Die chinesischen Onlinehändler Temu und Shein dringen immer weiter in den deutschen Markt vor
Die chinesischen Onlinehändler Temu und Shein dringen immer weiter in den deutschen Markt vor

Chinesische Billigprodukte überschwemmen deutschen Markt

Vorsicht vor Online-Shops aus Fernost

Von Luxusprodukten bis zu billigen Konsumartikeln: Plattformen wie Temu, AliExpress und Shein fluten den europäischen Markt mit Billigprodukten aus China. Die Shops sind insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen extrem beliebt. Wer dort einkauft, handelt zum einen nicht besonders nachhaltig. Außerdem besteht die Gefahr, dass das gekaufte Produkt nicht echt ist. Gefälscht wird heutzutage alles, was Profit verspricht. Um sich gegen die immer dreister werdenden Nachmachungen zu wehren, gehen Hersteller neue Wege. Sie führen Echtheitsprüfungen ihrer Produkte durch und setzen auf die Hilfe von Künstlicher Intelligenz.

Der Hype um Temu, Shein & Co.

Online-Shops mit atemberaubend niedrigen Preisen begegnen uns im Internet fast überall. Sie werden mit breit gestreuten Werbekampagnen platziert. Auf den Webseiten asiatischer Billig-Händler wie Temu, AliExpress, Shein oder Wish ist inzwischen eine eigene Parallelwelt entstanden. Die Apps zählen zu den beliebtesten in den Downloadcharts. Der Grund: Ware, für die im Original teilweise Tausende Euro verlangt wird, kostet dort nur wenige Scheine. Die Plattformen aus Fernost sind aber auch ein Einfallstor für Produktfälschungen, die immensen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Ob Kopfhörer, Bluetooth-Boxen, ferngesteuerte Fahrzeuge oder Tablets – die Produkte ähneln dem Original bis hin zur exakten Kopie. Mehr als zwei Milliarden Päckchen von chinesischen Händlern landen jedes Jahr bei uns in Europa. Stichproben haben ergeben, dass viele Produkte eine geringe Qualität und schlechte Haltbarkeit aufweisen

Asia-Fakes bedrohen deutsche KMU

Deutsche Hersteller kostet die Produktpiraterie nach Angaben der Industrie- und Handelskammer pro Jahr Einnahmen im zweistelligen Milliardenbereich. Besonders für den Mittelstand sind die Aktivitäten asiatischer Plattformen eine große wirtschaftliche Bedrohung. Grundsätzlich können deutsche Markeninhaber zwar dagegen vorgehen, wenn Händler Fälschungen ihrer Produkte anbieten. Bei ausländischen Anbietern ist dafür jedoch internationale Rechtshilfe notwendig. Sie ist besonders in Asien komplex und langwierig. Eine Durchsetzung des eigenen Rechtsanspruchs ist deshalb nahezu unmöglich. Wer als Käufer auf ein gefälschtes Produkt beispielsweise in einem Online-Shop aufmerksam wird, sollte dennoch den Markeninhaber informieren. Dieser hat die alleinigen Verkaufs- und Verwertungsrechte an seiner Marke und kann zumindest versuchen, vor Gericht gegenüber den Fälschern Ansprüche auf Unterlassung und Schadenersatz durchsetzen.

Gefahren für Verbraucher

Produktfälschungen richten nicht nur Milliardenschäden an, sondern können auch gefährlich sein oder krank machen. Produkte aus asiatischen Märkten, die auf Wish, Temu oder AliExpress angeboten werden, entsprechen häufig nicht den europäischen Standards. So warnt unter anderem Stiftung Warentest vor gravierenden Mängeln in der Qualität und Sicherheit der Produkte, die dort verkauft werden. Dies betrifft vor allem Elektronikartikeln, Kinderspielzeug oder Kleidung. Denn in den Billigprodukten finden sich unter anderem immer wieder giftige Inhaltsstoffe, scharfe Kanten oder Kleinteile, die Kinder verschlucken können. Laut Stiftung Warentest sollte man bei elektronischen Geräten immer darauf achten, dass ein Produkt mit dem CE-Zeichen versehen ist, um mögliche Risiken zu minimieren. Der Verbraucherschutz NRW warnt außerdem davor, dass die persönlichen Daten in solchen Shops unsicher seien. Grundsätzlich herrsche wenig Transparenz darüber, wie die Daten der Nutzer gesammelt und verwendet werden.

Optisch unterscheiden sich die Plagiate der „Twingrip“-Zange vom Original nur durch den glatten Kunststoff der Griffe

Optisch unterscheiden sich die Plagiate der „Twingrip“-Zange vom Original nur durch den glatten Kunststoff der Griffe

Aktion Plagiarius e. V.

