Mobbing-Opfer werden von Kollegen oder Vorgesetzten schikaniert
Mobbing-Opfer werden von Kollegen oder Vorgesetzten schikaniert

Wenn der Job zur Hölle wird

Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz geht weit über gelegentliche Konflikte hinaus und hat schwerwiegende Auswirkungen auf Betroffene, Teams und Organisationen. Als Mobbing bezeichnet man systematische, wiederholte und über längere Zeit ausgeübte feindselige Verhaltensweisen gegenüber Personen durch Kollegen oder Vorgesetzte. Die Opfer sollen geschädigt, isoliert oder aus der Organisation verdrängt werden.

In diesem Text erfahren Sie:

Der volkswirtschaftliche Schaden von Mobbing

Laut dem aktuellen Mobbing-Report 2024 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und einer repräsentativen Befragung der Universität Leipzig von mehr als 5.000 Beschäftigten erlebten 6,5 Prozent aller abhängig Erwerbstätigen in Deutschland innerhalb der letzten sechs Monate vor der Befragung Mobbing an ihrem Arbeitsplatz. Hochgerechnet auf die gesamte Arbeitswelt entspricht das mehreren hunderttausend Menschen. Auffällig sind dabei die Unterschiede in den Altersgruppen. Besonders junge Beschäftigte zwischen 18 und 29 Jahren erlebten deutlich häufiger Mobbing (11,4 Prozent) als ältere Mitarbeitende im Alter von 50 bis 59 Jahren (3,2 Prozent). Auch Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status oder Migrationshintergrund waren überdurchschnittlich stark davon betroffen.

Der wirtschaftliche Schaden durch Mobbing ist erheblich, da die Betroffenen häufiger krankgeschrieben sind, weniger motiviert arbeiten oder die Arbeitsstelle kündigen. Experten schätzen die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten auf 40 bis 60 Milliarden Euro. Sie entstehen durch Fehlzeiten, reduzierte Produktivität und soziale Folgekosten.

Typische Mobbing-Handlungen und Täterstrategien

Mobbing umfasst zahlreiche subtile und offene Verhaltensweisen, die über einen längeren Zeitraum wiederholt auftreten. Dazu gehören die Verbreitung von Gerüchten und Unwahrheiten, ungerechtfertigte Kritik an der Leistung oder der Persönlichkeit, ständige Sticheleien, Hänseleien oder Beleidigungen, Isolation und Informationsentzug, Arbeitsbehinderung, Arbeitsentzug oder übermäßige Kritik und Ausgrenzung aus Teamprozessen.

Die Täter sind Kollegen oder Vorgesetzte. Häufig handelt es sich aber um Gruppenprozesse oder Täter-Kollektive, die gemeinschaftlich psychischen Druck auf die Opfer ausüben. Die Gründe, warum Menschen mobben, sind komplex und vielfältig. Die Täter sind nicht immer eindeutig „böse“. Oft entstehen solche Verhaltensweisen aus einer Kombination aus Persönlichkeit, Stress und den Bedingungen des Arbeitsumfelds. Jemand fühlt sich in der eigenen Position bestätigt, wenn er oder sie andere Personen herabsetzt. In ihrem Dominanzbestreben missbrauchen die Täter dabei ihre Macht. Ein anderer Grund kann sein, dass sie eigene Unsicherheiten, Enttäuschungen und Frustrationen auf andere projizieren. Auch gruppendynamische Prozesse können eine Rolle spielen. Die Täter handeln im Verbund, stacheln sich gegenseitig an oder reagieren auf Druck aus dem Umfeld. Eine Rolle spielen auch kulturelle Faktoren: Unternehmen mit einer schwachen Konfliktkultur fördern indirekt subtile Formen von Feindseligkeit unter den Mitarbeitern.

Wo tritt Mobbing am häufigsten auf?

