Aus Unwissenheit straffällig
Seit dem Jahr 2007 gibt es das Präventionsprojekt „Junge Flüchtlinge“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) München. Entstanden ist das Projekt, weil Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsländern nach ihrer Ankunft in München schnell durch Delikte wie Schwarzfahren oder Diebstahl bei der Polizei auffällig wurden. Das Problem: Viele Jugendliche kommen allein ohne ihre Eltern nach Deutschland und müssen sich hier selbstständig in einer fremden Kultur mit einer fremden Sprache zurechtfinden. Sie werden straffällig, weil sie die Regeln in Deutschland nicht kennen. Denn bis sie einen Vormund haben, an Deutschkursen teilnehmen können oder eine Fahrkarte erhalten, kann eine ganze Weile vergehen. Aus diesem Grund wurde das Projekt „Junge Flüchtlinge“ ins Leben gerufen. „Unser Ziel ist es, Jugendliche, die ohne ihre Eltern nach Deutschland kommen, möglichst von Anfang an zu unterstützen, damit sie nicht auf die schiefe Bahn geraten und sich schnell in Deutschland integrieren“, erklärt Assia Boushaba-Graßl, pädagogische Mitarbeiterin der AWO München.
Regeln verstehen, um gut zu leben
Die Jugendlichen, die hauptsächlich aus dem Irak, Syrien, aus Afghanistan oder Somalia stammen, werden möglichst zeitnah nach ihrer Ankunft kontaktiert. Sie erhalten dann Unterstützung bei allen anfallenden Amts- und Behördengängen. „Wir helfen bei der Klärung von Aufenthaltsrechten, beim Ausfüllen des Asylantrags und begleiten die Jugendlichen während des ganzen Asylverfahrens“, so Boushaba-Graßl. In Workshops und Seminaren werden die jungen Flüchtlinge über das Leben in Deutschland aufgeklärt und für die Besonderheiten sensibilisiert: „Welche Regeln gelten hier?“ „Worauf muss ich achten, damit ich hier friedlich leben kann?“ „Wie gehe ich in Deutschland auf Mädchen bzw. Frauen zu?“ aber auch „Wie funktioniert das deutsche Schul- und Ausbildungssystem?“ sind Fragen, die beantwortet werden. „Wir arbeiten auch mit der Polizei zusammen, die erklärt, warum man kontrolliert wird, warum man seinen Ausweis dabei haben sollte und wie man sich verhalten sollte, wenn man in eine schwierige Situation gerät“, erklärt die AWO-Mitarbeiterin.
Peer-to-Peer-Arbeit schafft Vertrauen
Mittlerweile hat Assia Boushaba-Graßl ein Netzwerk von etwa 50 Jugendlichen geschaffen, die sie bei ihrer Arbeit mit den jungen Menschen unterstützen. „Das sind alles ehemalige Flüchtlinge, die sich hier in Deutschland gut eingelebt haben und den Neuankömmlingen wichtige Tipps geben können. Diese Hilfe wird sehr gut angenommen und motiviert die Jugendlichen, sich ebenfalls anzustrengen, damit sie es hier in Deutschland zu etwas bringen“, erklärt die Pädagogin. Fitnessangebote, gemeinsame Fußballturniere mit Jugendzentren, in denen die Flüchtlinge auch mit deutschen Jugendlichen in Kontakt kommen, sowie Angebote zur Computer- und Internetnutzung sind weitere Bausteine auf dem Weg zur Integration.
Erfolgreiche Integration mit Zukunft
Das Projekt ist so erfolgreich, dass es mittlerweile langfristig vom Jugendamt und der Stadt München finanziell unterstützt wird. Denn es ist erwiesen, dass die Straffälligkeit von jugendlichen Flüchtlingen deutlich zurückgeht, wenn sie an den Kursen teilnehmen. „Es ist schön zu sehen, wie positiv sich manche der Jugendlichen hier entwickeln und wie schnell sie sich integriert haben. Viele machen hier ihren Schulabschluss und haben sogar einen Ausbildungsplatz bekommen – einer hat jetzt sogar sein Abitur nachgemacht“, freut sich Assia Boushaba-Graßl. SW (25.07.2014)
Kontakt:
Beratungsdienste der AWO München gemeinnützige GmbH Präventionsprojekt „Junge Flüchtlinge“
Frau Assia Boushaba-Graßl
Gravelottestr. 8
81667 München
Tel. 089 - 45832-435
Fax. 089 - 45832-441
E-Mail: assia.grassl@[email protected]
https://www.awo-muenchen.de/migration/angebote-fuer-junge-migranten/jugendhilfe-im-strafverfahren/jugendhilfe-im-strafverfahren