„Plagiarius“-Jury beklagt Billig-Boom

Auch der Negativpreis „Plagiarius“, der Jahr für Jahr auf besonders dreiste Marken- und Produktfälschungen aufmerksam macht, beleuchtet in diesem Jahr die zunehmende Problematik von Nachahmungen auf Plattformen wie Temu und Shein. Die Jury hebt hervor, dass mehr als 85 Prozent der auf diesen Plattformen beworbenen Produkte gegen EU-Sicherheitsstandards und -vorschriften verstoßen. Ein prominentes Beispiel ist die „Twingrip“-Zange der Firma Knipex aus Wuppertal. Trotz rechtlicher Schritte gegen Temu gelingt es den Fälschern immer wieder, identische Kopien dieses Werkzeugs anzubieten. Neben der Twingrip-Zange wurden auch Nachahmungen von Fahrradkörben, Mülleimern, Schraubendrehern und sogar der Frontpartie eines Mercedes-Benz mit dem „Plagiarius“ ausgezeichnet. Diese Fälle zeigen einmal mehr die Bandbreite der betroffenen Produktkategorien und die Kreativität der Fälscher, die keine Grenzen kennt.

Künstliche Intelligenz im Kampf gegen Produktpiraterie

Um ihre Originalprodukte von Fälschungen zu unterscheiden, können Hersteller spezielle Kennzeichnungen, holografische Etiketten, Seriennummern oder andere eindeutige Merkmale in ihre Produkte integrieren. Viele Unternehmen stellen ihre Vertriebswege um, arbeiten verstärkt mit Händlern zusammen oder bieten Apps für eine Echtheitsprüfung an. Ein positives Beispiel ist das „Transparency-Programm“ von Amazon, bei dem jedes Produkt mit einem individuellen Code beklebt wird. So können Kunden mit Hilfe der Amazon-App den QR-Code oder die Seriennummer eines Produkts scannen und so dessen Echtheit verifizieren. Einen anderen Weg geht der deutsche Sportartikelhersteller Puma. Er setzt bei der Bekämpfung von Online-Betrug und Produktfälschungen auf Künstliche Intelligenz. Nach Angaben des Unternehmens würden Betrüger vor allem auf Social-Media-Plattformen wie Tiktok in letzter Zeit verstärkt versuchen, Puma-Kunden mit Videos auf gefälschten Landingpages in die Falle zu locken. Deshalb scannt die KI-basierte Plattform „Red Points“ das Internet, um rechtsverletzende Einträge, URLs und soziale Konten zu erfassen und automatisch deren Löschung zu verlangen. In einem Zeitraum von 16 Monaten konnten auf diese Weise Fälschungen im Wert von mehr als 500 Millionen US-Dollar von Marktplätzen, Social-Media-Plattformen, Websites und Suchmaschinen entfernt werden. Davon betroffen waren insgesamt mehr als 760.000 gefälschte Artikel, die Puma erfolgreich aus dem Internet verbannen konnte.

KF (28.02.2025)

Präventionstipps als Video

Tippen Sie auf ein Video, um es zu starten. Sie können die Videos wechseln, indem Sie nach unten oder nach oben wischen.

Präventionstipps als Video

Klicken Sie auf ein Video, um es zu starten. Sie können die Videos wechseln, indem Sie die Pfeilsymbole verwenden.

Weitere Infos zum Thema Diebstahl / Betrug

Fahrraddieben keine Chance geben

Finger weg – mein Rad ist codiert!

Im Jahr 2023 wurden 264.062 Fahrräder in Deutschland gestohlen. Die Aufklärungsquote bleibt mit weniger als zehn Prozent ernüchternd gering. Was viele…

| mehr

Diebstahlopfer müssen sich auf Behördengänge einstellen

Richtiges Verhalten nach einem Autodiebstahl

Es ist ein Albtraum für jeden Fahrzeugbesitzer: Wo voher noch das eigene Auto geparkt war, ist jetzt ein leerer Parkplatz – waren da Fahrzeugdiebe am…

| mehr

Sinnvoll oder überflüssig?

GPS-Tracker zum Schutz vor Diebstahl

Um ein Fahrrad oder E‑Bike gegen Diebstahl zu schützen, hilft vor allem ein gutes Fahrradschloss. Zusätzliche Sicherheit versprechen GPS-Tracker mit…

| mehr

Zwischen Zeugenschutz und Denunziation abwägen

Anonym Anzeige erstatten – ja oder nein?

Manche Menschen, die von einer Straftat wissen und den Täter oder die Täterin bestraft sehen wollen, wollen bei einer Anzeige nicht ihre Identität…

| mehr

Die Polizei im Kampf gegen Fälscher und Betrüger

Millionenschäden durch Abzocke mit Corona

Im Alltag für viele inzwischen kaum noch präsent, kommt die Pandemie bei Ermittlern nun erst richtig an. Tausende Verfahren laufen wegen Betrugs.…

| mehr

Frachtdiebstahl aus Lastkraftwagen

Vorsicht vor „Planenschlitzern“

Laptops, Baumaterial, Werkzeuge, Haushaltsgeräte, Möbel oder Kleidung: In der Vergangenheit kam es immer häufiger zu Diebstählen, bei denen die Täter…

| mehr