hinaus berichten Verbraucherschützer von weiteren Betrugsvarianten. Dazu zählen etwa angebliche Pflichtberatungen, bei denen Daten abgefragt werden, oder Haustürgeschäfte, bei denen Vertreter vorgeben, in offiziellem Auftrag zu handeln. In manchen Fällen werden sogar langfristige Verträge untergeschoben oder personenbezogene Daten missbraucht, um Leistungen ohne Wissen der Versicherten abzurechnen.

Skepsis und Besonnenheit

Für Verbraucher ist es daher entscheidend, in solchen Situationen besonnen zu reagieren. Grundsätzlich gilt: Pflegekassen beauftragen keine externen Firmen, um telefonisch Daten abzufragen oder Verträge abzuschließen. Wer einen entsprechenden Anruf erhält, sollte keine persönlichen Informationen preisgeben und sich nicht unter Druck setzen lassen. Stattdessen empfiehlt es sich, das Gespräch zu beenden und eigenständig Kontakt mit der Pflegekasse aufzunehmen, die immer der eigenen gesetzlichen oder privaten Krankenkasse angegliedert ist. So lässt sich schnell klären, ob ein Angebot tatsächlich legitim ist. Die Verbraucherzentrale rät ausdrücklich dazu, skeptisch zu bleiben, wenn Anrufer Dringlichkeit erzeugen oder behaupten, man müsse schnell handeln, um Ansprüche nicht zu verlieren.

Seriöse Anbieter zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie transparent arbeiten, schriftliche Informationen bereitstellen und ausreichend Zeit für Entscheidungen lassen. Unseriöse Unternehmen hingegen setzen häufig auf Druck, unklare Aussagen und spontane Vertragsabschlüsse. Wer unsicher ist, kann sich jederzeit bei seiner Pflegekasse, bei Pflegestützpunkten oder bei Verbraucherzentralen beraten lassen. Diese Stellen helfen auch dabei, seriöse Angebote für Pflegekurse zu finden.

Anzeige erstatten

Sollte man dennoch auf eine solche Masche hereingefallen sein, ist schnelles Handeln wichtig. Betroffene sollten umgehend ihre Pflegekasse informieren und prüfen, ob ein Vertrag widerrufen werden kann. In vielen Fällen gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, sich rechtlich beraten zu lassen oder – insbesondere bei eindeutig betrügerischen Vorgängen – Anzeige zu erstatten. Auch hier bieten die Verbraucherzentralen Unterstützung.

Die steigende Zahl an Pflegebedürftigen macht es erforderlich, dass immer mehr Menschen Verantwortung in der häuslichen Pflege übernehmen. Gleichzeitig wächst damit aber auch das Risiko, Ziel von Betrugsversuchen zu werden. Wer gut informiert ist und im Zweifel lieber einmal mehr nachfragt, kann sich jedoch wirksam schützen. Denn eine funktionierende Pflege beginnt nicht nur mit guter Versorgung, sondern auch mit einem sicheren Umgang mit sensiblen Daten und Angeboten.

TE (27.03.2026)

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