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Papilio – durch soziale Kompetenz Gewalt vermeiden

Studien zeigen, dass Gewalt- und Suchtprävention auch im Kindergarten bereits Sinn macht. Denn schon dort können Kinder schrittweise soziale und emotionale Kompetenzen erlernen, die das Risiko von späteren Verhaltensproblemen minimieren. Das Sozialunternehmen „Papilio e. V.“ bietet ein Präventionsprogramm für Kindergärten zur frühen Vorbeugung von Sucht und Gewalt. Deutschlandweit erreichte das Programm schon über 100.000 Kinder. Mehr als 5.000 Erzieherinnenwurden dafür geschult.

Prävention für die Kleinsten 

 22 Erzieherinnen erhielten im Juni 2012 ihre Papilio-Zertifizierung 

© Papilio e. V.

 

Studien zeigen, dass Gewalt- und Suchtprävention auch im Kindergarten bereits Sinn macht. Denn schon dort können Kinder schrittweise soziale und emotionale Kompetenzen erlernen, die das Risiko von späteren Verhaltensproblemen minimieren. Das Sozialunternehmen „Papilio e. V.“  bietet ein Präventionsprogramm für Kindergärten zur frühen Vorbeugung von Sucht und Gewalt. Deutschlandweit erreichte das Programm schon über 100.000 Kinder. Mehr als 5.000 Erzieherinnenwurden dafür geschult. 

 

Das Kernziel des Programms ist die Förderung der psychosozialen Gesundheit von Kindern zwischen drei und sieben Jahren. Heidrun Mayer, Geschäftsführerin und Mitentwicklerin von Papilio, erklärt: „Wissenschaftliche Untersuchungen, die wir in den Jahren 2002 bis 2005 durchgeführt haben, zeigen, dass die Risikofaktoren, die später zu Sucht, Gewalt und Straftaten führen, bereits im frühen Kindesalter angelegt werden. Wir versuchen daher, mit bestimmten Schutzfaktoren entgegenzuwirken und Verhaltensprobleme zu reduzieren.“ Schutzfaktoren sind konkret die gezielte Förderung von sozialen und emotionalen Kompetenzen wie eine hohe Sprachfähigkeit, in Kontakt mit Gleichaltrigen und Erwachsenen treten zu können, die Fähigkeit Freundschaften zu schließen und mit eigenen Gefühlen und den Gefühlen anderer umgehen zu können. Besonders bei Kindern, die durch ihr soziales Umfeld gewissen Risikofaktoren ausgesetzt sind – wie etwa eine ineffektive Erziehung, Armut, Arbeitslosigkeit oder hohe psychische Belastungen der Eltern – kann das Programm die gesunde Entwicklung unterstützen und helfen, problematischem Verhalten vorzubeugen. 

Erzieherinnen als Multiplikatoren 

Um möglichst viele Kinder zu erreichen, richtet sich das Programm an die Erzieherinnen in den Kindergärten. Diese lernen in einer eineinhalbjährigenintensivenFortbildung die Inhalte von Papiliokennen und setzen sie dann in ihren jeweiligen Einrichtungen nach und nach um. „Es war uns wichtig, ein möglichst effektives und nachhaltiges Programm zu entwickeln. Erzieherinnen sind meist die erste wichtige Bezugsperson eines Kindes außerhalb der Familie und daher wichtige Multiplikatorinnen. Wir geben ihnen konkrete Maßnahmen an die Hand, die ihnen die Arbeit mit den Kindern erleichtern soll“, so Mayer. Deutschlandweit sind derzeit 157 Trainer im Einsatz, die die Erzieherinnen ausbilden und bei der konkreten Umsetzung in ihren Kindergärten begleiten. So ist die Qualitätssicherung des Programms gewährleistet. Voraussetzung zur Teilnahme an der Fortbildung ist, dass aus einer Einrichtung mindestens zwei Erzieherinnen teilnehmen, am besten jedoch alle. 

Lernen in kleinen Schritten 

Das Papilio-Programm besteht aus vier Bausteinen, die in den Kindergärten umgesetzt werden. Der erste Baustein ist der generelle Umgang der Erzieherin mit bestimmten Situationen bzw. das konkrete Erziehungsverhalten. Hier geht es zum Beispiel um den Umgang mit Lob oder um konkrete Regeln bei schwierigem Verhalten.„Es ist wichtig, bei allem das jeweilige Entwicklungsstadium des Kindes zu berücksichtigen. Kindergartenkinder haben eine Menge Dinge zu lernen, und sie tun dies in ihrer eigenen Geschwindigkeit. Manches überfordert sie noch. Daher sollte man sie in ihren Entwicklungsaufgaben unterstützen und sich diesen anpassen“, betont die Expertin. So käme ein Lob wie „Das hast du toll gemacht!“ bei Kindern in diesem Alter gar nicht richtig an. Daher sollten lobende Worte immer möglichst konkret und differenziert formuliert werden, damit das Kind ein positives Erlebnis hat. „Wenn man sich auf Augenhöhe zu dem Kind begibt und dann sagt: „Die Sonne hast du ja ganz genau ausgemalt“, oder „Ich habe gesehen, dass du dir deine Schuhe alleine binden kannst – das ist ja toll“, dann wird der Selbstwert des Kindes gestärkt und es merkt: „Diese eine Sache kann ich schon ganz toll!“ Besonders für Kinder, die verhaltensauffällig sind, ist es sehr förderlich, an sich selbst Positives zu entdecken.Auch bei Aufforderungen zum Handeln müssten sich die Erwachsenen richtig verhalten. Denn Kinder müssen Handlungsabläufe in kleinen Schritten lernen. „Wenn ich zu einem Vierjährigen sage: „Wir gehen jetzt Mittagessen“, dann kann das Kind nicht erfassen, was alles damit zusammenhängt. Deshalb muss man die einzelnen Schritte klar benennen: „Räum bitte die Bauklötze weg, geh dann ins Bad, kremple dir die Ärmel hoch und wasche dir die Hände mit Seife – wir möchten jetzt essen.“ Je jünger das Kind ist, desto kleinschrittiger müssen die Handlungsabläufe sein“, so Heidrun Mayer.

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