Vor allem in Betrieben, in denen ein hoher Zeit- und Leistungsdruck herrscht, ist Mobbing keine Seltenheit. Weitere Risikofaktoren sind hierarchische Strukturen ohne klare Rollenverteilung sowie Teams, in denen die Kommunikation nicht gut funktioniert und Vorgesetzte die Beschäftigten nur mangelhaft unterstützen. Auch bei Tätigkeiten mit hoher emotionaler Belastung, z. B. in der Pflege, der Sozialarbeit oder mit Kundenkontakt gibt es häufiger Mobbing als anderswo. Jüngere Mitarbeitende, Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen (z. B. Zeitarbeit) und Beschäftigte mit niedrigem sozioökonomischem Status sind statistisch gesehen öfter Opfer von Mobbing. Je mehr psychische Belastungsfaktoren bestehen (z. B. hoher Arbeitsdruck, geringe Kontrolle über Aufgaben), desto eher können Mobbingprozesse entstehen oder eskalieren.

Mobbt der Chef, wird das „Bossing“ genannt

Mobbt der Chef, wird das „Bossing“ genannt

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Folgen für die Betroffenen

Die Auswirkungen von Mobbing sind für die Betroffenen vielfältig und tiefgreifend. Stress, Angstzustände, Depressionen und Schlafstörungen beeinträchtigen nachhaltig die psychische Gesundheit. Das zeigt sich in physischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Erschöpfung und anderen psychosomatischen Symptomen. Das Mobbing führt bei den Betroffenen häufig zu einer Verschlechterung des allgemeinen Wohlbefindens sowie zu Langzeitfolgen, die weit über das Arbeitsleben hinaus reichen. In zweiter Linie sind die Betriebe selbst Opfer von Mobbing, da bei den Mitarbeitern die Arbeitszufriedenheit sinkt. Das wiederum führt zu reduzierter Leistungsfähigkeit, Kündigungen oder langfristigen Krankheitsfällen.

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Vier Phasen des Mobbingprozesses

Der schwedische Psychologe Heinz Leymann beschreibt Mobbing als einen längeren Prozess, den er in vier Phasen einteilt:

  1. Konfliktentstehung: Ein Konflikt wird nicht konstruktiv gelöst; erste Spannungen entstehen.
  2. Beginn des Psychoterrors: Häufige Schikanen, abwertende Äußerungen und systematische Angriffe beginnen.
  3. Arbeitsrechtliche Maßnahmen: Die betroffene Person wird zunehmend als „Störer“ dargestellt, es kommt zu Abmahnungen oder Versetzungen.
  4. Ausschluss vom Arbeitsleben: Die betroffene Person wird oft langfristig krank, kündigt selbst oder wird entlassen.

Diese Phasen zeigen, wie Mobbing eskaliert, wenn keine geeigneten Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Die Verantwortung der Vorgesetzten

Führungskräfte spielen eine zentrale Rolle bei der Prävention und Intervention von Mobbing. Sie sollten Konflikte frühzeitig erkennen und zeitnah reagieren, indem sie die Betroffenen direkt darauf ansprechen. In Unternehmen sollten klaren Regeln und Verhaltensnormen für den Umgang miteinander gelten. Mobbing sollte eindeutig geächtet werden. Über Schulungen sollten Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert und Methoden für den Umgang mit Konflikten eingeübt werden. Um Betroffene zu unterstützen, können etwa mit Unterstützung des Betriebs offene, niedrigschwellige Anlaufstellen geschaffen werden. Grundsätzlich gilt es, ein positives Arbeitsklima zu schaffen. Das stärkt den Teamzusammenhalt.

Was kann ein Mobbing-Opfer tun?

Betroffene sollten:

  1. Dokumentieren: Vorfälle, Zeitpunkte, Zeugen schriftlich festhalten
  2. Gespräche suchen: Kollegen, Vertrauenspersonen, Vorgesetzte
  3. Betriebsrat/Personalabteilung einschalten: Offizielle Unterstützung nutzen
  4. Externe Beratung: Beratungsstellen, psychologische Unterstützung
  5. Rechtliche Schritte prüfen: Arbeitsrechtliche oder gerichtliche Maßnahmen

Auch bei externen Beratungsstellen oder Gewerkschaften kann man sich professionelle Hilfe holen.

TE (30.01.2026)

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