Schneller Muskelaufbau birgt Risiken für die Gesundheit
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Medikamentenmissbrauch in Fitnessstudios

Muskelaufbau um jeden Preis

Der Medikamentenmissbrauch in Fitnessstudios ist längst kein Randphänomen mehr. Experten beobachten seit Jahren, dass leistungssteigernde Substanzen zunehmend auch von Freizeit- und Hobbysportlern konsumiert werden. Ihr Ziel ist ein besonders muskulöses, definiertes Körperbild. Der klassische Leistungssport spielt meist nur eine untergeordnete…

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Schneller Muskelaufbau birgt Risiken für die Gesundheit
Schneller Muskelaufbau birgt Risiken für die Gesundheit

Medikamentenmissbrauch in Fitnessstudios

Muskelaufbau um jeden Preis

Der Medikamentenmissbrauch in Fitnessstudios ist längst kein Randphänomen mehr. Experten beobachten seit Jahren, dass leistungssteigernde Substanzen zunehmend auch von Freizeit- und Hobbysportlern konsumiert werden. Ihr Ziel ist ein besonders muskulöses, definiertes Körperbild. Der klassische Leistungssport spielt meist nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen stehen Schönheitsideale, soziale Anerkennung und der Einfluss von Fitness-Influencern im Mittelpunkt.

In diesem Text erfahren Sie:

„Neueste Studien zeigen, dass gut zehn Prozent der männlichen Fitnessstudio-Besucher Substanzen aus dem anabolen Bereich konsumieren“, sagt der Kölner Sportmediziner Wilhelm Bloch. Einer der Hauptgründe sei die Verharmlosung des Missbrauchs sowie die Verbreitung unrealistischer Körperideale in sozialen Medien.

Besonders häufig werden sogenannte Anabolika beziehungsweise anabole Steroide missbraucht. Dazu zählen Testosteronpräparate oder synthetische Varianten, die eigentlich verschreibungspflichtige Medikamente sind. Sie sollen den Muskelaufbau beschleunigen, die Leistungsfähigkeit steigern und die Regeneration verbessern. Daneben spielen Wachstumshormone, Insulin, Schilddrüsenmedikamente, entwässernde Mittel oder Potenzmittel eine Rolle. Auch sogenannte „Fatburner“ und stimulierende Substanzen werden genutzt. In den vergangenen Jahren kamen zudem vermehrt SARMs („Selective Androgen Receptor Modulators“) hinzu. Diese Stoffe werden oft als angeblich risikoärmere Alternative zu klassischen Steroiden vermarktet, können aber ebenfalls erhebliche Nebenwirkungen verursachen.

Anpassungsdruck über soziale Medien

Die Szene hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Während leistungssteigernde Medikamente früher vor allem mit professionellem Bodybuilding in Verbindung gebracht wurden, beobachten Suchtmediziner und Ermittlungsbehörden heute eine zunehmende Verbreitung im Breitensport. Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube vermitteln häufig den Eindruck, ein extrem muskulöser Körper sei allein durch hartes Training erreichbar. Tatsächlich wird der Konsum leistungssteigernder Substanzen oft verschwiegen oder verharmlost.

Auch bekannte Persönlichkeiten aus dem Bodybuilding warnen vor den Folgen. Der ehemalige Bodybuilding-Star Arnold Schwarzenegger erklärte mehrfach öffentlich, junge Sportler sollten nicht versuchen, ihren Körper mithilfe von Steroiden zu formen, sondern auf konsequentes Training, Geduld und eine gesunde Lebensweise setzen. Gesundheit dürfe niemals dem schnellen Muskelaufbau geopfert werden.

Ein wachsendes Dunkelfeld

Wie groß das Problem tatsächlich ist, lässt sich nur schwer beziffern. Viele Konsumenten sprechen nicht über ihren Medikamentengebrauch, und zahlreiche Fälle werden nie bekannt. Experten gehen deshalb von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Studien aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zeigen jedoch, dass insbesondere junge Männer zwischen 18 und 35 Jahren zu den Hauptkonsumenten zählen. Ermittlungsbehörden beobachten zudem einen wachsenden Schwarzmarkt. Die Medikamente werden über das Internet, soziale Netzwerke, Messenger-Dienste oder Kontakte in Fitnessstudios beschafft. Nicht selten stammen sie aus illegalen Laboren im Ausland.

Erhebliche gesundheitliche Risiken

Die gesundheitlichen Folgen können gravierend sein. Anabole Steroide erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie verweist zudem auf Risiken wie Thrombosen und Nierenschäden. Männer riskieren unter anderem Unfruchtbarkeit, Potenzprobleme und eine Schrumpfung der Hoden. Bei Frauen können eine Vertiefung der Stimme, Zyklusstörungen und verstärkte Körperbehaarung auftreten.

