Smartphones gehören zu unserem Alltag. Wenn wir unterwegs sind, sind so unentbehrlich wie das Portemonnaie und der Wohnungsschlüssel. Außerdem stellen sie einen beträchtlichen Wert dar: Der durchschnittliche Neuwert eines Smartphones liegt je nach Modell zwischen 400 und 1.200 Euro. Berücksichtigt man verlorene Daten, verpasste Produktivität, Versicherungsprämien und die Kosten für Ersatzgeräte, summieren sich die wirtschaftlichen Schäden bei einem Verlust zu einem hohen Betrag. 70 Millionen Smartphones und Handys gehen weltweit jedes Jahr verloren oder werden gestohlen; nur 7 Prozent gelangen zurück an ihre Besitzer. Das meldet die „911 Cell Phone Bank“, eine Initiative der gemeinnützigen Charitable Recycling Foundation aus den USA. In Deutschland werden laut Bundeskriminalamt jährlich rund 125.000 Smartphones gestohlen. Diese Zahl war vor zehn Jahren noch deutlich höher. Doch inzwischen haben die Hersteller Aktivierungssperren entwickelt, die verhindern sollen, dass die Geräte von Dieben weiterverwendet werden können.
Die Spur führt nach China
Die Hersteller haben sich einiges einfallen lassen, um moderne Smartphones unattraktiv für Langfinger zu machen und um die Daten der Eigentümer zu schützen. Dazu gehören Funktionen wie eine Ortungsmöglichkeit und die Sperrung des Geräts per Cloud-Dienst (z. B. Apple iCloud, Google Find My Device), biometrische Sperren (Face ID, Fingerabdruck) sowie die Remote-Löschung, mit der Daten aus der Ferne gelöscht werden können. Ein gesperrtes Smartphone taugt deshalb meist nur noch als Ersatzteillager oder als Rohstoffquelle für darin verbauten Elemente wie Gold oder seltene Erden. Laut einem Bericht der Financial Times landen beispielsweise viele gestohlene iPhones in der südchinesischen Stadt Shenzen. In London haben sich kriminelle Banden darauf spezialisiert, arglosen Passanten ihre Smartphones aus der Hand zu reißen. Besonders gefährdet sind Menschen, die gerade Selfies von sich machen oder Videos von sich drehen und das Gerät weit von sich weghalten. Die zumeist vermummten Räuber rasen mit Motorrädern, E-Scootern oder E-Bikes vorbei und schnappen sich die Geräte. Die automatische Sperre des Smartphones ist in diesem Moment nicht aktiv. Der Dieb hat so einen direkten Zugriff und kann es leicht auf den Werkszustand zurückgesetzen.
Trotz Ortung keine Rückgabe
Die Ortungsfunktion der Smartphones erlaubt eine präzise Ortung sogar, wenn sie ausgeschaltet sind. Wenn man das Gerät einfach nur verlegt hat, lässt es sich damit leicht wiederfinden. Doch nicht immer führt das zum Erfolg. Ein Kölner hatte sein Smartphone in einem Mietwagen liegenlassen. Mit einem zweiten Gerät konnte er es in einem Mietshaus orten. Doch niemand reagierte dort auf sein Klingeln. Auch die Polizei konnte dem Mann in diesem Fall nicht helfen, weil für das Mehrparteienhaus kein Durchsuchungsbeschluss erwirkt werden kann. „Das Problem ist, dass in einem Mehrfamilienhaus die Tat nicht einer bestimmten Person zugeordnet werden kann“, erklärt Anja Brückmann von der Düsseldorfer Polizei gegenüber dem SWR. Für eine Durchsuchung sind konkrete Anhaltspunkte nötig. „Wenn ich vor einer Wohnung stehe und das Handy klingelt da drin, oder ich kann über die Smartwatch einen Ping setzen. Oder ich kann versuchen, die Kamera des Handys zu aktivieren und Fotos vom Dieb machen. Dann können möglicherweise weitere rechtliche Maßnahmen ergriffen werden“, so Brückmann.
Schutzmaßnahmen – Vorkehrungen vor Diebstahl
Ein Smartphone oder Tablet kann anhand der IMEI-Nummer eindeutig identifiziert werden. Das ist ein 15-stelliger gerätespezifischer Zahlencode. Die Nummer sollte man am besten nach dem Kauf notieren und sicher aufbewahren. Sie befindet sich unter anderem auf der Originalverpackung oder kann über die allgemeinen Einstellungen aufgerufen werden. Alternativ wird sie auch über die Telefon-App mit dem Tastaturbefehl *#06# angezeigt. Der Netzbetreiber kann das Smartphone über die IMEI-Nummer orten, wenn die SIM-Karte eingelegt und das Gerät eingeschaltet ist. Einen Rechtsanspruch für diese Ortung gibt es allerdings nicht.
In jedem Fall sollte die Aktivierungssperre beziehungsweise Bildschirmsperre beim Smartphone eingeschaltet sein. Idealerweise besteht diese aus einem mindestens vierstelligen Code und zusätzlicher biometrischer Verifizierung (Gesichtserkennung). Das Remote-Tracking sollte ebenfalls aktiviert sein (z. B. iCloud, Google-Konto, Microsoft-Konto), ebenso wie die Ortungsdienste, die Remote-Löschfunktion und -Sperrung. Sensible Apps, etwa die Banking-Apps sollten zusätzlich mit einem separaten Code gesichert sein. Um wichtige Daten zu schützen, sollte regelmäßig ein Backup gemacht werden.
Wenn Sie unterwegs sind:
- In öffentlichen Bereichen, Transportmitteln oder bei Veranstaltungen auf eine sichere Aufbewahrung achten.
- Spezielle Halterungen, Diebstahlschutz-Verschlüsse oder robuste Hüllen nutzen.
- Das Gerät nicht offen oder außer Sichtweite liegen lassen.
Bei Diebstahl eine Anzeige bei der Polizei erstatten
Wenn das Smartphone gestohlen wurde, gilt es, schnell zu handeln:
- Als erstes die Remote-Ortung aktivieren beziehungsweise veranlassen, dass das Gerät gesperrt wird.
- Eine Remote-Löschung sollte in Erwägung gezogen werden, sofern sensible Daten vorhanden sind.
- Relevante Konten (z. B. Apple-ID/Google-Konto) über den Webzugang sperren.
- Die SIM-Karte beim Mobilfunkanbieter sperren.
Bei einem Diebstahl sollte in jedem Fall Anzeige bei der Polizei erstattet werden. Dazu werden der Kaufvertrag, die IMEI-Nummer und eine Produktbeschreibung benötigt. Sobald das Gerät geortet wurde, muss die Polizei darüber informiert werden. Auch wenn das Smartphone wieder auftauchen sollte, muss das unverzüglich der Polizeidienststelle, bei der die Anzeige erstattet wurde, unter Nennung der Vorgangsnummer gemeldet werden.
TE (26.09.2025)

