Schenkkreise finden sich vor allem auf Social Media-Plattformen
Schenkkreise finden sich vor allem auf Social Media-Plattformen

Betrug per Schneeballsystem

Illegale Schenkkreise

Würden Sie einer fremden Person einfach so Geld schenken? Und wie würden Sie entscheiden, wenn Ihnen versprochen würde, dass Sie ebenfalls Geld geschenkt bekommen und sich Ihr Einsatz vielfach auszahlen wird? Zahlreiche spirituell angehauchte Facebook- und WhatsApp-Gruppen bauen auf dieses Prinzip. Doch Achtung: Hinter den meisten dieser sogenannten „Schenkkreise“ steckt ein Schneeballsystem, bei dem man nur verlieren kann.

Esoterisch verpackte Facebookgruppen

Illegale Schenkkreise haben in den letzten Jahren auf Social Media neue Zugänge zu einer wachsenden Anzahl an Menschen bekommen. Betrügerinnen und Betrüger kontaktieren potenzielle neue Mitglieder über Facebook, TikTok oder Messengerdienste wie WhatsApp und Telegram und laden sie in ihre privaten Gruppen ein. Vordergründig geht es um Freundschaft und Zusammenhalt. Dabei versprechen die Gruppenadministratoren unter anderem spirituelle Antworten auf Lebensfragen, etwa wie man „finanziell in die Fülle kommen“ kann. Hinter esoterisch anmutenden Gruppennamen wie „Fraktalreise“, „Lotusreise“ oder „Ökonomie der Verbundenheit“ wird verschleiert, was sich tatsächlich hinter der Mitgliedschaft verbirgt. In der Gruppe findet man vermeintliche Informationen über das Konzept und über die sogenannte „Heilige Ökonomie“. Nach dieser sollen sich Menschen finanziell gegenseitig helfen und dann wiederum von anderen Mitgliedern Zuschüsse erfahren. So würden Mitglieder am Ende hohe Summen an Geld generieren und endlich in finanzieller Freiheit leben können. Zu Beginn der „Reise“ sollen neue Mitglieder einen Einsatz von meist mehreren hundert Euro zahlen. Versprochen wird, dass man am Ende mehrere Zehntausend Euro zurückgeschenkt bekommt. Schließlich werden sogar private Treffen organisiert, die als spirituelle Zusammenkünfte getarnt sind. Einmal im Schenkkreis gefangen, ist es schwer, das System wieder zu verlassen. Ehemalige Mitglieder berichten, dass sie zwar irgendwann gespürt haben, dass das System nicht aufgehen kann, jedoch sind sie weiterhin Teil des Kreises geblieben. Auf sie wirkte der Schenkkreis wie eine Art Sekte und hatte eine starke Sogwirkung.

Wie funktionieren Schenkkreise?

Schenkkreise funktionieren nach dem sogenannten Schneeballsystem. Dabei handelt es sich um ein provisionsbasiertes Geschäftsmodell, das eine ständig wachsende Anzahl an neuen Teilnehmenden benötigt, um zu funktionieren. Es gleicht also einem Schneeball, der einen Berg hinabrollt und dabei stetig größer wird. Gewinne für die Teilnehmenden entstehen angeblich dadurch, dass sie neue Mitwirkende finden, die wiederum ihr Geld investieren. Eines der wichtigsten Merkmale ist die Methode, dass das Geld immer nach oben fließt. Daher werden Schneeballsysteme auch als Pyramidensysteme bezeichnet. Hierbei steht eine Person an der Spitze und nach unten müssen immer mehr Neuzugänge angeworben werden, damit alle in diesem System ihren versprochenen Anteil erhalten können. Spätestens nach ein paar Runden soll man schließlich in die Spitze aufrücken, in der man beschenkt wird. Dass das mit der wachsenden Anzahl der Beteiligten immer schwieriger wird, liegt auf der Hand. Denn bereits nach wenigen Runden können nicht mehr ausreichend neue Einsteiger geworben werden und das System bricht zusammen. Wenn überhaupt, lohnt sich das System nur für die Personen, die den Schenkkreis initiiert haben – alle anderen gehen leer aus.

Sobald sich keine neuen Mitglieder mehr finden lassen, bricht das System zusammen

© rudall30/stock.adobe.com

Opfer machen sich strafbar

Laut deutschem Recht (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, Paragraph 16 „Strafbare Werbung“) sind Schenkkreise sittenwidrig und illegal. Besonders tückisch an der Betrugsmasche ist die Tatsache, dass sich die eigentlichen Opfer unwissentlich selbst strafbar machen. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) haben ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Schenkkreisen immerhin einen Anspruch auf Rückzahlung. In vielen Fällen ist es jedoch schwierig, die schuldige Person ausfindig zu machen und den Betrug eindeutig zu beweisen.

Kein Geld an Unbekannte überweisen

Um nicht selbst Opfer des Betrugs zu werden, sollte man keinen spirituell-esoterischen Gruppen in den sozialen Medien beitreten bzw. keine Treffen aufsuchen, die den Anschein eines Schenkkreises erwecken. Suspekte E-Mails und andere Nachrichten sollten gelöscht werden. Auf keinen Fall ratsam ist es, Geld an fremde Personen zu überweisen, deren eindeutige Identität, Adresse und Absichten man nicht genau kennt. Weitere Tipps und Unterstützung findet man auf einem Präventionsflyer der Polizei Berlin. Fühlt man sich von Menschen in seinem Umfeld stark unter Druck gesetzt, sollte man in Erwägung ziehen, die Polizei einzuschalten. Auch die 16 Verbraucherzentralen der Länder bieten in diesem Fall Beratung und Hilfe an.

KF (Stand 28.10.2022)

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