Auch die Psyche leidet häufig unter dem Medikamentenmissbrauch. Aggressivität, Stimmungsschwankungen, Depressionen und Abhängigkeitserkrankungen gehören zu den bekannten Nebenwirkungen. Ärzte warnen zum Beispiel auch vor einem erhöhten Risiko für Thrombosen.

Besonders gefährlich ist, dass viele Präparate aus dem Schwarzmarkt stammen. Untersuchungen zeigen immer wieder, dass Produkte falsch dosiert, verunreinigt oder sogar gefälscht sind. Manche enthalten völlig andere Wirkstoffe als auf der Verpackung angegeben.

Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei Medikamentenmissbrauch deutlich erhöht

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Annabell Gsödl

Ärzte erkennen den Medikamentenmissbrauch oft nicht

Medikamentenmissbrauch wird in Arztpraxen häufig erst spät erkannt. Viele Betroffene verschweigen die Einnahme leistungssteigernder Substanzen aus Scham oder Angst vor Kritik. Gleichzeitig ähneln manche Beschwerden zunächst gewöhnlichen Gesundheitsproblemen.

„Bei Nebenwirkungen sind Hausärztinnen und Hausärzte oft der erste Ansprechpartner – der Substanzmissbrauch wird aber nur selten benannt“, erklärt der Endokrinologe Sven Diederich. Nach seinen Angaben nutzen etwa acht bis fünfzehn Prozent der männlichen Fitnessstudio-Besucher Anabolika, unter ambitionierten Bodybuildern sogar deutlich mehr.

Dennoch gibt es Warnsignale. Auffällige Muskelzuwächse innerhalb kurzer Zeit, schwere Akne, Bluthochdruck, Hormonstörungen, Stimmungsschwankungen oder ungewöhnliche Veränderungen der Blutwerte können Hinweise auf Anabolikamissbrauch sein. Experten empfehlen Ärzten deshalb, bei entsprechenden Symptomen gezielt nach der Einnahme leistungssteigernder Mittel zu fragen.

Wenn der Wunsch nach Muskeln zur Krankheit wird

Hinter dem Medikamentenmissbrauch steckt häufig mehr als nur der Wunsch nach sportlichem Erfolg. Fachleute beobachten zunehmend die sogenannte Muskeldysmorphie, umgangssprachlich auch „Muskelsucht“ genannt. Betroffene nehmen ihren Körper trotz ausgeprägter Muskulatur als zu schmächtig wahr und trainieren zwanghaft weiter. Nicht selten greifen sie zusätzlich zu Medikamenten, um das gewünschte Körperbild zu erreichen.

Experten sehen einen Zusammenhang zwischen sozialen Medien, unrealistischen Schönheitsidealen und dem steigenden Medikamentenmissbrauch. Der ständige Vergleich mit scheinbar perfekten Körpern erzeugt insbesondere bei jungen Männern einen erheblichen Druck.

Hilfe und Prävention

Lange Zeit gab es nur wenige spezielle Hilfsangebote für Menschen, die leistungssteigernde Medikamente missbrauchen. Inzwischen sind jedoch verschiedene Präventions- und Beratungsprojekte entstanden.

Beispielsweise engagiert sich die Nationale Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) mit Präventionsprogrammen für Jugendliche und junge Erwachsene. Im Mittelpunkt stehen Aufklärung über Gesundheitsrisiken, die Förderung eines realistischen Körperbildes und die Vermittlung von Trainings- und Ernährungswissen ohne leistungssteigernde Medikamente.

Darüber hinaus können sich Betroffene an Suchtberatungsstellen, Sportmediziner oder endokrinologische Fachambulanzen wenden. Suchtexperten fordern allerdings seit Jahren einen Ausbau der Beratungsangebote. Während es für Alkohol- oder Drogenabhängigkeit zahlreiche Hilfestrukturen gibt, existieren für Menschen mit Anabolika- oder Medikamentenmissbrauch bislang nur wenige spezialisierte Anlaufstellen.

Ein Problem weit über den Leistungssport hinaus

Der Medikamentenmissbrauch in Fitnessstudios ist heute vor allem ein Gesundheits- und Gesellschaftsproblem. Die Substanzen versprechen schnelle Erfolge, bergen aber erhebliche Risiken für Körper und Psyche. Gleichzeitig sorgen soziale Medien und unrealistische Schönheitsideale dafür, dass der Druck auf junge Menschen wächst. Experten sind sich deshalb einig: Aufklärung, Prävention und leicht zugängliche Beratungsangebote sind die wirksamsten Mittel, um diesem Trend entgegenzuwirken.

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