Fröhlich, ängstlich oder traurig – wie fühle ich mich gerade? Auf der Dino-Uhr ist das ganz einfach eingestellt, denn statt Ziffern zeigt sie die Gefühlszustände eines kleinen Dinosauriers an. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Dino-Präventionsprojekts gegen sexuelle Gewalt an Kindern, das seit 1992 vom Verein Zündfunke in Hamburger Kindertagesstätten durchgeführt wird. Mithilfe der Uhr, die dem Projekt seinen Namen gibt, können die Kinder ihre Gefühle ausdrücken. Zudem lernen sie, was gute und schlechte Geheimnisse unterscheidet und wie man damit umgeht. Auch Themen wie „ja“ und „nein“ sagen sowie Hilfe holen spielen beim Dino-Projekt eine Rolle. Dadurch sollen die Kinder für sexuelle Übergriffe sensibilisiert werden.
Erzieher und Eltern einbeziehen
Bevor das Zündfunke-Team in die Kindertagesstätten geht, werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen in einem dreistündigen Seminar fortgebildet. „Wir informieren, was wir unter sexueller Gewalt verstehen und wie das Dino-Projekt aufgebaut ist“, erklärt Sheila Thome vom Verein Zündfunke. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen geben den Angestellten der Einrichtungen Tipps, welche Anzeichen für einen Missbrauch sprechen können und wie man mit einem Verdacht umgeht. Auch ein Elternabend ist Bestandteil des Projekts. Die Teilnahme ist für die Eltern verpflichtend. „Es dürfen nur die Kinder dabei sein, deren Eltern beim Infoabend waren. Es macht keinen Sinn, den Kindern zu sagen, dass sie sich bei Problemen an die Eltern wenden sollen, wenn diese damit nicht umgehen können“, so die studierte Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin. Die Rückmeldung der Eltern ist überwiegend positiv. „Die meisten finden das Projekt gut, trotz des schwierigen Themas. Aber sie haben in der Regel ja auch das größte Interesse, dass ihr Kind geschützt ist.“
Kindgerechte Inhalte
An drei aufeinanderfolgenden Tagen kommt das Zündfunke-Team für etwa 90 Minuten in die Kitas. Das Thema am ersten Tag: Mein Körper gehört mir. Hier malen die Kinder lebensgroße Körperbilder auf Papier und zeichnen ein, wo sie gerne berührt werden wollen und wo nicht. „Wir vermitteln auch, dass sie andere fragen müssen, bevor sie sie berühren“, erklärt Thome. Am zweiten Tag geht es um das „ja“ und „nein“ sagen. „Wir reden darüber, wie man es schafft, „nein“ zu sagen, wenn man etwas nicht tun will, was von einem verlangt wird.“ Auch das Thema Hilfe holen steht auf der Tagesordnung. Die Kinder sollen nachdenken, an wen sie sich wenden können, wenn sie Hilfe brauchen. Zudem wird über den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen gesprochen. „Auch wenn wir nicht direkt über einen Missbrauch reden, hängt das eng zusammen. Denn Täter sagen oft: „Das ist unser Geheimnis, das darfst du nicht weitersagen.“ Die Kinder sollen lernen, dass es kein Petzen ist, wenn man etwas verrät, womit man sich nicht gut fühlt.“ Der dritte Tag widmet sich Geschlechterstereotypen. „In Hinsicht auf einen Missbrauch ist eine solche Stereotypisierung ungünstig – beispielsweise wenn Jungs eingeredet wird, dass sie nicht traurig sein dürfen beziehungsweise Mädchen, dass sie nicht wütend werden dürfen.“ Obwohl das Dino-Projekt die Kinder für das Thema sensibilisiert, spricht das Zündfunke-Team nie über Missbrauch an sich. „Es geht nicht darum, Angst zu machen, sondern die Kinder zu stärken.“
Missbrauch erkennen und verhindern
Etwa einen Monat nach der Durchführung der Projektphase besucht das Team des Vereins die Kindertagesstätten erneut. „Wir sprechen mit den Kindern noch mal über das, was sie einige Wochen zuvor gehört und gelernt haben. Es geht darum, alles noch mal zu wiederholen und dadurch etwas aufzufrischen. So behalten es die Kinder am besten“, weiß die Expertin. Langfristig ist das Ziel von Sheila Thome und ihren Kolleginnen und Kollegen, Kinder sowie ihre erwachsenen Bezugspersonen zu informieren, zu stärken und für sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren. „Das passiert natürlich alles vor dem Hintergrund, Kindesmissbrauch zu verhindern oder zumindest frühzeitig aufzudecken.“
Kontakt
Verein Zündfunke Sheila Thome Max-Brauer-Allee 134 22765 Hamburg info@[email protected] MW (24.11.2017)












